Tagebuchbloggen

Juli-Liste 2022

Bildersammlung aus dem Juli 2022, zum Beispiel ich auf dem Fahrrad, ein durchtrennter Zweig, eine Limonade, ein japanischer Garten

  • Der Juli beginnt mit einem Paukenschlag: Ich habe eine Genossenschaft mitgegründet! Mehr Infos darüber gibt es hier.
  • Am ersten Juli also direkt: Erschöpfung und große Freude!
  • Pflanzen kaufen, Spaghetti kochen, Radfahren: Alles ist schön(er) zusammen.
  • Ich kämpfe seit Monaten mit Konzentrationsschwierigkeiten, und schiebe die Schuld auf Social Media. Mehrmals diesen Monat lösche ich alle Apps von meinem Handy, stelle das Display auf Schwarzweiß, Flugmodus, vergrabe es an der Biegung des Flusses. Ich nehme mir vor, an meiner Tagesroutine zu arbeiten: Morgens kein Handy, weniger Koffein, Meditation. Es klappt so mittelgut.
  • Das Jahr ist über den Zenith, und es passiert so unfassbar viel, dass ich es manchmal nicht genießen kann, sondern mit Scheuklappen durch die Monate hetze.
  • Bin fest entschlossen, mich ab jetzt nicht mehr so zu stressen. Wozu auch?!
  • Rihanna-Voice: Work Work Work Work Work Work / PDFs PDFs PDFs PDFs PDFs / Steuer Steuer Steuer Steuer Steuer Steuer / E-Mails E-Mails E-Mails E-Mails E-Mails E-Mails
  • Ich wurde in einem relativ formalen Setting gefragt, was meine Schwächen seien. Ich fand die Frage extrem unseriös! Ich antwortete also etwas unbeholfen: »Na ja, also ich bin sensibel; das ist zwar keine Schwäche, aber wird einem manchmal als solche angerechnet …« Unangenehm. Red Flag, diese Frage!
  • Wenn mir leicht esoterisch angehauchte Frauen im mittleren Alter von ihren spirituellen Wanderreisen erzählen, werde ich einfach schwach und bin schock-verliebt.
  • Im Hamburger Bahnhof sehe ich einen kleinen Zweig, den der Künstler Daniel Steegmann Mangrané akribisch in der Mitte durchtrennt hat. Irgendwas macht er mit mir.
  • N. schenkt mir in der Buchhandlung ein Buch: »Die Freiheit, frei zu sein« von Hannah Arendt. »Das ist doch dein Thema, Christi!«
  • Das Leben hier fühlt sich nicht mehr neu an. Wir sind nun schon so lange in dieser Stadt, dass sie uns nicht mehr ständig überrascht. An alles haben wir Erinnerungen von vor 10 Jahren, das Allermeiste hat nun irgendeinen Vergleich aus der Vergangenheit. Nach den neuen Dingen muss man nun noch aufmerksamer suchen.
  • »Ich habe mal wieder Lust auf eine Party mit vielen fremden Leuten, auf der man sich ganz neu erfinden kann!«
  • Mein Lehrauftrag an der UdK ging zu Ende. Wie schnell dieses Semester vorbei war … Mein Kopf raucht, und ich bin nicht sicher, wer hier wirklich etwas gelernt hat: Die Studierenden oder vor allem ich selbst?
  • Alles was ich will ist lange frühstücken, im Café sitzen, malen und Kuchen essen. Die Welt soll mich in Ruhe lassen mit ihrem Erwachsenenkram!
  • Immer wieder überrascht, wie nervös ich durchs Leben gehe, bei sämtlichen Job-Sachen aber absolute Ruhe bewahren kann.
  • Liebe es, wenn andere Leuten Essen für mich zubereiten! Es ist die schönste Geste, wenn mir jemand eine Vesperdose mit einer handgemachten Stulle überreicht.
  • Ähnlich gut: Andere Leute mit einem Einkauf überraschen (zum Beispiel Freunde in Quarantäne). Man kann all die Dinge kaufen, die sich die andere Person (oder man selbst) niemals kaufen würde (Joghurt mit der Ecke), und teilt so ein Stück persönliche Alltagskultur.
  • Das kam unerwartet: Habe in Brandenburg meine Freude an akribisch gepflegten japanischen Gärten entdeckt.
  • Auf dem CSD mal wieder fast kurz zu heulen begonnen: Einfach da sein können, zwischen so vielen gut gelaunten, queeren Leuten. Ein Tag für uns, und alle wollen und können teilhaben.
  • Wochenends: Radeln durch Brandenburg.
  • Besuch im Haus der Wannseekonferenz: Manchmal muss ich mich zwingen, mich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Ich denke schnell: Das weiß ich ja alles schon. Aber das Erinnern ist mindestens genau so wichtig wie das Wissen selbst (und vieles weiß ich dann doch noch nicht).
  • Im Juli am eigenen Leibe erfahren: Mut lohnt sich.
  • Zwischendurch immer wieder kurz Weltschmerz: Corona, Krieg, Affenpocken, Energiekrise, Klimakatastrophe. Wie machen wir das alles?

Juni-Liste 2022

  • Irgendwo ist immer Feuerwerk in dieser Stadt.
  • Unterm Strich kann man den Juni mit dem Fazit beenden: Ich bin ein nervliches Frack. Um das direkt mal zu klären. Der Monat bestand aus einer Flut aus Dokumenten, Calls, Stresssituationen und nebenbei auch noch einem Haufen Arbeit. Die 10 Tage Urlaub, die auch noch passiert sind, hätten auch gerne doppelt so lang sein können. Aber immerhin: Sommer!
  • Ich bin die Person, die am liebsten nach dem ersten Drink nach Hause geht. S. sagt: »Wir sind eben Leute, die sich entspannen, wenn sich die Reize um uns herum reduzieren.«
  • Vorwürfe, die nicht als solche formuliert sind, sind trotzdem Vorwürfe. Sie zu enttarnen und dann mit ihnen umzugehen, ist gar nicht so einfach.
  • Take Me as I am (Max Cooper Remix).
  • Ich telefoniere mit S., erzähle ihr von all den Baustellen. Sie versichert mir, dass sich der Stress lohnen wird. Die Freunde, die einen ermutigen, sind die besten Freunde!
  • Seit Jahren mal wieder auf der re:publica. So viele Eindrücke, so viele Menschen! Aber auch: Seit langem mal wieder das Gefühl, außerhalb des Internets unter sehr vielen Leuten zu sein, die ein bisschen ticken wie ich. Oder zumindest sehr ähnliche Interessen haben.
  • Wie E. da auf der Bühne sitzt und spricht – sie beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue, so unfassbar klug und bedacht ist sie, wenn sie diskutiert und über Dinge reflektiert.
  • Das Leben Ü30: Alles ist gut, solange ich vor 24 Uhr ins Bett gehe.
  • Ich frage Thilo, womit ich im Internet berühmt werden könnte. Seine Antwort: »Shirtless Content.« Ernüchternd! Vielleicht ist Internet-Fame doch nichts für mich.
  • Robin Thiesmeyer (Meta Bene) auf der .txt Konferenz über sein Notizbuch: „Es lebt nach der Chaostheorie. Alles hat mit allem zu tun.“ Notiz an mich: Mehr in mein Skizzenbuch kritzeln! Ich folge diesem Rat am Abend und bin erstaunt darüber, wie viel nach so einem Tag aus dem Kopf noch raus aufs Papier muss.
  • Für mich sein: Mein optimaler Aggregatzustand.
  • Merken, dass etwas nicht klappt, und es egal finden. Irgendwie erleichternd.
  • Es ist immer gut, einen Plan B, und dann auch noch ein Plan C zu haben. Wenn das mit der Wohnung nicht klappt, gehe ich nach Wien. Wenn das mit Wien nicht klappt, gehe ich in den Wald und vergrabe mich.
  • Ich packe seit Jahren mal wieder für einen längeren Urlaub, und fühle mich dabei wie ein absoluter Amateur. Ich will am liebsten meine ganze Wohnung mitnehmen, und kann plötzlich Wohnmobil-Enthusiasten total verstehen. Mein letzter Urlaub mit Flug und Strand und Meer ist Jahre her – kein Wunder, dass ich das alles verlernt habe.
  • Die Wucht, mit der diese kleine weiße Tablette meine Angst auflöst, ist einfach nur abgefahren.
  • Komplett positiv beeindruckt von Griechenland und vor allem Athen. Was für eine schöne, kaputte, wirre Stadt.
  • Für mein zukünftiges Leben will ich mir ein Beispiel an Griechenlands Katzen nehmen: Sie haben keine Angst von niemanden und lassen es sich überall gut gehen. Auch auf den mit Touristen vollgestopften Treppen zur Akropolis liegen sie herum und sonnen sich.
  • Mit dem Taxi zur Fähre, mit der Fähre auf die Insel, mit dem Taxi über die Serpentinen in die Stadt. Dafür, dass mir sonst schon schlecht wird, sobald ich länger als 10 Minuten in einem Auto sitze, war das alles überraschend machbar.
  • Bzgl. Thema Urlaub: Pool > Strand.
  • Allerschlimmste Erfahrung der letzten vier Wochen: Gesichtsmassage. Das war wirklich das schrecklichste, wofür ich (unfreiwillig!) jemals Geld ausgegeben habe.
  • Ich mag, wie beim nichts tun die Zeit verschwimmt.
  • Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub fühlt sich so frisch an wie lange nicht mehr. Wie schafft man es, nicht sofort wieder einzurosten?

Mai-Liste 2022

collage of images, like friends, flowers and fruits

  • 2. Mai, ich gebe mein erstes richtiges Seminar an der UdK. Mit Henning Wagenbreth in der Illustrationsklasse. Alles ist irgendwie surreal, vor allem, dass ich so wenig nervös bin. Was ist da los?!
  • Ich konnte in diesem Monat einige neue Dinge auf meine »Nein«-Liste schreiben, die mich im Nachhinein immer dankbar aufatmen lässt. Puh. Zum Glück habe ich das abgelehnt und keine Zeit dafür investiert.
  • Der Mai war definitiv zu voll mit Gesetzestexten, Juristensprech, Fremdwörtern und schlecht gescannten PDFs. Sobald man sich einen Tunnel durch die PDF-Berge gegraben hat, fällt man in ein noch tieferes Loch und es dauert wieder eine Woche, bis man den Begriff entschlüsselt und das richtige Dokument angefordert hat.
  • Generell: wolkig im Kopf.
  • Manchmal dauern 15 Minuten im Kopf 75 Minuten, und das frisst richtig viel Energie.
  • Habe mich mehrmals bei der Unsicherheit ertappt, ob Dinge nun tatsächlich oder nur im Traum passiert sind. Sowieso: Viel wild geträumt im Mai.
  • Sich hier und da nochmal beweisen, dass man gewisse Dinge kann, das muss manchmal sein.
  • Für die warmen Tage im Mai war der Südblock mein Happy Place. Pommes forever!
  • Außerdem: Nudeln und Netflix. Deep Dish Pizza bei Magic John’s. Tonka-Eis mit Sesam-Krokant mit Eva im Treptower Park. Aperol Spritz, fuzzy im Kopf. Schlimmster Koffeinrausch seit dem Club-Mate-Bachelor-Studium.
  • Ich bin eigentlich wirklich durch mit dem Coming-of-Age-Thema, aber Heartstopper hat auch mich gekriegt. So wholesome; und für Leute wie mich, die eine Schulzeit voller Queerfeidlichkeit und Tabuisierung erlebt haben, auch irgendwie eine Versöhnung.
  • Erkenntnis im Biergarten: Wir sind schon auch ein bisschen cooler geworden.
  • Jeden Tag dankbar dafür, keine OKRs im Nacken sitzen zu haben.
  • Den halben Monat damit verbracht, einen Haken zu suchen, aber es findet sich einfach keiner.
  • Mein wertvollster Besitz sind, und das klingt kitschig, zwei Kisten voller Briefe. An einem Freitag Abend bin ich darin versunken. Ich habe die schönsten Briefe von den besten Leuten. Schickt euch (mir!) Briefe, Leute!
  • Ich treffe Paul im Wedding. Er gibt mir eine Schreibaufgabe: 1000 Zeichen über meine Emotionen unserer Begegnung. Er hat mit eine 2+ drauf gegeben. Emotionstechnisch geht noch was.
  • Seit Wochen keinen Bleistift oder Pinsel mehr in der Hand gehabt. Seit sechs Monaten keinen Newsletter verschickt. Meine Kreativität trocknet vor sich hin wie eine kleine alte Rosine.
  • Aber immerhin: Neuköllner Maientage! Ich liebe die Soundkulisse, das Publikum, die Lichter. Alles, was mir sonst viel zu viel ist, sauge ich auf wie ein Schwamm.
  • Ein Freund erzählt mir eine Übung aus seiner Verhaltenstherapie: Schuhe kaufen und direkt danach zurück bringen. Würde ich mich niemals trauen! Sollte ich also mal ausprobieren.
  • Feiertage: Perfekt zum Arbeiten, niemand stört.
  • Meine Stimmung ist immer genau wie das Wetter. Die letzten Mai-Tage waren ein wilder Ritt aus Sonne, Sturm und Regen. Ich kann nicht mehr.
  • “Whatever you plan on happening, never happens. Stuff you would never think of happens. So you just have to come on. Come on, come on, come on, come on …”

April-Liste 2022

  • Manche kämpfen noch in den Schlachten, in denen man selbst schon gesiegt hat. Das eigene Fortkommen sehen, das ist auch was. Zu merken, dass »It gets better« nicht nur eine Floskel ist.
  • Gutes Gefühl, das für Freelancer manchmal rar ist: etwas machen, und nicht allein damit sein.
  • Slow Sundays.
  • Habe meinen Rhythmus gefunden: Morgens früh aufstehen und eine Stunde arbeiten, dann zum Sport, denn dann sitzt mir die Arbeit nicht mehr so im Nacken und ich hab’ den Kopf frei.
  • Bin jetzt einer dieser Menschen, die regelmäßig zum Sport gehen, weil »mir das einfach total gut tut«.
  • Einerseits ärgere ich mich, wenn ich 10 Folgen The Office schaue anstatt ein Buch zu lesen, andererseits genieße ich es auch. Und GENUSS ist schließlich mein Jahresmotto!
  • Die Frau, die in der Oper um einen Platz am Rand bittet (»Ich brauche einen Fluchtplatz!«). I feel you.
  • Ansonsten von diesem Abend gelernt: Oper ist nix für mich. Fragt mich in 20 Jahren nochmal.
  • Sehr oft passiert im April: Bis 10 Uhr geschlafen und mich danach gefühlt als hätte mich jemand verdroschen.
  • Jemand sagt mir in einem Workshop, ich hätte eine »charming personality«, und wenn das nix ist, was dann?!
  • Gestrandet in Brandenburg: Wir essen billigen Blechkuchen in einem tristen Café. Dass Brandenburg ständig all seine eigenen Klischees erfüllt, finde ich überraschend konsequent.
  • Mit eigenen Ohren gehört: Wohnen auf der Karl-Marx-Allee ist lauter als es schön ist. Sowieso, diese Straße, was stimmt nicht mit ihr? Sie wäre ein Traum für Fußgänger, wenn es nur Gründe gäbe, auf ihr zu flanieren.
  • Kurz den eigenen moralischen Kompass in Frage gestellt (und dann via Telefonkette von allen Freunden bestätigt worden).
  • »For a gay guy, if you’re not going to be the stud, you might as well be the freak«. Patrick Moore in der neuen Netflix-Serie über Andy Warhol
  • »A few years into a decade is when it really becomes a decade«, schreibt der in sein Tagebuch. Lasst uns also noch ein paar Jahre durchhalten, um zu sehen, was aus den 20ern des 21. Jahrhunderts wird.
  • »In some ways, it’s the way we figure out who we are, rather than express who we are« sagt Glenn Ligon über Wahrhol und seine Queerness. Wie Kleist: »Die Idee kommt beim Sprechen.«
  • Ostern allein zu Haus: Spaghetti mit Feta und roter Beete, Tortiglioni mit Kichererbsen und Parmesan, Ravioli mit Zucchini und Kirschtomaten.
  • Zur Feier der Feiertage rasiere ich mir einen Schnurrbart. Im Spiegel: eine völlig andere Person. Es sieht nicht komplett schrecklich aus, aber ich glaube, es ist gerade nicht die Person, die ich sein will.
  • Nachmittags aus Lust und Laune rüber zum Traumeck und mir eine kleine Portion Pommes gegönnt – beste Leben!!
  • Hockney in der Gemäldegalerie, Gabby auf dem Tempelhofer Feld, Paul am Potsdamer Platz.
  • Unter Druck entstehen Diamanten – oder zumindest die Vorbereitungen meiner Workshop-Woche.
  • Gestrandet in Hannover: Was haben Menschen eigentlich vor Smartphones gemacht?!

März-Liste 2022

Foto von einem großen Blumenstrauß auf dem Nachtisch eines Bettes. Daneben liegen Taschentücher und Schmerztabletten

  • An manchen Orten haben die Tage doppelt so viele Stunden.
  • Vom Leben gelernt: Wer sich nicht selbst platziert, kommt an den blöden Tisch in der komisch riechenden Nische neben der Küche.
  • Ich bin in Wien und traue mich nicht, ein Schnitzel zu bestellen, weil ich Angst vor dem Moment habe, die halbe Portion wegen ihrer übertriebenen Größe zurückgehen zu lassen. Die Blicke des Personals würde ich nicht ertragen. Wie verkorkst kann man sein?!
  • Meine Vermutung: Die Wiener checken selbst nicht, wie sich ihre verwirrend betitelten Kaffeespezialitäten voneinander unterscheiden. Alles heißt überall anders, das meiste ist letzten Endes eine Art bitterer Cappuccino.
  • Am meisten in Wien bedauert: Habe voreilig Topfenstrudel anstatt Buchteln bestellt. Aber eigentlich kann man auch mit Topfenstrudel nie etwas falsch machen.
  • Schön in Wien: Die Straßenmusik. Während es in Berlin nur verstimmte Gitarren und Saxophone gibt, die »Hit The Road Jack« spielen, gibt es hier Akkordeon, Violine, Klavier; alles durchströmt die sonnigen Straßen mit einem angenehmen Klang. Die beste Form von Kitsch.
  • Zwischen Negativ und Positiv liegt manchmal nur ein Rachenabstrich. Knapp die Hälfte des Monats verbringe ich krank und schlapp im Bett. In meinem Hals hat jemand ein Feuer gelegt.
  • Blumen helfen immer!
  • Ich höre einen Vortrag von Doris Dörrie über ihr neues Buch zur Heldinnenreise; es ist der Tag, an dem Marina Owssjannikowa im russischen Staatsfernsehen ein Plakat gegen den Krieg in die Kamera hält. Sie riskiert damit alles. Mein Freundeskreis ist sich einig: Wir wären wohl nicht so mutig gewesen.
  • In zwei Wochen Corona habe ich alle übrigen Gehirnzellen durch The-Office-Bingewatching zu Brei verarbeitet.
  • Ich habe das morgendliche Frühstück von der dunklen Küche ans helle Wohnzimmerfenster verlegt. Life-changing!
  • Das Leben der Charaktere in Almodóvar-Filmen ist nicht immer beneidenswert, aber ihre Wohnungen und Wandfarben sind es definitiv!
  • 30 sein heißt für mich: Wenn ich nach 24 Uhr ins Bett gehe, habe ich am nächsten Tag einen Kater, egal ob mit oder ohne Alkoholkonsum.
  • Aus der Corona-Höhle direkt in einen Arbeitsstunnel gefallen. Aber einen von der guten Sorte – wissen, was zu tun ist, ist der beste Arbeitszustand.
  • War das erste Mal in einem dieser Restaurants, in denen man sehr exzellentes Essen in sehr kleinen Portionen bekommt, und ich hätte nicht gedacht, dass ich es so aufregend und interessant und schön finde.

Februar-Liste 2022

  • Es gibt wenige Anrufer, die auf den Handydisplay Vorfreude auslösen. Aber es gibt sie!
  • Kreative Arbeit und Deadlines, das passt doch einfach nicht zusammen.
  • Tut gut: Nach langem Ringen dann doch aufgeben.
  • Die Kunst des Lebens ist es, es an den richtigen Stellen zu intensivieren.
  • Leute, wenn ihr mich für zwei Stunden in eurem Zoom Call haben wollt, dann stelle ich euch das in Rechnung! Do the math.
  • Unverzichtbar im Februar: Vitamin-Tabletten, und eine Handvoll Slow Days (malen, rumliegen, nirgendwo hin müssen).
  • Wo ist eigentlich die Grenze, an der Self Care in Faulheit übergeht?
  • Der ultimative Test für die Stärke einer Beziehung ist und bleibt der gemeinsame Besuch bei IKEA. Wer noch eine Schippe drauf legen will, sucht danach an einem Freitag Abend in Neukölln einen Parkplatz.
  • Lotte Laserstein: Abend über Potsdam. Ein Bild von 1930, ein Bild wie aus der Gegenwart.
  • Draußen wütet ein Sturm.
  • Was hilft: Spiralen ins Tagebuch malen wie Lynda Barry.
  • Mit ein wenig Abstand kann man beim Blättern zwischen den Februar-Seiten sehen, wie sich der Himmel über der Welt verdunkelt.
  • So lange ich noch kann, muss ich die Welt aussperren, sonst gehe ich an ihr kaputt.

Januar-Liste 2022

Nachdem die erste Januar-Woche schon so turbulent war, war der Rest des ersten Zwölftel des Jahres doch eher gemäßigt. Was vor allem an der Tatsache lag, dass ich durch eine kleine Operation am Fuß nur schlecht laufen konnte und so knapp zwei Wochen das Haus kaum verlassen habe. Nach zwei Jahren Corona ist das aber ja auch irgendwie nichts besonderes mehr. Also los:

  • Bzgl. Corona: Die Luft ist raus.
  • Generelles Misstrauen dem niedrigen Stresslevel gegenüber.
  • Gutes Gefühl: Instinkt! Das hat doch bisher auch immer ganz gut geklappt. Und im Zweifel: Euphorie hilft auch.
  • Musical-Filme sind wirklich absolut furchtbar anzusehen. Alles in mir wehrt sich gegen diese Synthetik-Emotionen. Die Darsteller·innen glauben sich das doch selbst nicht!
  • 24. Januar, 14 Uhr: Mein Kalender erinnert mich an das nächste anstehende Ereignis: »Nickerchen«. So muss das sein.
  • Matschige Tage, innen wie außen
  • Drehe einen Texteinstieg hin und her. Er will mir einfach nicht gelingen. Wie schrecklich muss es sein, Schreiben zum Beruf zu haben?! Wie kommt ihr klar?!
  • 2002. 2012. 2022. Ab irgendeinem Punkt im Leben kann man sich an alles erinnern, und die Jahre rasen nur so an einem vorbei.
  • Mitten im Januar fange ich an, meine persönlichen Excel-Tabellen akribisch neu zu strukturieren. Nach Jahren lerne ich endlich verschiedene Formeln und Funktionen und am Ende sitze ich vor einer Vielzahl an Tabellenblättern, die ich so in zwei Monaten (wenn ich meine Steuererklärung mache) definitiv überhaupt nicht mehr verstehen werde.
  • Gelernt: Ein Großteil meiner Unentschlossenheit hängt damit zusammen, dass ich mir selbst nichts erlaube. Wer sich selbst wichtig nimmt, der stellt sich doch manche Fragen erst gar nicht.
  • Denke über die Anschaffung einer lauteren Präsenz nach.
  • Bisher hat mein krampfhaftes Mantra »Jetzt hab ich’s, jetzt hab ich Corona!« zuverlässig gegen eine Infektion geholfen. Und die Tatsache, dass ich das Haus leider so gut wie gar nicht verlassen habe.
  • Da hinten im Kopf sitzt sie, die kleine Sorge, und manchmal macht sie sich bemerkbar.
  • Live in the moment then let it go.