
- Im Vorbeigehen höre ich eine Frau zu ihrer Freundin sagen: »Du, ich mache es jetzt anders. Ich arbeite zum Beispiel unter der Woche und auch am Wochenende überhaupt nicht mehr.«
- Vienna Pride: Eine fremde Frau, als Fee verkleidet, tanzt an uns vorbei und schreit »Mund auf!« Dann sprüht sie J., der das bereitwillig tut, mit einer Wasserpistole in den Mund. D. und ich schauen uns entgeistert an, nie im Leben hätten wir …, und dann ist der Moment auch schon vorbei.
- Die Straßenbahnen fahren nicht mehr, der Boden ist aufgeplatzt, neben den Schienen quillt die Bitumenmasse hervor. Auf dem glühend heißen Boden verbrenne ich meine Fußsohlen.
- In der Hitzewelle liege ich mit einem nassen Handtuch und heißen Kopf in meinem abdunkelten Wohnzimmer. Bin ich wirklich so träge von der Hitze, oder bin ich vor allem träge, weil mir das auf Social Media eingeredet wird? Realität und Fiktion verschwimmen, 72 Stunden Delirium.
- Ich telefoniere mit J. in Colorado. Wegen der vielen Feuer in den USA ist die Luft schlecht, rausgehen ohne Maske ist anstrengend. Hier in Berlin hat es 39 Grad, die Stadt ist müde und leer. F. hat Hautausschlag vom Eichenprozessionsspinner, der die Wälder und Parks in Beschlag genommen hat. Das ist es, das Leben mitten in der Klimakatastrophe.
- Auf dem Weg nach Potsdam halten wir kurz und schlendern durch die »Nutheschlange«, eine Wohnsiedlung, die Doris und Hinrich Baller hier Ende der 1990er entworfen haben. Wie in den meisten ihrer Entwürfe herrscht auch hier eine surreale Ruhe, eine, die man einer Stadt heutzutage überhaupt nicht mehr erlauben würde.
- In unserem jährlichen Writing = Design Workshop kommt, natürlich, irgendwann das Thema KI auf. Ich versuche, elegant darum herum zu navigieren, will vermeiden, dass das Thema die ganze Woche einnimmt. Das kann es nämlich gut; jede Debatte, jeder Optimismus wird vergiftet.
- Manchmal reicht für das absolute Glück eine grüne Welle beim Fahrradfahren.





