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Zum Ende des Kapitalismus

Wir sitzen spätabends im Schnellrestaurant, und mein guter Freund S. erzählt mir vom Ende des Kapitalismus. Es gäbe zwei Möglichkeiten, sagt er: Mit der einen bricht der Kapitalismus entzwei und alles Geld wird wertlos. Mit der anderen explodiert die Wissenschaft – so in zehn, zwölf Jahren – und knackt den Schlüssel zur künstlichen Intelligenz. Binnen kürzester Zeit werden sämtliche Arbeitskräfte (er wirft einen Blick auf die McDonalds-Mitarbeiter hinter uns) durch Maschinen ersetzt. Alle Arbeit des Alltags wird von Robotern übernommen: die Verkäufer, die Kassierer, die Banker, die Fahrer der U-Bahnen.

In beiden Fällen, sagt S., ist er der Gewinner: Zerbricht der Kapitalismus, verschwindet auch sein Minus auf dem Konto – ein Problem verpufft zu Rauch. Und mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz werden wir die Einzigen sein, die die Welt noch braucht; die Kreativen, Intuitiven, deren Schaffen noch nicht durch Mathematik zu bezwingen ist.

Im November

Was mir nicht zusagt, ist die Tatsache, dass die Tage einfach so verstreichen; wenn ich im Halbdunklen aufstehe, mich aus dem Bett ins Büro schäle und hier bin, bis irgendwann zum Nachmittagskaffee das Licht draußen wieder verschwindet. Dann ist aus Anfang plötzlich Ende November geworden, ohne dass etwas geschehen ist – oder zumindest ohne, dass ich es als Geschehenes wahrgenommen hätte.

Meine Erwartungen an die Zukunft

Als aktiver Teilnehmer und Mitgestalter der Zukunft habe ich folgende Erwartungen:

An erster Stelle steht – und das ist schon lange überfällig: Ein Fruchtsaft, der wohlschmeckend gegen jedmögliche Alltagskrankheiten (Grippe, Erkältungen, Hautkrankheiten, Magenprobleme, usw. usf.) immunisiert. Ich spreche hierbei nicht von der täglichen Dosis Vitamine, die wir zur Vorbeugung schon jetzt zu uns nehmen können; nein, ich spreche von einem schnell und einfach zubereiteten Getränk, das diese Beschwerden vollkommen aus der Welt bzw. aus dem Körper schafft. Dauerhaft.

Weitergehend wünsche ich mir, anstatt intelligenten Kühlschränken, intelligente Kleidung: Sie soll leicht und sportlich sein, gleichzeitig elegant und einfach zu pflegen. Die Kleidungsstücke bestehen aus einem besonderen Material, das sich der Außen- wie auch der Körpertemperatur anpasst – so kann es sowohl im Sommer als auch im Winter getragen werden; das Mitnehmen von zusätzlichen Jacken oder Regenkleidung wird nicht mehr nötig sein.

Ich wünsche mir, auf einem Vehikel durch die Stadt fahren zu können, das kompakt, schnell und umweltschonend ist. Es ist klein genug, um in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert zu werden, und groß genug, um mich sicher und zügig ans Ziel zu bringen. Außerdem ist das Vehikel in Supermärkten erlaubt, reinigt und repariert sich selbst und verfügt über ein kompaktes, zuverlässiges Schloss.

Ein weiteres leidiges Thema: Haarschnitte! Die müssen in Zukunft nicht mehr durch Friseurbesuche geregelt werden, sondern erfordern lediglich ein Selfie, eine einfach zu bedienende Frisur-Design-Software und eine Spezialkappe, die den gewünschten Haarschnitt in Windeseile auf das Kopfhaar überträgt. Kleine Änderungen (Ausrasieren des Nackens, Kürzung der Schläfen, Nassrasur, usw.) werden anschließend gerne und kostenlos vorgenommen.

Die Zukunft ist befreit von pseudosmarten Armbanduhren und hält stattdessen ein staatliches Verwaltungssystem bereit, das ausschließlich über das Internet erreichbar ist: Bürokratie kann nun am Heim-PC stattfinden und erfordert kein fünfstündiges Warten in stickigen Ämtern mehr. Sogar die Steuererklärung wurde durch User Centered Design in ein einfach zu lösendes Solitaire Online-Game umgewandelt, um auch Menschen mit regulärer Schulbildung eine Möglichkeit zur Abgabe der Steuererklärung zu verschaffen.

Die Zukunft wird gut, ich spüre das! Und wir sind ein Teil davon. Wie Erik so schön sagt: »Alles ist fertig, es muss nur noch gemacht werden.«

Und ich träumte,

durch die leeren Straßen meiner ehemaligen Heimatstadt rennend: In der Dämmerung, einige dutzend Meter hinter mir, spaziert ein Mann. Weil ich pinkeln muss, beschleunige ich meinen Gang; der Mann tut es mir gleich. Er kommt mir näher. Ein zweites Mal drehe ich mich nach ihm um; verwirrt und beunruhigt. Der Mann hat langes, dunkles Haar, zum Pferdeschwanz gebunden. Dunkle Klamotten und unreine Haut, sein herbstgraues Gesicht erinnert mich an Aphex Twin. Er guckt streng und schreitet forsch. Ich schreite forscher, fange irgendwann an zu laufen, gehe in ein unbeholfenes Joggen über; der Mann hält Schritt. Mit einem dritten flüchtigen Blick nach hinten biege in meine Straße ein, der Mann kommt zu nah; schlage Haken zur Türe meines Elternhauses, drücke mit einem Herzschlag die Klingel –

— Und in der Sekunde, in der mir meine Mutter öffnet, kommt der Schnitt, mein Körper steht reglos da, und anstatt in mein Gesicht blickt Mutter in das fiese Grinsen des Verfolgers.

Funktion One

Wie du da stehst, neben dem Turm, im Dunkeln, im Nebel. Ein bisschen wie Stahl, ein bisschen wie Holz, wie ein Wald, wie ein Krieg durchdringt uns das Donnergrollen. Wie das Glimmen deiner Zigarette die Nasenspitze zum Leuchten bringt. Und das harte Arbeiten der anderweitigen Körper, nur du ruhig dastehend und wie du abwegig drein schaust, den Blick nach unten gerichtet. Und ach ja, hier ich, am anderen Ende des Nebels, jage Blicke durch die gelegentlichen Funken, die den Raum zitternd machen und wie ich durch die Nebeldecken grabend, auch zittern muss. Ein Zeitstop in meiner Verfolgungsjagd, Blaulicht, Flackern, Lärm und Muskeln – Ich Enter The Void, grabe mich vor, auf dich zu, und du da am Rand, formst die Mitte hier drin.

Über das Begründen von Entscheidungen

Mein Freund Lenni hat sich ein Auto gekauft, nachdem er zwei Jahre damit verbracht hat, sein Portemonnaie mit der täglichen Nutzung von DriveNow zu entleeren. Nun fährt er also jeden Tag einen eigenen, schwarzen BMW von Friedrichshain nach Kreuzberg.

Warum er nicht Fahrrad fahre, habe ich ihn gefragt – wegen des vielen Architektengepäcks, bekam ich als Antwort. Warum er dann nicht Bahn fahre, habe ich ihn gefragt – wegen der vielen unangenehmen Menschen, hat er geantwortet. Dann warf ich noch drei Sätze zu überfüllten innerstädtischen Straßen, Lärmbelastung und Umweltverschmutzung hinterher, und schließlich ließ ich ihn in Ruhe sein Auto kaufen.

Eigentlich ist es nämlich nervig, wenn man einen konkreten Plan, einen Wunsch oder ein Bedürfnis hat, das man sich erfüllen möchte, und ständig nur von allen Seiten hört, dass das schlecht für die Umwelt, das Umfeld oder das Karma sei. Lenni erzählt, er habe sich selten für eine Entscheidung so sehr erklären müssen wie für den Kauf eines eigenen Autos.

Dass man dabei vehement das Gefühl hat, sich selbst rechtfertigen zu müssen, und ob der Vorwurf dann direkt oder ganz unterschwellig durch die Blume kommt, ist anstrengend und stiftet Missmut. Macht doch was ihr wollt! Nur weil ein Grund nicht der eigene ist, ist es noch lange nicht kein Grund.

Die Silence darf nicht zu drastic werden

Ich hab zugegebenermaßen considered, die Content Strategy in diesem Blog zu ändern. Ich weiß, dangerous, weil die Leserschaft hier Quality Content erwartet. Und trotzdem teasen mich kleinere snippets; snackable Micro Formats, die einfach besser digestable sind. Ich frage mich oft, wie ich das ganze Zeug hier enrichen kann, aber am Ende bleibt es total fragmented, und das ist ja auch okay somehow, wisst ihr; es muss ja nicht immer alles total polished sein. Man muss auch nicht immer super frequently delivern – es kann auch mal eine Zeit lang nichts passieren. Wichtig ist, dass man das timeboxed, und auf dem Schirm hat, dass die Silence nicht zu drastic werden darf. Sonst droppen die visits und die bounce rate steigt mega an; das ist dann nicht so nice. Ich will euch ja engagen; darum geht es mir ja. Engage with great content. Das ist hier die message.