musik

DJ Sabrina the Teenage DJ

Hin und wieder fühle ich mich wie gefangen im Körper eines ewigen Teenagers, der nach der Schule nach Hause kommt, den Computer-Tower mit dem großen Zeh anknipst und die CD, die er gerade aus der Bibliothek geliehen hat, auf den Computer rippt, um die Tracks dann auf den mp3-Player zu übertragen.

Leider (unterm Strich natürlich: Zum Glück!) bin ich kein Teenager mehr, und während ich mich – anstatt endlich den Arsch hochzukriegen – viel zu oft einer melancholischen Nostalgie der späten 1990er und 2000er hingebe, liefert DJ Sabrina the Teenage DJ den passenden Soundtrack dazu. In ihren lo-fi-house Tracks (und auf ihrer tollen Website) vermischt sie alles, was damals so aus unseren flackernden Fernsehgeräten flimmerte, und erzeugt so lauschige Klangteppiche, auf denen man nur zu gern rumlungert, verträumt ins Laptop guckt und dann Album für Album bei Bandcamp kauft und auf seinen mp3-Player lädt. Viel Spaß!

DJ Sabrina the Teenage DJ bei Spotify, Bandcamp und im Bandcamp-Portrait.

Red Hearse

Aktuell läuft bei mir das 2019 erschienene Album der Band Red Hearse rauf und runter, vor allem der Song Blessin’ Me. Die Band liest sich auf Wikipedia eher wie ein Side Project des Songwriters und Producers Jack Antonoff, der – sind wir mal ehrlich – ja auch in der restlichen Musik, die ich so höre, seine Finger im Spiel hat und hatte. Je mehr man über ihn liest, desto mehr will man es eigentlich nicht gelesen haben: ehemaliger Partner und Mitberwohner von Lena Dunham, Exfreund von Scarlett Johansson, Songwriting und Producing für Lorde, Tylor Swift, Lana Del Ray … Stop it already. Da ist mir das Side-Project-Framing von Red Hearse, zusammen mit Sam Dew und Sounwave, doch etwas lieber – und hörenswert ist es sowieso! Zum Beispiel auf Spotify oder Apple Music.

Im Greenscreen-Studio mit Marzia Gaggioli

Für regnerische Tage, wie wir sie gerade durchleben, habe ich neulich die perfekte musikalische Untermalung wiederentdeckt. Darf ich vorstellen? Die Künstlerin Marzia Gaggioli!

Vor Jahren sendete mir ein Freund ihren Hit »Oggi Il Sole Non C’è« – Heute gibt es keine Sonne. Ich fand das Video damals witzig und irgendwie trashig, habe mich aber nicht weiter damit befasst. Als ich mir den Song vor einigen Wochen nochmal anhörte, verlor ich mich allerdings komplett im Werk der Singer-Songwriterin. 

Marzia Gaggioli, geboren in Italien, ist ein wahres Multitalent. Sie singt in mindestens sieben verschiedenen Sprachen (und hat auch diverse deutsche Songs, wie etwa den Ohrwurm Wer bist du) in den verschiedensten Genres; von Klassik bis Schlager. Alle Songs sind von ihr geschrieben, komponiert, gespielt und – vor allem – mit haarsträubenden Musikvideos ausgestattet. Der Charme der kruden Greenscreen-Technik zieht sich durch ihr gesamtes visuelles Werk. Sogar die Kostüme sind von Marzia großteils handgefertigt. In ihren farbenfrohen Videos schreckt sie auch nicht davor zurück, genderbending in die männlichen Rollen und Outfits zu schlüpfen, wenn die Story des Stücks es verlangt.

Laut ihrer Website komponiert sie seit ihrem sechsten Lebensjahr Musik, und nach eigenen Angaben umfasst Marzias musikalisches Œuvre über 1.300 Stücke. Bei einer solchen Menge an Output muss diese, doch recht spezielle, Ästhetik also beabsichtigt sein. Und wenn man sich dessen erst mal bewusst wird, kann man sich Marzias Talent voll und ganz hingeben und genießen! Zum Beispiel auf ihrem YouTube Kanal, oder, wer möchte, auch auf ihrer Patreon-Seite. Auf dass die Sonne bald wieder scheint.

Oggi il sole non c’è
Dovevo venire a casa da te
E prendere il sole sull’erba
Ma oggi piove e qui è tutta una melma
Schifossissima melma! Ah ah è tutta una melma

Pet Grotesque

Schön: Hier und da fällt ein Track raus aus dem unendlichen Brei, den der Streaming-Dienst einem in die Hintergrundmusik schaufelt. So zum Beispiel »Pingin’ Alone« von Pet Grotesque aus London. Was sich anfangs ein wenig Lo-Fi anhört, wird relativ schnell zu einem schönen, melodischen Indie-Track. Und die 7.624 monatlichen Hörer auf Spotify lassen das Gefühl entstehen, dass man da einer Sache auf der Spur ist, der man zuletzt irgendwann 2006 nachgegangen ist, als man sich auf gurkig gecodeten Musik-Blogs herumgetrieben und wie bekloppt gefreut hat, wenn die Band das ein- oder andere Gratis-Mp3 zum Download angeboten hat.

Das ist heute zum Glück nicht mehr nötig: Hört Pet Grotesque bei Bandcamp, Spotify, Apple Music oder SoundCloud.

The Notwist: Vertigo Days

The Notwist haben nach langer Pause ein neues Album veröffentlicht, und es sammelt dieses ganze merkwürdige, schräge letzte Jahr zwischen ein paar Zeilen, zwischen ein paar Songs, und ich liebe es sehr.

Now that you know the stars ain’t fixed
The roads ain’t straight
Now the sky can’t fall on us

Now that you know how much it hurts
Won’t save you from
Fallin’ into love again

The Notwist: Vertigo Days
Januar 2021, Morr Music
Bandcamp, Spotify, Apple Music

These Words

In einem Traum, im Halbschlaf, suche ich in iTunes die Funktion, ein Album an eine andere Person zu verschenken. Ich erinnere mich an den ersten Song, den ich damals dort gekauft habe: Natasha Bedingfield, These Words. Sie singt darin über das Schreiben; die Zeile »Nothing I Write Is Ever Good Enough« hallt nach. Der iTunes Store war für mich damals, mit 12 oder 13, wirklich ein magischer Ort. Plötzlich musste man nicht mehr durch die unangenehm erleuchteten Gänge von Media Markt stromern und nach CDs suchen, sondern konnte einzelne Songs direkt laden und auf den iPod übertragen. Den iPod! Im Schulbus würde ich dann am Fenster sitzen, das kleine Gerät aus der extra dafür genähten iPod-Socke schieben und mir die leuchtend weißen Kopfhörer in die Ohren stecken, und hören: »These Words are my own / From my heart flow / I love you I love you I love you«.