Gefühlslagen

January: Thermal underwear, 100 essays and Berlin drawings

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One of the hardest months of the year is coming to an end. The darkness of winter is eating me up, I want to hide inside and just wait till it’s over. Neukölln is not a pleasurable place to be during the winter months – I hate spending time outside after 5pm, which leads to a lot of home office days and me temporarily moving to my friend’s home in Prenzlauer Berg.

Something that helped my dark mood and misanthropy: Avoiding public transport. I stepped up the cycling game, buying thermal underwear, rain clothes, and made a DIY ass-saver (who would buy a bicycle without mud guards?!). When it was -10°C, my most important purchase was a pair of really expensive Roeckl gloves, which I lost one week later. By then, January was well-disposed; temperatures almost spring-like.

Also purchased were too many books this month: Brian Christian’s The Most Human Human, Sarah Ruhl’s 100 Essays I Don’t Have Time to Write, and a couple of novels I want to read this year. The latter – 100 Essays – is just a pleasure to read because it consists of really short, really fun musings on theatre. I tend to buy a lot of books and never make it past the first 80 pages, and for a long time I thought I am just not the smart book person I wanted to be. In fact, my attention span is very short when it comes to reading, but oftentimes, I also just choose the wrong ones. I had maybe two or three books last year that I read in one go, for example Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore: A fantastic novel with simply the right amount of zeitgeist and magic. I bought it at The Curious Fox in Neukölln, which you should pay a visit if you’re into english books.

Other findings of joy this month: This set by Robag Whrume; I did not listen to anything else. Elisabeth’s weekly writing, especially this text after the first week of January. I fell in love with the drawings and paintings of Sholem Krishtalka: An intense capturing of the city and queer clubbing scene in Berlin.

Two more months to go until spring is back.

Growing Up Is For Trees

In den letzten Wochen, die sich vor den Tag meines Geburtstags reihten, geriet ich in Panik. Torschlusspanik: Jetzt, so schien es mir, wäre die letzte Chance zum großen Wurf: Es schließen sich die Türen zu neuen Aufgaben; Türen zu neuen Bekannten; die letzte Möglichkeit, sich nochmal aufrichtig zu entschuldigen, oder die Chance, mit einer Entscheidung in ein anderes, noch besseres Leben zu gelangen. Die letzte Möglichkeit, besser zu werden.

All das schien mir zu entrinnen. Dabei hatte ich vor einigen Monaten erst die durchaus reizende Gelegenheit, für einige Monate in die USA zu gehen, mit gutem Gewissen an mir vorbei ziehen lassen, ja, sie sogar wissentlich weitergeschickt. Alle meine Freunde gehen auf die 30 zu, oder sind schon mitten drin, und man belächelt mich: 24, das ist doch kein Alter. Sie denken über den Kauf von Wohnungen in der Stadt nach, über Rentenversicherungen und Nachwuchs. Ich habe es dieses Jahr gerade mal geschafft, mir eine Haftpflichtversicherung zuzulegen. 24, wie soll in den Rest noch ein Master reinpassen, eine Weltreise, ein Sabbatical, eine neue Wohnung, mal eine andere Stadt, wo ist da noch Platz für einen besseren Job, wo ich doch den Besten schon habe.

Die Sommer haben nur ein paar wenige Monate. Und gleichzeitig vergehen die Jahre, und Beziehungen passieren, fangen an und beenden sich, und mein Umfeld scheint nicht zu altern. Alle sind einfach da. Nur mir rennt die Zeit davon. Mir ist klar: die Chance auf Änderung ist doch immer vorhanden. Vielleicht sehe ich mir an, wie bequem ich werde, vielleicht sogar faul; wie schwer mir das Fällen von Entscheidungen fällt, und am Ende bleibt es so wie es ist, und dann ist der Zug abgefahren, und ich denke, ich hab nichts gemacht aus meinem Leben.

Wildes schönes Tier

Ein Mann entführt seine Frau, um ihre Liebe zurück zu gewinnen. Doch als es nach ihrem Verschwinden und einer Ansammlung an verzweifelten Momenten tatsächlich soweit kommt, funktionieren seine eigenen Gefühle nicht mehr; er erkennt die Unmöglichkeit der Umstände. Das alles passiert in einem Manuskript, dem sich ein Lektor bei einem Buchverlag widmet, und mit der Veröffentlichung des selbigen er hadert.

Dann: Eine Mutter beginnt während des Club-Urlaubs mit ihren beiden Kindern eine heimliche Affäre mit einem der Animateure. Dennoch beharrt sie auf ihrer Rolle, als Abenteuertouristin die Urlaubsathmosphäre der All-Inclusive-Clubs abstoßend zu finden. Jahre später sichtet der Sohn für eine Bewerbung an der Filmhochschule Videoaufnahmen aus ebendiesem Urlaub, er entdeckt die Liebelei und Lüge seiner Mutter, und findet sich gleichzeitig selbst in der Rolle des Enttarnten wieder.

Wildes schönes Tier (2007) von Fridolin Schley ist eine Sammlung kurzer Erzählungen, und je öfter ich durch das Buch blättere, desto mehr verfestigt sich die Überzeugung, dass es definitiv eins meiner liebsten Bücher überhaupt ist. Mit altmodischer, aber eindringlicher Sprache erzählt er präzise Geschichten, meist umhüllt von unscharfen Rahmenhandlungen; vom Festhalten an alten Gefühlen, von Ruinen und verlorenen Orten, vom Loslassen. Jeder Text hat eine ganz eigene Form und Haptik, und in jeder Situation erkennt man sich irgendwo wieder (Beim Camping-Urlaub / Im Disput mit dem eigenen Vater / Beim Beobachten von Menschen in der Bibliothek / Im All-Inclusive Club-Urlaub).

Millionaire

Kelis feat. Andre 3000 — Millionaire

Kennt ihr das auch?

Kennt ihr das auch,
dass ihr manchmal eine Pause von euren Freunden braucht; die einfach nicht sehen wollt, weil ein blöder Satz gefallen ist oder ihr euch drei Tage am Stück auf der Pelle gesessen habt?

Kennt ihr das auch,
dass ihr manchmal von der Arbeit nach Hause kommt und auf dem Badezimmerteppich zusammen sinkt, weil man im Bad seine Ruhe hat, weil da keiner ist und weil es niemanden etwas angeht, wie lange man dort bleibt?

Kennt ihr das auch,
dass ihr manchmal hinter Menschen her lauft, weil euch deren Geruch an eine Person erinnert, die ihr mal geliebt habt, oder an ein Haustier, das es nicht mehr gibt? Und ihr lauft dann mehrere duzend Meter mit, weil die Erinnerung so gut tut?

Kennt ihr das auch,
dass ihr manchmal so brennend an der Meinung anderer zu einem Thema interessiert seid, dass ich während der Diskussion kein einziges Wort sagt, bis irgendwann die Stimmung kippt, und ihr gar kein Wort mehr zum Thema sagen wollt?

Kennt ihr das auch,
dass ihr wochenlang auf einen Moment hin fiebert; ein Treffen ein Gespräch das Ende eines Wartens, und dann, wenn alles geschafft ist und ihr angekommen seid, wünscht ihr euch so weit wie nur irgendwie möglich entfernt vom Hier und Jetzt?

Im November

Was mir nicht zusagt, ist die Tatsache, dass die Tage einfach so verstreichen; wenn ich im Halbdunklen aufstehe, mich aus dem Bett ins Büro schäle und hier bin, bis irgendwann zum Nachmittagskaffee das Licht draußen wieder verschwindet. Dann ist aus Anfang plötzlich Ende November geworden, ohne dass etwas geschehen ist – oder zumindest ohne, dass ich es als Geschehenes wahrgenommen hätte.

Funktion One

Wie du da stehst, neben dem Turm, im Dunkeln, im Nebel. Ein bisschen wie Stahl, ein bisschen wie Holz, wie ein Wald, wie ein Krieg durchdringt uns das Donnergrollen. Wie das Glimmen deiner Zigarette die Nasenspitze zum Leuchten bringt. Und das harte Arbeiten der anderweitigen Körper, nur du ruhig dastehend und wie du abwegig drein schaust, den Blick nach unten gerichtet. Und ach ja, hier ich, am anderen Ende des Nebels, jage Blicke durch die gelegentlichen Funken, die den Raum zitternd machen und wie ich durch die Nebeldecken grabend, auch zittern muss. Ein Zeitstop in meiner Verfolgungsjagd, Blaulicht, Flackern, Lärm und Muskeln – Ich Enter The Void, grabe mich vor, auf dich zu, und du da am Rand, formst die Mitte hier drin.