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Invisible

Today is a day I’d like to embrace everything. The books, the walks, the look at my phone. A man seems to approach me, I quickly get dressed up in my human-contact-suit. Smile, open eyes, wide gaze. But he saw right through me, maybe he was somewhere else. I am invisible.

Writing prompt from our Writing = Design workshop: 10 minutes of automatic writing; read through it and find a theme, write a short paragraph only with words from the automatic writing.

Was, wenn die an die Macht kommen?

Seit einigen Jahren spukt durch meinen queeren Freundeskreis die Frage: »Wohin geht ihr, wenn die an die Macht kommen?« Man fragt es sich abends beim gemeinsamen Essen oder draußen im Park beim Picknick unter Regenbogenfahnen. »In welchem Land können wir dann sicher leben?« Ich habe mich immer ein wenig gegen diese Frage und Überlegung gesträubt. Vielleicht fand ich sie übertrieben, vielleicht zu unbequem. Aber ab und an merke ich, wie sie sich auch in meinem Kopf eingenistet hat, und vor sich hin geistert. Wir schleichen um sie herum, so wie das blaue Gespenst um uns.

Aber rumsitzen und ihm zusehen ist ja auch keine Option. Ich fand den Vortrag von Arne Semsrott auf der diesjährigen re:publica sehr gut: »Machtübernahme: Was tun, wenn die AfD an die Regierung kommt?« (YouTube). Arne hat dieses Jahr ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht (»Machtübernahme«), und sein Talk ist eine gute Einleitung (oder Kurzfassung? Ich habe das Buch zugegebenermaßen nicht gelesen) ins Thema.

Was tun, wenn die Brandmauer brennt und die AfD in Ministerien einzieht? Was lang unmöglich schien, kann in diesem Jahr passieren: Bei EU-, Landtags- und Kommunalwahlen hat die AfD teils gute Chancen, zur stärksten Kraft zu werden. Lasst uns darüber sprechen, was wir tun können, wenn es zu spät ist.

Er skizziert im Vortrag ganz gut den schleichenden Prozess, mit dem die AfD teilweise heute schon demokratische Prozesse aushöhlt. Er benennt das immer fortlaufende »Ist schlimm, aber doch nicht ganz so schlimm wie befürchtet« Gefühl, das mit jedem Wahlerfolg der Partei neu aufkommt (vgl. der Frosch, der im immer heißer werdenden Wasser sitzt), und macht klar, wie die AfD Schritt für Schritt in Entscheidungspositionen kommen kann und so unsere Rechte und Freiheiten eindämmen könnte.

Außerdem nennt Arne fünf Handlungsmöglichkeiten, die wir jetzt schon angehen und beachten können:

Offene Räume schaffen, die Sicherheit und Platz für konstruktive Debatten schaffen (Publix, das neue Haus für Journalismus, mit dem ich zusammenarbeite, wird bspw. so ein Ort. Digitale Räume wie die Wikipedia gehört da auch dazu!)

Für mehr Demokratie kämpfen. As in: Nicht nur den Status Quo verteidigen, sondern mehr einfordern, und eigene Visionen anbieten und vorantreiben.

Datenschutz. Ja, nervig, aber wichtig: Je weniger Daten und Infos antidemokratische Parteien wie die AfD bekommen können, desto weniger handlungsfähig sind sie.

Spenden. Demokratische Arbeit kostet Geld, und wenn die AfD mehr Macht bekommt, bekommen Demokratieinitiativen noch weniger oder gar keine Gelder mehr.

Prepping for Future. Soll heißen: Sich mental auf den Ernstfall vorbereiten. Wen rufe ich an, wenn das nächste Wahlergebnis Angst macht? Wie kann ich mich solidarisch zeigen? Wie können wir verbunden bleiben? Dazu gehört Zugewandtheit und Wachsamkeit, und das ist nicht viel aufwändiger als »mal wieder anzurufen«. Oder eben solchen Sorgen wie der ganz oben beschriebenen nicht direkt aus dem Weg zu gehen.

Der ganze Vortrag (28 Minuten) ist kostenfrei auf YouTube verfügbar.

Walnusssätze

Wenn ich morgens im Bett liege, im Halbschlaf, fällt es mir leicht, die Dinge in Worte zu fassen und schöne Sätze daraus zu spinnen. Mein Gehirn ist dann ganz weich, wie frisch geboren, oder als hätte man es sanft aus einer speziellen Flüssigkeit gehoben. Alles ist neu und unberührt. Die Sätze lassen sich formen wie weicher Draht, sie ergeben eine interessante Struktur, sie passen zusammen und ergänzen sich. Sobald sich aber die Welt klärt und der Schleier des Schlafs sich verzieht, löst sich dieses Konstrukt auf; das Gehirn härtet aus; die weiche Masse wird zu einem walnussartigen Kloß, rau und trocken, fast ungenießbar. Und dann geht er los, der Tag.

Wien wort auf di

Mann mit Zeitung in der Sonne an der Wiener spanischen Hofreitschule

Anfang April habe ich einige Tage in Wien verbracht, zum Arbeiten und für eine kleine Portion Müßiggang. Dass ich Wien liebe, wusste ich bereits, aber dieses Mal hat es mich wirklich ganz besonders heiß erwischt. Nach 30 Minuten flanieren frage ich mich: Wieso lebe ich nicht hier?! Was mache ich noch in Berlin?!

Und während ich also so durch die Gassen laufe, die sauberen Gehwege und Gebäude und Fußgängerzonen und Menschen (all die schönen Menschen!) bewundere, lief mir diese Frage nach wie ein Schatten. Wieso eigentlich nicht Wien? Natürlich ein absurder Gedanke, jetzt, mit Anfang 30. Darüber hätten wir vor sechs, sieben Jahren sprechen sollen. Jetzt scheint es mir zu spät – mein Lebensmittelpunkt ist Berlin, seit 15 Jahren nun schon. Ich habe mich hier eingerichtet; meine Freunde, meine Wohnung, viele meiner Arbeitgeber sind hier. Und obwohl ich seit der Pandemie die meiste Zeit in meinem kleinen Dachbodenbüro verbringe, und kaum nennenswert an der flirrenden Design- und Tech-Szene Berlins teilnehme, hätte ich doch Skrupel, mich vollkommen aus ihr herauszulösen.

Und dann ist da noch die Tatsache, dass die Dinge immer besonders verlockend sind, wenn man sie nicht haben kann. Ist Wien genau so schön, wenn man dort wohnt? Wenn man ständig umgeben ist von diesen Gebäuden, diesem Dialekt, diesem Land mit seiner durchaus sonderbaren (politischen) Stimmung? Erträgt man das? Aber gut, andererseits: Wie um Himmels Willen erträgt man Berlin mit der Tristesse und den ganzen Drogen und der Wohnungsnot und der Ausgebranntheit? Wie erträgt man’s?!

Mein Wien-Besuch hat mich jedenfalls einigermaßen tief in eine Sinnkrise gestürzt. So tief, dass ich wohl schleunigst wieder hin muss! Ja, so tief sogar, dass ich seit April einen Ohrwurm habe vom Song der Austropop-Band Granada: Wien wort auf di (ein Cover von Billy Joels Vienna, schönes Video auch!). Ich finde Austropop meist wirklich unerträglich, aber dieser Song kriegt mich immer wieder. So wie Wien eben.

Dass d’ wast, so is es hoit
Entweder hackelst wie blöd
Oder wirst glücklich oid
Konnst nix neies ongehen
Wenn wos holbfertig is
Du Geni-i-i-e
Wann wirst’s kapiern?
Wien wort auf di!

012024: The long hard stupid way

Image of piled-up cobble stones

Coordinates: I am typing this—again!—on a train, as this seems to be the only place for me to unplug from the world and jot down some words. As night falls, one very orange strip of light just disappeared behind the horizon, somewhere between Germany and Austria. Here we are.

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Recently I’ve been thinking about the value in my work, and the current times I work in. In my day job I make websites; tons of buttons and rounded corners and modules and typographic pairings and responsive grid layouts. A significant other part of my job is writing proposals and documentation for these websites, and communicating with the people they are made for—clients, and luckily also the viewers and users of these sites.

What is it that adds value to these websites? Why are they worth making, viewing, using? I recently came back to a lecture from Frank Chimero from 2012, where he talked about doing things “the long hard, stupid way”. Ultimately, the talk was about making an effort, and about gift-giving.

So, what makes a good gift? It is personal. Its value is subjective; maybe it sparks joy, or adds ease to the recipient’s daily life. It is made with care and thought, and the less care and thought go into it, the less personal it becomes. I liked Frank’s idea of seeing the digital tools we make as gifts for others. Inefficiency—or doing things the long hard stupid way—can become an advantage, even a feature, if you think of it as a gift. A thing someone—you or I—cared for makes the world (the internet!) a more precious place. And isn’t that what we all need right now?

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The year has moved into April already, and I hope this email finds you well. Here are some work updates:

Village One + Freelance

In July, Village One—our small design + tech cooperative—celebrates its 2nd birthday. It’s been a great and wild ride so far! From April on, however, I split my time between juggling projects for Village One and doing more freelance work for myself again. I want to write and draw more, and longed for a less repetitive day-to-day-life. Let‘s see how that goes!

The Village One team standing in front of a building, everyone staring at their phones

Writing = Design Workshop

Just like in recent years, Sonja and I will host another Writing = Design workshop at University of the Arts this summer. From July 22—26, we will explore writing as a design tool. You can learn more and sign up here; would love to see you there!

Team photo of a previous Writing class; people holding their manuscripts in front of their faces

Illustrations for Krautreporter

My friend Gabriel Yoran writes a great column for Krautreporter about the “enshittification” of the world: Why do products get worse and worse, whilst everything was promised to get better?! I am illustrating the series, have a look here (German).

Illustrations for Krautreporter

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As the train approaches my destination, it emptied out almost completely. I love these quiet evenings on a softly rumbling train carriage, so peaceful and focussed. I hope you had a good start into the year so far. Daylight has been saved, spring is here, we made it!

By the way: You can subscribe to these (irregular) english posts via my email newsletter here.

»Macht es für euch!«

Schauspieler Fabian Hinrichs und Turner im Stück »Kill Your Darlings«

Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia © Thomas Aurin

Am 26. Februar 2024 starb der Dramatiker und Regisseur René Pollesch. Zu früh, wie es so oft ist. Auf 3Sat kann man eins seiner berühmtesten Stücke nochmal ansehen: Kill Your Darlings – Streets of Berladelphia.

Die besten Szenen werden Sie heute Abend nicht sehen, denn die würden wir alle nicht ertragen. Deswegen heißt der Abend »Kill Your Darlings«.

Fabian Hinrichs und sein Turner-Chor, das »Netzwerk«, hasten durch so viele Themen, die einen mit Anfang 20, und vielleicht auch noch das ganze restliche Leben beschäftigen. Den ewigen Ohrwurm dazu habe ich hier schon 2012 gebloggt.

Ich bin wirklich kein Theaterkenner – es ist eins dieser Dinge, die ich eigentlich liebe, aber viel zu selten tue, weil es teuer ist, oder aufwändig, oder mir eine gewisse Orientierung darin fehlt. Aber zu Beginn der 2010er Jahre war ich oft in der Volksbühne. Einige von Polleschs Stücken habe ich mehrmals gesehen, Roman hat phasenweise nur in Pollesch-Zitaten gesprochen, und Nadine hat immer für alle Karten gekauft. Wir waren damals Studenten; es war günstig ins Theater zu gehen, und in der Volksbühne wussten wir irgendwann, was uns bei welchen Regisseuren erwartete.

Bei Pollesch wusste ich: Es wird bunt und witzig, und gleichzeitig theoretisch und komplex. Es ging immer tief, aber kurz bevor man aus Verwirrheit abgeschaltet hätte, lief ein Popsong, oder es explodierte irgendwas, oder ein riesiger Fisch wurde aus dem Bühnenturm herunter gelassen. Es begann schon bei den witzigen Titeln der Stücke: »Du hast mir die Pfanne versaut, du Spiegelei des Terrors!«, oder »Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!«, oder »Herein! Herein! Ich atme euch ein!«. Bei allen Stücken habe ich irgendetwas mitgenommen. Am meisten vermutlich bei »Don Juan«, in dem Pollesch die Liebe und das Lieben seziert (ich war Anfang 20, natürlich hat mich das abgeholt!). Vermutlich hat mich kein Stück so geprägt wie dieses.

Man kommt nicht, ohne sie zu spielen, an die Liebe heran. Du musst schon irgendetwas machen, das wie Liebe aussieht, und dann liebst du auch. Das kommt nicht tief aus dir drinnen. Wenn man aufhört, die Liebe zu spielen, ist sie weg.

Ich wünschte, all diese Stücke wären in irgendeiner Mediathek verfügbar. Oder würden nochmal aufgeführt. Aber ich habe keine großen Hoffnungen. Der Rewatch von Kill Your Darlings war jedenfalls ein harter Wurf zurück in die Vergangenheit, in meine Zeit als Student, und in die Zeit, in der wir alle das Gefühl teilten: Es reicht doch nicht. Da fehlt doch was. Es reicht! Doch! Nicht!

Das hier war nicht für euch. Es war immer für uns. Macht es für euch! Zwei, drei, vier! AAHHHHHHH!

Kill Your Darlings (Volksbühne 2012) in der 3Sat Mediathek.

Schwimmen

Photo of the Atlantic ocean

Ich lege meine Sandalen an den Rand des Beckens und halte meine nackten Füße ins Wasser. Es ist kein normaler Pool, sondern ein »Piscina Naturale« – nur eine dünne, rustikale Steinwand trennt das Becken vom Atlantik, der regelmäßig seine schäumenden Wellen herüber spült. Die Sonne scheint heiß auf meine Haut, aber das Wasser ist angenehm frisch. Ohne lange zu zögern schiebe ich meinen Körper hinein.

In Stellas Protokollen habe ich neulich diese kurze Dokumentation über drei Frauen entdeckt, die während der Pandemie mit dem Schwimmen begonnen haben. Sie kannten sich vorher nicht, aber das gemeinsame Hobby, das irgendwann zur Notwenigkeit wurde, brachte sie zusammen. Dann, als sich der Sommer in den Herbst, und dann in den Winter verwandelte, konnten sie nicht mehr aufhören. Sie badeten im Eis, und sahen so glücklich aus.

Und Nina hat mir vor einer Weile ein Buch geschickt: Bahnen ziehen, von Leanne Shapton. Die Autorin erzählt von ihrer Karriere als Schwimmerin; von den anstrengenden Trainingstagen im Winter, den Pools und dem Wettbewerb.

Ich liebe auch Florians About-Text auf seiner Website. Florian ist Journalist und reist dafür um die Welt, und er schreibt: »Ich gehe da, wo ich bin, gern schwimmen, ob in der beißend kalten Irischen See oder der Newa in St. Petersburg.« Die Orte über das Wasser erfahren, das scheint mir eine gute Idee zu sein, zumindest aber ein Eindruck, der bleibt, weil es immer so eine körperliche Erfahrung ist. Eine hohe Barriere, die man in sehr kurzer Zeit überwinden kann; vom Trockenen ins Nasse.

Ich kann gar nicht richtig schwimmen. Ich kann Brustschwimmen, ja, aber weiter geht es nicht. Tauchen geht auch nicht, weil ich ohne Brille meine Koordination verliere, und sie deshalb meist auch im Wasser trage. Ich muss ziemlich verklemmt aussehen, wie ich da im Ozeanbecken umher schwimme, den Kopf immer über Wasser. Aber es ist egal. Ich sehe die anderen nicht, die Sonne ist zu grell, und das Wasser zu kühl. Ich bewege mich einfach nur, wie schwerelos.

Das Naturschwimmbecken ist perfekt für mich. Es ist ruhig, trotz der vielen Leute, und gleichzeitig wild, durch die hohen Wellen hinter der Mauer. Ich nehme mir vor, doch nochmal richtig schwimmen zu lernen. Kraulen. Richtig schnell. Mit einer ordentlichen Schwimmbrille, oder Kontaktlisten. Und dann komme ich hierhin zurück.