Tagebuchbloggen

Februar-Liste 2025

Collage Februar: Taubennest, Hund in den Bergen, im am Meer, wir auf einem Berg, Zeichnungen von Kakteen

  • Auf meiner Terrasse hat sich eine Taube eingenistet. Sie hat einfach meine Schuhe vom Regal geworfen, um ihr Nest zu bauen! Während ich noch recherchiere, wie man mit so einem Gast umgeht, bemerkt E. die beiden winzigen, ockergelben Taubenküken. Die bleiben da jetzt also erst mal.
  • Immer wieder dieses ungute Gefühl eines bevorstehenden Unheils. Gleichzeitig bei sämtlichen schrecklichen und tatsächlich passierenden Ereignissen nur noch mit den Schultern zucken: Das ist das eigentliche Unheil.
  • Ich sitze am Rechner und versuche zu arbeiten. Alle fünf Minuten kommt der Hund und klopft: Spielen! Kuscheln! Aufmerksamkeit! Wie kann man es ihr verübeln. Ich habe immer Zeit für ein ein fünfminütiges One-on-One mit Gisela.
  • Das Licht blendet. Ich halte mit beiden Händen meine Augen zu, und die Dunkelheit eröffnet sich vor mir wie ein Raum, in den ich gucken kann. Ein tiefer, weiter Raum, voller kleiner Sterne. Das erste Mal, dass die Dunkelheit gut tut.
  • Wir treffen K. in der Altstadt. Die Zeit löst sich auf, und noch Nachmittags ist es elf Uhr morgens. Ich hätte ewig hier sitzen und mit euch Kaffee trinken können.
  • Das erste mal mit Taucherbrille im Meer getaucht (Taucherbrille mit Sehstärke sowieso: Game Changer!). Wie schön die Fische sind. Wie schön die Sonne durch die Wellen bricht. Und die Stille. Wunderschön.

Januar-Liste 2025

Illustration von einem Ei mit Knacks. Titel: Breaking my silence

  • Breaking my silence: Ich liebe hartgekochte Eier! Warum habe ich so lange gebraucht, um diesen tollen Snack endlich wertschätzen zu können?! Ich esse sie gerne Mittags zu einer dicken Scheibe Käsebrot, mit Salz und einer halben, fein geschnittenen Gurke. Cöstlich!
  • Bin in letzter Zeit außerdem besessen von Soba, japanischen Nudeln aus Buchweizen. Sie begegnen mir in Podcasts und Romanen, und ich bin sicher: in wenigen Monaten wird man sie vermutlich überall für viel Geld in Berliner Restaurants bestellen können.
  • Das Schöne am Winter: wenn es nachts dunkel ist in meiner Wohnung, wirft der Mond sein Licht in den Schnee auf der Terrasse, und taucht mein Zimmer in ein weiches Leuchten.
  • »Leider kann man hier keinen Elan kaufen«, sagt P., während wir durch den Künstlerbedarfsladen in der Gottschedstraße schlendern.

Illustration von mir: Links jung und knackig, rechts alt und faltig

  • Alle paar Jahre lasse ich neue Fotos von mir machen. Ich sehe mein Gesicht, und das Gesicht auf den Fotos von vor fünf Jahren, und wie sehr sich fünf Jahre bemerkbar machen. So ist es wohl.
  • Montag Nachmittag. Eine Frau heult in der U-Bahn in ihr Telefon: »Ich bin echt wieder bereit fürs Wochenende!«

Zeichnung einer Hand, die nach einer ängstlichen Schachfigur greift

  • M. nimmt an einem Schnellschach-Turnier teil. Die Teilnehmenden halten verkrampft ihre Hände über die Spielbretter. Das sei die notwendige Handhaltung beim Schachspielen. »Manchmal, wenn man die Spannung hoch genug hält, schwebt einem die Figur sogar zwei oder drei Zentimeter entgegen«, schreibt er mir.
  • Wenn nun die digitalen sozialen Netzwerke in sich zusammenfallen, können wir uns endlich wieder auf unsere Offline-Communitys konzentrieren. Ich besuche einen Publix Thursday (sehr empfehlenswert!), treffe einige bekannte Gesichter, und bin dankbar für dieses Netzwerk aus sehr schlauen und sehr guten und sehr echten Menschen.
  • Mehrmals am eigenen Leib erfahren: Bei all dem politischen Desaster und der mehr als schiefen Weltlage hilft: Mit Freunden sprechen, und zwar auch über die krudesten Sorgen und Ängste, und auch, wenn sie lächerlich scheinen. Sie aussprechen und sich ernst nehmen, das hilft immer.
  • Generell hilft: In die Sonne schauen, so oft es geht. Die ist so hell, dass man alles andere für einen kurzen Moment nicht mehr sieht.

Übrigens: Diese Listen gibt es als Newsletter: Fakten und Mirakel.

Dezember-Liste 2024

Collage mit Dezember-Fotos

  • Im Kino frage ich den Mann in der Reihe hinter mir, ob mein Kopf in seinem Blickfeld sei. »Ach, wenn er stört, mache ich ihn einfach ab!«, lacht er.
  • Was ich wirklich liebe: Wenn meine Freunde für mich einkaufen. Es ist wie eine kleine Wundertüte, die man da bekommt. Unentdeckter Süßkram; nie zuvor gesehene Fertigprodukte; Obst, das man sich niemals kaufen würde. Ich kann es nur empfehlen: Überrascht eure Freunde mal mit einem ganz normalen Einkauf!
  • Schlesisches Tor: Ich steige aus der Bahn und sehe, wie ein junger Mann auf den Zug klettert. U-Bahn-Surfen geht an diesem Hochbahnhof besonders gut; es herrscht sowieso immer Chaos und niemand interessiert sich für irgendwen. Alle gucken nur, ein paar Leute filmen ihn. Der Zug fährt an, und ich schüttle nur den Kopf. Manchmal geht es nicht anders, in dieser Stadt.
  • M. drückt mir einen roten Umschlag in die Hand, darin ein Brief: Er bedankt sich für sein neues Tattoo, das ich ihm gezeichnet habe, und für unsere Freundschaft. Briefe sind das beste, und Freunde wie M. erst recht!
  • Ich beschwere mich darüber, dass mein Kopf nachts immer so friert. P. hat die naheliegende Idee, es doch mal mit einer Schlafmütze zu probieren. Eine Schlafmütze?! Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge, verkleidet als Onkel Fritz aus Max und Moritz, und verzweifle. Aber die Eitelkeit hat keinen Platz in meinem Bett. Ich werde es versuchen!
  • Ich blättere durch mein Notizbuch, und immer wieder, über das ganze Jahr hinweg, finde ich kleine Cluster, die betitelt sind mit »alles in meinem kopf«, »was gerade los ist«, oder »jetzt«. Darunter folgt dann eine große Aufzählung an Dingen, die ich noch machen muss, die mich gerade beschäftigen, die mir Sorgen bereiten, die mich glücklich machen. Diese kleinen Berge an Gedanken irgendwo abladen zu können, sich nicht davor zu scheuen, sie in Worte zu fassen – das hilft marginal. Sie nochmal zu lesen und zu merken, dass alles eigentlich immer nur halb so wild ist, das hilft dann wirklich.
  • Im Zug durch die Schweiz. Die Gleise führen direkt am Ufer des Thunersee entlang. Friedlich und kalt liegt er da, sein Horizont zerfranst im Nebel.
  • Im Internet sehe ich ein Meme, auf dem ein Typ sassy auf seinem Motorroller sitzt und entspannt durch die Straßen fährt. Im Titel: »Me heading into 2025 unchanged, because I was never the problem.«

November-Liste 2024

Collage mit Fotos

  • Biedermann und die Brandstifter im Berliner Ensemble. Damit habe ich mir eine kleine Bildungslücke geschlossen. Großartig, kurzweilig, höchst aktuell und brandgefährlich. Sehr empfehlenswert.
  • Ich bin zum Dinner bei Freunden eingeladen. Es ist schick, mit Stoffservietten und Silberbesteck, und nach dem Essen versammeln sich einige Gäste um das Klavier und klimpern. Es ist schön, wie in einem Film, surreal. Der einzige nichtmenschliche Gast, ein riesiger Hund namens Wolle, hat sich zum Dösen in die Küche verkrümelt.
  • Kontrastprogramm zu Ossobuco auf Meissener Porzellan: Plantbullar mit Pommes bei Ikea. Da war ich auch schon ewig nicht mehr. Bin ich alt und dekadent geworden, oder ist es mittlerweile wirklich total ramschig dort?!
  • Ich besuche das erste mal das Futurium, und obwohl ich wenig Zeit habe und nur so durchrausche, habe ich einige gute Fakten und vor allem: gute Fragen mitgenommen.
  • Gisela versteinert immer, wenn sie ihren kleinen gelben Regenmantel anziehen muss. Nichts hasst sie mehr. Sagen wir so, wettertechnisch war der November nicht ihr Monat.
  • Im Januar schrieb ich vom Schwimmen, im November hatte ich nun meine erste Schwimmstunde! Das Hallenbad hier ist unprätentiös, aber wenn man sich da aus dem Regenwetter hineinflüchtet und ins klare Wasser eintaucht und Muskeln bewegt, mit denen man seit Ewigkeiten nicht gesprochen hat: Tut sehr gut!
  • Ansonsten war nicht viel. Wenig Licht, wenig draußen, wenig gesehen. Ich sitze abends am Schreibtisch und bastle kleine Zines, zum Runterkommen. Und nun ist ja auch schon Dezember.

 

Oktober-Liste 2024

Foto-Collage Oktober 2024

  • Kurfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße. Ich haste an einem Piercing-Studio vorbei. Im Schaufenster liegen zwei abgehackte Hände!
  • Ein Monat, in dem ich mir mehr als einmal sicher war: Jetzt haben sie mich. Jetzt werde ich endlich, endlich als Hochstapler enttarnt. Was dann, eigentlich?
  • Wir spazieren zur Buchbox am Centre Français. Nachdem Paul sich mein Grübeln und Hadern eine halbe Stunde lang angehört hat, fragt er mich, ob ich im Herbst wohl immer besonders streng mit mir sei?
  • Kulinarisches Highlight im Oktober: Ich habe Ramen für mich entdeckt! Ich hatte es mal vor Jahren bei Cocolo gegessen, das war wirklich furchtbar. Aber neulich aß ich es in einem unscheinbaren Restaurant, und es war fantastisch!
  • Kulinarisches Highlight Nummer 2: Endlich die Kroketten bei Dashi gegessen. Sie waren winzig und teuer, aber sie haben mich überraschend glücklich gemacht.
  • Kulinarisches Lowlight dafür: Seit Jahren mal wieder bei McDonals gegessen. What is this place?!
  • Ich verkaufe mein Bett über Das Online-Portal Kleinanzeigen. Ein älteres Paar kommt vorbei, das die Matratze ausprobieren möchte. Ich sage, dass sie das natürlich machen können. Die Frau zieht fröhlich ihre Schuhe aus, und beide legen sich auf die Matratze. Sie ruckeln sich zurecht und fangen an zu kuscheln, Löffelchen-Stellung. Ich stehe sehr merkwürdig und unbeholfen daneben. Am Ende nehmen sie die Matratze nicht.
  • »I don’t know. You seem like the kind of guy who always knows what time it is.«
  • »Ich schätze dich für deinen Geist«, sagt Ralf am Telefon, und das gesagt zu bekommen, das wünsche ich wirklich jedem.

September-Liste 2024

September-Collage 2024

  • Der Nachtwächter führt uns im Dunkeln auf unser Hotelzimmer. Über der Eingangshalle schwebt ein gusseiserner Kronleuchter, im Treppenaufgang steht eine Ritterrüstung. Die Lampen im Flur gehen nicht an. Der Wart durchleuchtet die Hallen mit seiner Taschenlampe, bis er vor unserem Zimmer stehen bleibt und uns hinein bittet. Das Licht wird angeknipst und der kurze Zauber ist vorbei.
  • Ein Mann sitzt unter der Wasserfontäne im Pool. Er grinst zufrieden. Der Brite, der jeden anquatscht, nippt an seinem Bier, und quatscht auch ihn an.
  • Irgendwie absurd, dass ich bis vor kurzem noch nie auf einem Jetski saß. Das machen auf Instagram doch alle, ständig?! Aber ich saß bis eben auch noch nie in einem Kajak auf dem Ozean, und es hat sich als nicht sonderlich erlebenswert für mich erwiesen. Kann also von der Liste. Been there, done that.
  • Im Call erzählt J. von ihrer Begegnung mit einem echten, lebendigen Kraken. Seitdem sei sie auf der Suche nach Erlebnissen, die eine ähnliche Qualität wie dieses besondere Zusammentreffen hätten. Ich kann es mir vorstellen!
  • Plötzlich beim Blick in den Spiegel und beim Anblick meiner Geheimratsecken (die sonst gut von den Haaren verdeckt werden) wahnsinnige Angst vor dem Altern und körperlichem Verfall bekommen. Dann schnell die Haare drüber gekämmt, solange es noch irgendwie geht.
  • Zurück in Berlin, und plötzlich ist Herbst: Ich spaziere über den Campus, der voll ist mit roten und goldenen Blättern. Die Bäume sind schon ganz kahl. Es ist doch noch viel zu früh dafür.
  • Zum dritten Mal in diesem Jahr werde ich mit den besorgten Worten begrüßt: Mensch, du wirst ja immer dünner.Public Service Announcement: Man kommentiert fremde Körper nicht einfach so, egal in welcher Form sie gerade sind. Ich ärgere mich heimlich, und lasse mir von ChatGPT einen komplett unmöglichen Ernährungsplan erstellen.
  • E. verlässt Berlin. Ich besuche sie ein letztes Mal in ihrer Wohnung, zwischen Umzugskisten und demontierten Möbeln. Als ich gehe und mich im Treppenhaus umdrehe, winkt sie und ruft: »Ich glaube, ab jetzt wird alles besser!«

August-Liste 2024

Collage: Fotos außen august.

  • Ich bin ohne Laptop verreist und musste mir für die obige Collage die App Canva herunterladen – es war unangenehm! Ich gehöre zu den Millennials, die zwar viel, aber ungern das Handy nutzen: Ich kann dort keine großen Einkäufe oder etwa Hotelbuchungen tätigen. Dafür brauche ich immer einen großen Bildschirm — und fühle mich wie im Körper meines Opas, der seine Maus generell nur mit zwei Händen bediente.
  • E. sagt: »Ich weiß nicht allzu viel über dich, aber von dem was ich sehe, scheinst du ein wirklich gutes Leben zu haben.« Und wie recht sie hat.
  • Olympia: Wir gucken Synchronspringen und lieben es! Natürlich wegen der Männer, aber auch einfach weil es Spaß macht, so ästhetisch und so und harmlos ist. Meine liebste olympische Disziplin ist aber: das Pauschenpferd! Oder auf englisch: Pommel Horse. Da ist der Spaß doch garantiert.
  • Ich verbringe ein paar Tage in Wien, und die Stadt schwitzt.
  • Wir haben angefangen nochmal LOST zu schauen. Ich sehe einen Vortrag von J.J. Abrahms über seine Mystery-Obsession. Er erzählt von seiner Mystery Box, die er mal gekauft und nie geöffnet habe. Vom LOST-Finale enttäuschte Leute kommentieren unter dem Vortrag: »The difference between a hack and a good writer is that the good writer actually knows what’s in that mystery box«. Ich vermute, damit haben sie recht. Und gleichzeitig ist Unwissen und Ungewissheit ja auch ein kreativer Motor. Mal sehen, wie lange wir dran bleiben.
  • Durch die Stadt rennt ein Clown. In schwarzen Klamotten, mit großen roten Locken und einem markant geschminkten Gesicht. Er sieht aus wie einem Horrorfilm entsprungen, und ich wechsle schnell die Straßenseite.
  • Sommerlektüre: Hier und da halte ich meine Nase in die Spiegel-Bestsellerliste – wobei ich eigentlich weiß, dass das selten eine gute Idee ist. 22 Bahnen, nun ja, war ein Pageturner mit einer etwas platten Male Savior Storyline, und über 25 letzte Sommer habe ich mich so aufgeregt, dass ich das dem Buch fast schon positiv anrechnen muss. Es war wirklich ein literarischer Graus.
  • Aus dem Flugzeug heraus habe ich versucht, eins dieser romantisch-verklärten Reise-Instagram-Fotos zu machen. Aber die Scheibe des Flugzeugs war schmutzig, und ich habe mich während des Fotografierens so geschämt, dass das Bild verschwommen ist. Und am Ende reisen wir eben nicht für Instagram, sondern sitzen in einem klapprigen Flugzeug, trinken Wasser aus Plastikbechern, und es gibt sowieso kein WLAN hier oben. Ist auch besser so.
  • Ich brauche ein neues Bett, und bin vom Matratzenkauf überfordert. Am Ende kauft man sowieso auf gut Glück. Aber als Frage an meiner Leserschaft: 160 oder 180cm? Ist es legitim, in seinen Dreißigern noch in einem Bett zu schlafen, das weniger breit als man selbst lang ist?
  • Genereller August-Zustand: Monat voll, Tagebuch leer.