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Über Sportlehrer

Sport-Unterricht in der 8. Klasse: Der Sportlehrer hat uns immer gezwungen, stundenlang in der Sommerhitze um das Fußballfeld herum zu rennen. Offiziell war das eine nötige Praxis zum Aufwärmen für das langweilige Fußballspiel im Anschluss (offenbar stand im bayerischen Lehrplan neun Jahre nichts anderes als Fußball), aber so vergingen auch gerne mal 60 Minuten; also durchaus eine gute Hälfte der Doppelstunde. Schulsport war für mich sowieso immer eine Qual, aber das Rennen in sengender Hitze war definitiv nicht auszuhalten.

Irgendwann habe ich neben dem Lehrer, der im Schatten unter einem Baum stand, Halt gemacht und ihn gefragt, wie man denn richtig laufen würde – ohne sofort Seitenstechen zu bekommen. Der Lehrer war ganz perplex, dass ich es mir erlaubte, mit dem Laufen aufzuhören und ihm eine Frage zu stellen. Als er sich dann aber gefangen hatte, war er sichtlich erleichtert, jemandem doch noch etwas beibringen zu können. Nicht alle Lehrkräfte sind schlecht oder unmotiviert. Ihnen ist anscheinend nur manchmal ihr Job nicht ganz klar?

042020: Learning to Love You More

Photo of a street light during blue hour

We stumbled into the exhibition by accident. And as we didn’t have any plans, we decided to put our masks on and have a look around. The gallery showed a collection of installations and sculptures, mostly focussed on internet art, and the artist’s exploitation. When we walked through the rooms, passing by a giant print of Alex Tew’s Million Dollar Homepage, I saw it in a corner: A tiny desk with a laptop, showing the website learningtoloveyoumore.com.

Learning to Love You More was an interactive project by Miranda July and Harrell Fletcher that ran until 2009. The website listed a number of assignments that people could fulfill and send in their results, which were then exhibited on the site. 39: Take a picture of your parents kissing. 35: Ask your family to describe what you do. 66: Make a field guide to your yard. 5: Recreate an object from someone’s past. I knew this site! When we were teenagers, me and my friends did some of the assignments, and they can still be found online. I had totally forgotten about the site and how much joy these tasks and perspectives brought to me. Asking my parents to kiss for a picture was weird and memorable. I actually enjoy creating those kinds of moments. Rediscovering the website on the tiny desk at Kunstraum Kreuzberg reminded me about it.

* * *

Right now, it’s 9.55pm, I am sitting in my living room. As I turn my stiff neck towards the window, I catch the blue hour; tinting the house across the street in a tender blue, almost purple color. It’s not going to last long, I can see it passing by. Like most summer evenings. Like me cycling through Weserstraße, on my way home from a dinner with a friend. That’s when I usually catch the blue hour, too. All this won’t last long: The people sitting outside their Spätis, drinking beers, the kids running around with their dogs, the warm air and me and my bike: This is what we longed for the whole winter, and realizing every year anew that it’s worth the wait — It’s an easy thought, and I like it. I like easy, sometimes.

* * *

One thing I am trying to learn is to smile in pictures.

One thing I already learned is that I don’t need to please everybody all the time (cool!). Now, however, I am scared that people might not like the new Me who doesn’t want to be liked by everybody. It’s a vicious circle.

On a bit more light-hearted note: I went looking for the best-designed watering can out there and wrote a little design critique (in German).

And to stop blathering about Corona in this newsletter, I wrote a Corona diary for German form design magazine, which you can buy here. The current issue deals with Crisis and Design, and I can highly recommend ordering it!

* * *

Here’s my Learning to Love You More assignment to you: Educate yourself on your internalised racisms. Fight them. Keep on learning and strengthening your senses; speak up, and learn what to do next – Hire black illustrators, for example. Here is a list to get started with. In between, you can put the phone or computer away and go outside. Cycle through summer, because as we all know: It won’t last as long as we’d like to.

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Allegro Pastell

Coverfoto vom Buch Allegro Pastell von Leif Randt

Während ich es früher oft verwerflich fand, aktuellen kulturellen Trends zu folgen, habe ich letzter Zeit einen gewissen Gefallen daran gefunden. Deshalb habe ich beschlossen, mehr zeitgenössische Beststeller zu lesen, um mich schnell in Debatten zu neuer Literatur einbringen zu können. Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass man nur das konsumieren sollte, was einem inhaltlich Freude bereitet – aber die Freude am Bescheid wissen und Mitreden ist nicht zu unterschätzen.

Das neue Buch von Leif Randt, Allegro Pastell, ist eins der Bücher, die meine sozialen Netzwerke in letzter Zeit sehr oft in ihre Instagram Stories gepostet haben. Der Konsens war immer: Tolles Buch, aber sehr schmerzhaft zu lesen, denn es träfe uns Berliner Hipster wirklich mitten ins Gesicht; es sei, als würden wir enttarnt in unserem etwas zu sorglosen, etwas zu konformen Lebensstil.

Tatsächlich wurden ich und mein Lifestyle sehr oft zum Gegenstand, den Leif Randt etwas zu genau und präzise beschreibt. Berliner um die 30, Webdesigner oder Autorin, reflektiert und vorsichtig, hin wieder sagt jemand »Blockchain« oder verschickt Sprachnachrichten. Die Berliner Schauplätze des Romans kenne ich alle sehr gut, obwohl ich selten ausgehe (sogar den Döner-Imbiss auf der Potsdamer Straße, der eigentlich keine sehr bekannte oder nennenswerte Adresse ist). Das zeugt davon, dass ich wirklich dem hundertprozentigen Klischee entspreche, das jemand über das aktuelle Gentrifikationsklientel der Stadt aufstellen könnte.

Ich fand den Roman aber nicht schmerzhaft, sondern wirklich einfach sehr präzise und unterhaltsam. Randt schreibt Utopien, die vielleicht nicht inhaltlich, aber sprachlich entspannend sind, weil sie so eine Ruhe und Sorglosigkeit ausstrahlen. Alles wird analysiert, aber die Analyse führt nie zu Panik, sondern immer zu Zufriedenheit. Das habe ich schon bei Schimmernder Dunst über CobeyCounty geliebt. Und die Utopie des Normalen ist vielleicht auch in einer Pandemie kein ganz schlechter Lesestoff.

Über Design-Gießkannen

Generell gilt ja: Alles, was im Namen „Design“ als Präfix trägt, sollte mit Vorsicht genossen werden. Diese Regel gilt besonders bei Alltags- und Haushaltsgegenständen. Auch renommierte Hersteller, die namenhafte Gestalterinnen und Gestalter beauftragen, toben sich unter dem Verkaufsargument „Design-Objekt“ oft richtig aus.

Ich habe neulich mein Zimmerpflanzen-Sortiment erweitert, und bin mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem man die Pflanzen nicht mehr mit einer normalen Wasserfalsche gießen kann, sondern ein spezielles Gefäß mit schmaler, langer Öffnung und viel Fassungsvermögen benötigt. Als Ästhet kann ich aber natürlich nicht jede beliebige Gießkanne zu Hause haben – ein Designobjekt musste her. Hier die Favoriten meiner Recherche.

Watering Can from Alessi: Diva

Alessi: Diva

Wie immer enttäuscht Alessi nicht, wenn es um abstruse Ideen bei Alltagsgegenständen geht: Der Entwurf der »Diva« kommt vom finnischen Designer Eero Aarnio, der vor allem für die ikonischen Kugelsessel aus den 1960ern bekannt ist. Mir persönlich gefällt der Entwurf zwar nicht sonderlich gut (zu plump!), aber who am I to judge.

Watering Can from HAY

Hay: Watering Can

Sorry, Shane Schneck, aber wie uninspiriert kann man eine Gießkanne gestalten? Bei diesem Modell wirkt es, als hätte man einen alten Krug von Oma um ein ungelenk angebrachtes Rohr erweitert, und weil das nicht gehalten hat, musste noch so ein komisches Dreieck zur Stabilisierung angebracht werden. Uff.

Watering Can from Born in Sweden

Born in Sweden: Watering Can

Wer sich den Charme einer Autowerkstatt ins Wohnzimmer holen möchte, ist mit diesem Modell von Pascal Charmolu gut bedient: Edelstahl und Silikonschlauch verströmen schon beim Anblick einen gewöhnungsbedürftigen Benzingeruch. Der Schlauch ist nur mit einem Magnet befestigt, kann also gelöst werden, und die Pflanzen kann man somit punktgenau wässern – gar keine so üble Idee, ehrlich gesagt.

Watering Can from Northern: Grab

Northern: Grab

Kanne ohne Henkel: Stine Aas hat diese beiden Rohre für das Label Northern kombiniert. Die Farben sind super, und die sehr minimalistische Form schön unaufdringlich – aber da sie keinen Henkel hat, musste sie sehr leicht sein, also auch relativ kompakt – mehr als 0.7 Liter passen leider nicht rein.

Watering Can from Eva Solo: Aquastar

Eva Solo: AquaStar

Der abenteuerliche Name hat natürlich direkt meine Aufmerksamkeit geweckt, und auch bei der Formgebung ist nicht direkt klar: Handelt es sich womöglich um ein kosmetisches Gerät zum Dosieren von Cremes? Nicht ganz: Das Studio Tools hat diese sehr präzise Gießgerät entwickelt, und auch wenn die Form so absolut null Emotion in mir auslöst, scheint die schmale Tülle sehr praktisch zu sein.

Watering can: Magis PipeDreams

Magis: PipeDreams

Natürlich mein absoluter Favorit: Hundespielzeug, Sex Toy, oder Fernsprechgerät aus den 1970er Jahren? Nein! Jerszy Seymour hat für Magis dieses kuriose Objekt entworfen, das wohl leider in der Handhabung etwas unhandlich, aber im Regal sehr erheiternd wirkt. Ein echtes Designobjekt eben.

The Last Screensaver: An Ode to Flurry

You know it from the first MacBook you bought, or from your school library’s computers, or from the backdrop of a film you recently watched. The Flurry screensaver, shipped with every Mac since 2002, has become an acquainted digital surface in movies, offices and homes.

But screensavers are a thing from the past: We all remember the infamous flying toasters, the virtual fish tanks and mesmerizing labyrinths that covered our grey CRT monitors when our dads entered the room. Flurry was different: it moved away from trashy aesthetics and added a soothing, ambient quality to computer screens. And since its release, it hasn’t changed: A variety of light streams gently move around the black screen, spreading colored particles at different speeds and magnitudes.

Flurry was created by software developer Calum Robinson as a side project in 2002. Briefly after he published it online (you can still find it on Github!), Apple contacted him to include it in their new operating system, Mac OS X “Jaguar”. It complemented the eccentric Aqua interface with a dark and subtle appearance, still colorful enough to catch your eye.

Screensavers were made to protect CRT monitors from phosphor burn-in. If the phosphors glowed at a constant rate for too long, they left traces on the monitor’s glass surface. But we’ve moved away from that technology years ago. Today, it makes much more sense to simply switch off your display. No one would download and install a screensaver anymore, not even for fun. But Flurry is still there, moving its tentacles around empty offices, libraries, accidentally being activated through your Mac’s hot corners.

For me, Flurry is also a steady component of the creative work space. When Macs were not ubiquitous, but mainly a tool for the creative industry, a creator’s desk was immediately recognized by the light-stream covered monitor. Of course, Apple computers also had their outstanding Y2K hardware design back then, but Flurry was that one recognizable software component that said: This desk is a creator’s desk. They might be on a break right now, but they’re still around. Just like Flurry is today.

Biegen & Brechen

Dort hinten, die Biegung
Da hab ich die Kurve noch gekriegt
Nur um ein Haar
Auf Biegen & Brechen und
Haarwurzelscharf und
Fast dran vorüber, aber
Ich hab sie gekriegt
Na ja

Klarkommen in der Pandemie

Klarkommen geht gerade am besten, wenn man Nachrichten weitestgehend vermeidet. Und statt in Newsfeeds in Gesichter schaut. Zum Beispiel wusste ich noch nie so gut, wie es ist meine Freunden in anderen Städten und Ländern geht. Ich weiß jetzt, wie Christians Leben in L.A. aussieht. Und welche Dinge Martin und den anderen Christian in Wien so beschäftigen. Und was Gabby in New York umtreibt, und Hayden. Ich weiß sogar, wie es meinem Bruder geht. Wir reden in den Telefonaten immer über das gleiche, aber gerade das hat etwas beruhigendes: Überall auf der Welt sind wir auf dem gleichen Level; also, vermutlich auf unseren Sofas und Sesseln, und niemand kann sich mehr als ein paar duzend Meter vom Fleck bewegen. Und dann erzählen wir uns wie es bisher war und wie es weitergeht, und an welchen Gedanken wir uns festhalten, und welche erfahrungsgemäß eher keinen guten Halt bieten. Und wir fangen uns irgendwie gegenseitig auf, durch unsere Mobiltelefone hinweg, und das ist doch ganz gut gerade. Mehr geht sowieso nicht.