Klarkommen in der Pandemie

Klarkommen geht gerade am besten, wenn man Nachrichten weitestgehend vermeidet. Und statt in Newsfeeds in Gesichter schaut. Zum Beispiel wusste ich noch nie so gut, wie es ist meine Freunden in anderen Städten und Ländern geht. Ich weiß jetzt, wie Christians Leben in L.A. aussieht. Und welche Dinge Martin und den anderen Christian in Wien so beschäftigen. Und was Gabby in New York umtreibt, und Hayden. Ich weiß sogar, wie es meinem Bruder geht. Wir reden in den Telefonaten immer über das gleiche, aber gerade das hat etwas beruhigendes: Überall auf der Welt sind wir auf dem gleichen Level; also, vermutlich auf unseren Sofas und Sesseln, und niemand kann sich mehr als ein paar duzend Meter vom Fleck bewegen. Und dann erzählen wir uns wie es bisher war und wie es weitergeht, und an welchen Gedanken wir uns festhalten, und welche erfahrungsgemäß eher keinen guten Halt bieten. Und wir fangen uns irgendwie gegenseitig auf, durch unsere Mobiltelefone hinweg, und das ist doch ganz gut gerade. Mehr geht sowieso nicht.

2. April 2020