102018: We Are Our Own Devils

Goethes garden behind his house

I am strolling through Goethe’s garden (as depicted) as I’m in Weimar, a small German city known for, well, Goethe’s œuvre and the Bauhaus university. It’s mid-September; summer is still in full blossom and makes us all feel like we could get used to this; this does not need to stop, ever. But it will, we all know it, the seasons won’t fool us. But we like the idea of being fooled, even for a couple more weeks.

One and a half months later—October’s in its final hours as I type this—I peel myself out of bed and turn on the radiator; I have my gloves and thermal underwear in place and switched from iced coffees to hot tea. But outside, I still cycle through golden, leave-paved streets on Urbanstraße, which is delightful and makes the thought of the upcoming months more bearable.

I am happy to welcome you to another episode of this little gathering. Quite a few things happened during this summer; however, I wasn’t part of most of them. I was busy writing my Master’s thesis. While passing a couple of miserable moments (”Fuck this; nobody cares about my degree, let’s simply not finish it”, as well as “With this thesis I will go down as the first design student who failed and disappointed his supervisors in an abysmal manner”), I finished the book, I had it printed, I presented it in front of a room of intimidated undergraduates, and I passed. I was actually happy with the result. Lesson learned: Accepting that your own work is enough as it is, and trusting the people who tell you along the way that you are doing fine, could prevent a lot. Of. Stress.

During the thesis research as well as the writing as well as the miserable phases, I had two mantras pinned to my wall, hoping to find peace with both of them. One said “You are not special, work harder!”, the other one said “You are valid”. To cut a long, philosophical exploration short: I still haven’t found peace with neither of them. I don’t think I am special, but working harder isn’t always an option (sometimes, yes, but I carry a slight disbelief in the hard-work-can-get-you-anywhere-philosophy). Being valid, however, is a though one: Am I? Is that all enough? Is a book and it’s presentation in front of intimidated undergraduates and a good grade and a finished degree enough? I know that I myself am the person who can decide what’s enough, but how on earth am I supposed to know?!

[A lot of italics, this time. I am sorry. Maybe I should make this newsletter a podcast. (No.)]

The thesis was the main reason I didn’t get to jump into Berlin’s lakes during this summer’s heatwave. Very possibly, after nine years in Berlin, it was the first time I envied my friends and actually wished to refresh my media-theory-twined brain with a jump into cold water. But it’s okay. Maybe next year, or maybe never; maybe I really am not the person for lakes (that’s at least what I learned about myself every time someone convinced me to join them for a trip to Berlin’s outskirts).

I am trying to re-structure this monthly (or rather quarterly?) piece of writing little bit. You’ve already made it through the biggest part; the self-absorbed ramblings and updates on life and existence. What follows is a shorter part, where technology, design, culture and feelings are taking turns.

To keep it brief this time, I’d like to hand out two recommendations to add to your digital digest:

1) Spencer Tweedy restructured his newsletter as well and now sends out very brief and snackable observations. Subscribe here or delve through his online collection of words.

2) Perfect for quick lunch or dinner breaks home alone: The New Yorker’s Cartoon Lounge YouTube series. Everything is fun and witty and entertaining about it: The animated intro, the cartoons themselves, but especially the charming hosts Emma Allen and Colin Stokes. Watch the playlist here.

I hope you all had a great summer, got one or two chances to jump into a lake (or any other refreshing surrounding), and are in peace with how much you need to be to be content with yourself. If you have any tips or other, more rewarding mantras, please let me know.

31. Oktober 2018

Weimar II

Wandert man von Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm (ein tristes, trübes Rinnsal) zu dem von ihm errichteten »Stein des guten Glücks«, kommt man an diesem Baum vorbei. Horizontal wächst ihm ein dicker Ast heraus; nur einen Meter über der Wiese schwebt er. Er erinnert mich an den Sommer vor einigen Jahren, als wir die Stadt besuchten: B. hatte ihr Sommerkleid an; ein weißes, leichtes, stoffreiches Kleid, und wir ließen uns dort nieder. Sie lag auf dem Baum wie auf einer Matratze; gleichzeitig wie ein Kind und wie ein Engel. Es war alles sehr surreal, und fühlte es sich auch ein bisschen so an, als spielten wir einen dieser Filme nach; Die Träumer; Was nützt die Liebe in Gedanken; Bande à part; in denen verträumte junge Frauen eben im Sommer auf Bäumen liegen.

1. Oktober 2018

Weimar I

Auf dem Rathausplatz lesen vereinzelt junge Leute laut aus Büchern vor. Einige Passanten stellen sich daneben und lauschen. Wir sind zu scheu. Die Gruppe junger Leser wird uns im Laufe des Abends noch öfter begegnen: Wie sie in einer Gasse an uns vorbei läuft und alle auf einmal die Arme heben; wie sie sich in der Einkaufsstraße zu einem Musiker stellt und improvisiert tanzt.

Einerseits nerven sie mich: diese verklärten Pseudokünstler, die sich innovativ fühlen und für die »die Welt eine Bühne ist«, anderseits finde ich es schön; es ist eigentlich die Welt, in der ich leben will, in der sich jeder als Pseudokünstler inszenieren und die Leute verwirren oder – im besten Fall – kurz zum Schmunzeln bringen kann.

1. Oktober 2018

Über Paradiesvögel

Das Zeit Magazin veröffentlichte in der aktuellen München-Ausgabe eine sehr schöne Erinnerung an Rudolph Moshammer (Abo-Artikel), den selbsternannten Modezar; die Ikone der Münchner Schickeria um die Jahrtausendwende. Im Januar 2005 wurde er ermordet.

Im Magazin wird er als »erster Influencer« beschrieben, was irgendwie Unsinn ist; es degradiert ihn (meinem Frust über Influencer räume ich an dieser Stelle keinen Platz ein). Moshammer war, und das beschreibt der Artikel trotzdem auch sehr gut, ein Paradiesvogel im besten Sinne; stolz auf sein Anecken; er hat es sich zurecht gemacht in seiner Sonderbarkeit, und durch die eigene Inszenierung eine Welt erschaffen, die man vermisst, obwohl man gar nicht Teil von ihr war. Kurz ermöglicht das das eben erschienene Portrait in der BR-Sendung »Lebenslinien« (ARD Mediathek).

Ich habe ein Faible für Paradiesvögel. Vor einigen Monaten hatte ich eine intensive Gianni-Versace-Phase; ich habe alles über ihn gelesen und auch die eher mittelmäßige True-Crime-Serie über seinen Mord verfolgt. Die Modewelt scheint das perfekte Sammelbecken dieser Sonderlinge zu sein, was so spannend ist, weil mich die Modeszene immer eher abgeschreckt hat; sie sich immer so anfühlte, als wäre sie ein sehr privater Club nur für sehr coole Leute.

Johannes und Florian haben gerade ein schönes Radiofeature über Karl Lagerfeld und seinen privaten Club gemacht, dessen Day in the Life Interview ich an anderer Stelle schonmal empfohlen hatte. Lagerfeld macht diese Sturheit und Sonderbarkeit noch mehr zur Marke als alle anderen; er verkauft sie als Lebensmotto (»Stress? Ich kenne nur Strass!«), mit dem sich jeder identifizieren kann.

Ich kann persönlich wenig mit Versaces Mode anfangen, genauso wenig mit Moshammers Stil oder Lagerfelds Markenimperium. Ich finde das alles interessant, nur selten schön. Aber die Tatsache, dass sie mit ihrer Eigensinnigkeit, Überheblichkeit und ihrem konsequent sonderbaren Geschmack Erfolg hatten bzw. haben, beruhigt mich.

14. September 2018

Superfood

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Seit einigen Wochen bin ich besessen von einem Track der Band Superfood, der in meiner Spotify Weekly Playlist landete, und der die berechtigte Frage stellt: Where’s The Bass Amp?

Wie immer bin ich viel zu spät dran; ein Jahr, um genau zu sein, denn im September 2017 erschien schon das zweite Album der Band, betitelt: bambino. Meine Lieblingstracks sind besagter Bass Amp und Double Dutch, aber auch der Rest des Albums katapultiert bequem zurück in Indie-Pop-Zeiten, in denen wir noch Blogposts über Musik geschrieben haben. Link zu Spotify und Apple Music.

9. September 2018

Über Bioläden

Sieht man von einigen Nebensächlichkeiten wie den heruntergekommenen Häusern, den Massen an nicht abgeholtem Sperrmüll oder den hässlichen Neubauten ab, ist Neukölln tatsächlich wie ein junger Prenzlauerberg-Szenebezirk. An einigen Orten wird das ganz besonders deutlich: In Biomärkten zum Beispiel. Es gibt hier im Bezirk immer mehr davon, und sie sind der Hauptmagnetpunkt für junge Familien, besonders Mütter (den ehrlicherweise wird auch in den meisten jungen, conscious Bio-Familien das klassische Familienmodell gelebt).

Ich muss deshalb mal kurz etwas über Biomärkte loswerden. In vielen Aspekten (abgesehen von der Tatsache, dass ich gerade weder Ehe noch Kinder habe noch will), entspreche ich total dem Biomarkt-Klientel. Ich versuche, möglichst verpackungsarm einzukaufen (klappt weniger gut); wenn ich die Wahl habe, greife ich zu regionalen Produkten, etc pp. Ich bin kein besonders erfolgreicher Öko, aber ich gebe mir Mühe.

Samstag Vormittag laufe ich also durch Neukölln, um ganz yuppieesk meine Errands zu erledigen – ich bringe die leeren Milchflaschen zurück, die man nur in diesem Laden kaufen und abgeben kann. Natürlich ist am Samstag viel los dort – alle müssen ja ihre Errands erledigen, das haben wir auf dem Land von unseren Müttern so gelernt. 

Und hier ertappe ich mich dabei, wie ich mich in meinem selbsterwählten Lifestyle furchtbar nerve; und wie mich alles daran und drumherum nervt. Biomärkte sind oft sehr klein – aber die Biofamilien kommen nicht allein: Sie bringen ihre Lastenräder mit, und ihre Fahrradanhänger zum Kindertransport (ein Konzept, das mir auf den ruppigen Berliner Straßen bisher sowieso unangenehm ist), und die müssen durch den Bioladen gekarrt werden. Ich bin absolut für Lastenräder, denn das heißt, dass man nicht im SUV die Straße verstopft – wieso also haben Bioläden anstatt der pseudogemütlichen Cafés, in denen niemals jemand sitzt und Pastinakensuppe für acht Euro schlürft, nicht einfach einen Parkplatz für diese sperrigen Vehikel? Nur so als Idee.

Außerdem sind im Biomarkt alle Menschen sehr langsam. Das kann man ihnen natürlich positiv anrechnen – die Leute hier sind nicht so alltagsgestresst; hier geht man es ruhig an und lässt sich Zeit, um Kundinnen und Kassiererinnen ein Lächeln zu schenken. Aber ich, der als Zehnter mit seinen fünf Milchflaschen in der Reihe steht (mehr darf man nicht sammeln, es gibt nämlich kein Pfandlager; alles sehr beengt hier!), vermisse in diesem Moment die Effizienz meiner REWE-Kassiererin. Sie ist freundlich und schnell – und damit dem Bioladen um einiges voraus.

Ich will mich nicht direkt beschweren; eher beobachten. Das alles sind selbst gemachte Probleme (ich könnte ja auch die Pseudo-Biomilch im Tetrapack kaufen!), aber manchmal tut es gut, sich kurz über Belangloses zu erzürnen. Wenn wir ehrlich sind, sind die meisten der Probleme, über die wir uns gerne aufregen, handgemacht. Regional. Artisanal. Bio vermutlich auch. Problemmanufaktur »Ich!«

10. Juni 2018

Und ich träumte,

dass Roman und ich einen unserer Filme vor einer großen Jury verteidigen durften. Nach der Präsentation, die erfolgreich verlief, obwohl ich keinerlei Details über den Film hatte, verabschiedete ich mich von den Jurorinnen und Juroren. Eine davon war Jessica Hische, die ich nicht persönlich kannte, aber direkt mit einem sehr persönlichen Handshake inklusive Fistbump und Drehung um die eigene Achse verabschiedete. In der Ecke des Raumes saß Angela Merkel ins Gespräch vertieft mit Linda Zervakis, und als sie mich und Jessica beim Performen des Handshakes beobachtete, konnte ich sehen, wie sie heimlich versuche, unsere Bewegungen abzuspeichern und in ihr Street-Credibility-Repertoire aufzunehmen.

2. Juni 2018