31. Januar 2021

The Notwist: Vertigo Days

The Notwist haben nach langer Pause ein neues Album veröffentlicht, und es sammelt dieses ganze merkwürdige, schräge letzte Jahr zwischen ein paar Zeilen, zwischen ein paar Songs, und ich liebe es sehr.

Now that you know the stars ain’t fixed
The roads ain’t straight
Now the sky can’t fall on us

Now that you know how much it hurts
Won’t save you from
Fallin’ into love again

The Notwist: Vertigo Days
Januar 2021, Morr Music
Bandcamp, Spotify, Apple Music

31. Dezember 2020

082020: We’ll be Alright When I Rub My Eyes

December 2020

On magic: It’s March 2020 and I’m on a video call with a friend. We’re all new to this whole stay-at-home situation, and she had offered to lay her Tarot cards for me. She’s using playing cards of Magic: The Gathering, just to spice things up a bit. The cards tell me about the general situation (Silent Attendant: “The Answer to life should never be death; it should always be more life, wrapped tight around us like precious silks”), they give precise recommendations (The Bandage: “Prevent the next damage that would be dealt to any target”), and conclude a possible outcome of it all (The Arcane Laboratory: “It soon became obvious that some experiments were best overseen by fireproof teachers”).

On waves: Admittedly, I do not believe in Tarot, but as we were (and still are) facing months of uncertainty, I enjoyed its randomness. There’s always something to get out of it—if you just read between the lines. So I’m digging into the year: Every other month, I got overwhelmed with pandemic anxiety, but over time, dealing with it became easier. The constant decision-making, weighing reason with facts, desires and relationships was probably the most exhausting part.

While it was widely accepted to be stressed and anxious during the first wave, it feels less tolerated in the current situation: Everybody needs to have their shit together by now. I don’t like that. I liked that everybody talked about how they’re feeling all the time; admitting exhaustion, fears and uncertainty. I want that to stay even after Corona. We will all get better at expressing it.

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I listened to a lot of Charli XCX this year. Here’s an interesting introduction to Hyperpop (if you were wondering what all the Tumblr Vaporwave kids were up to now). A plan for next year is to actually tidy up my Spotify playlists—for now, you can tune in to my public playlist. This letter’s headline is from my song of the year: Rub My Eyes by Hearts Hearts.

A book that I keep thinking about is Ottessa Moshfegh’s “My Year of Rest and Relaxation.” I read it in January and it somehow set the scene for the months to come. Follow my readings on Goodreads, if you like.

As people are talking about digital gardens and mourn the days of personal online publishing, I am happy to point out: Weblogs do still exist! For example: Gabriel, Nina, Marcel, LisaAndreas.

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For the new year, I encourage you to read between the lines. Read between anything! There’s always stuff to carve out. And for now: Let’s stay at home as much as we can, to prevent the next damage that would be dealt to any target.Another year, another round, make it count.

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27. Dezember 2020

Die Fliege

Heute Morgen entdeckte ich eine sehr müde, große, dicke Fliege auf meiner Fensterbank. Sie konnte sich kaum bewegen, und auch als ich ihr näher kam, machte sie keine Anstalten zu fliehen. 

Ich ging davon aus, dass sie von der Kälte geschwächt war, und hob sie auf die Innenseite der Fensterbank. Dann schloss ich das Fenster und drehte die Heizung auf. »Warte einfach kurz hier«, sagte ich ihr, »gleich geht’s dir wieder besser.« 

Dann ging ich in die Küche und machte mir einen Tee. Ich wusste nicht so recht, was ich der Fliege zubereiten sollte, da sie ja – anders als Bienen – vermutlich kein gesüßtes Wasser zu sich nehmen würde. Ich hoffte also, dass ihr die warme Heizungsluft genügte.

Gegen 13 Uhr 30 ging ich erneut zum Fenster, um die Wohnung zu lüften. Auf dem Teppichboden lag, auf dem Rücken und alle Beinchen von sich gestreckt, die dicke schwarze Fliege. Naja. Ich habe es ja immerhin versucht.

23. Dezember 2020

These Words

In einem Traum, im Halbschlaf, suche ich in iTunes die Funktion, ein Album an eine andere Person zu verschenken. Ich erinnere mich an den ersten Song, den ich damals dort gekauft habe: Natasha Bedingfield, These Words. Sie singt darin über das Schreiben; die Zeile »Nothing I Write Is Ever Good Enough« hallt nach. Der iTunes Store war für mich damals, mit 12 oder 13, wirklich ein magischer Ort. Plötzlich musste man nicht mehr durch die unangenehm erleuchteten Gänge von Media Markt stromern und nach CDs suchen, sondern konnte einzelne Songs direkt laden und auf den iPod übertragen. Den iPod! Im Schulbus würde ich dann am Fenster sitzen, das kleine Gerät aus der extra dafür genähten iPod-Socke schieben und mir die leuchtend weißen Kopfhörer in die Ohren stecken, und hören: »These Words are my own / From my heart flow / I love you I love you I love you«.

22. November 2020

Warum eigentlich

Drawing of the word Why

Ich telefoniere mit meinem Freund David. Uns beide verbindet unter anderem eine Zuschreibung, die wir mal bei einem Gespräch von unserem gemeinsamen Professor an der Uni bekommen haben: »Nachdenklich und trotzdem offen« nannte er uns, und beim Telefonat neulich merke ich, dass das immer noch irgendwie auf uns und unsere Herangehensweise an die Welt zutrifft.

Wir sprechen über unsere Arbeit, und warum wir sie tun. David beschäftigt das große Warum; die Suche nach einer tieferliegenden Begründung seines Handels. Warum machen wir das, was wir machen? Wir arbeiten darauf hin, so selbstbestimmt wie möglich unsere Ideen zu verwirklichen, aber aufgrund welcher größeren Idee eigentlich?

Für mich ist es eine nicht zu beantwortenden Frage, die Frage nach dem Why. Sie bringt mir zu sehr ins Wanken, macht mich mürbe und ein wenig depressiv. Jede Antwort darauf klingt zu pathetisch, nach leeren Worthülsen oder nach einer Verantwortung, der ich niemals gerecht werden könnte. Ich lege den Gedanken beiseite, mit der Ausrede, ich bräuchte gerade keine Antwort darauf. Ganz überzeugt bin ich noch nicht davon.

David arbeitet seit einigen Jahren an seinem Produkt Shelfd – ein Online-Service, der die besten Inhalte aus sämtlichen Mediatheken sammelt und empfiehlt. Einmal pro Woche erhalte ich einen Newsletter mit Filmen, die es etwa gerade in der arte-Mediathek gibt, und die ich sonst definitiv verpasst hätte. Eine super Sache.

Für mich als Beobachter ist irgendwie total klar, warum David das macht: Er liebt Filme, und ist begeistert von der Idee, andere mit dieser Begeisterung anzustecken. Viel mehr braucht es für mich nicht, um die Frage nach dem Warum zu beantworten.

Aber im eigenen Kopf dreht man eben ganz andere Schleifen und Runden, die einem aus der Beobachter-Perspektive verborgen bleiben. Unterwegs im eigenen Kopf sieht man zwar mehr, aber das alles zu ordnen und Sinn stiftend anzulegen, ist eine komplexe Aufgabe. Und man kann sich selbst ja nicht ununterbrochen nur aus der Beobachter-Perspektive wahrnehmen (obwohl ich das bei mir oft gerne täte) – dann entrinnt einem ja das Leben. Vielleicht bekomme ich das gerade, so ganz leise, zu spüren; wie ein kleines Rinnsal schlängelt sich dieses Gefühl seit unserem Gespräch in mir entlang.

Aber dann wiederum: Soll es eben. Soll es eben mal rinnen, eine Weile, so lange, wie ich diese große Warum-Frage noch ausreizen kann. Der eine, mich überzeugende Gedanke wird schon in irgendeiner Biegung hängen bleiben.

17. November 2020

Modehaus Manuel

An der Ampel bei Modehaus Manuel, da passierte es, da trafen wir uns, nach all den Jahren liefen wir ineinander, ja, genau da. Ich wartete auf meinem Rad auf Grün, und du fuhrst ran und sahst mich zuerst, und dann hast du wohl dein großes Grinsen aufgesetzt und mir entgegen geschleudert. Und wie das so ist in solchen Momenten, zögert man kurz, ob es nun angemessen wäre, wirklich innezuhalten und ein Gespräch zu entfachen, oder ob jeder lieber auf seinen Schienen bleibt, sich grüßt und weitergeht, und die Begegnung im Keim erstickt; oft ist das beiden ja lieber. Aber hier war es nicht so, wir gaben unsere Schienen auf und hievten die Räder von der Straße und da stehen wir nun, zwischen uns fünf, sechs Jahre, in denen viel passiert ist, aber das Grinsen, das du da hast / das kenne ich noch / lass’ mich damit bitte in Ruhe / ich geh’ in Flammen auf