27. Dezember 2015

Growing Up Is For Trees

In den letzten Wochen, die sich vor den Tag meines Geburtstags reihten, geriet ich in Panik. Torschlusspanik: Jetzt, so schien es mir, wäre die letzte Chance zum großen Wurf: Es schließen sich die Türen zu neuen Aufgaben; Türen zu neuen Bekannten; die letzte Möglichkeit, sich nochmal aufrichtig zu entschuldigen, oder die Chance, mit einer Entscheidung in ein anderes, noch besseres Leben zu gelangen. Die letzte Möglichkeit, besser zu werden.

All das schien mir zu entrinnen. Dabei hatte ich vor einigen Monaten erst die durchaus reizende Gelegenheit, für einige Monate in die USA zu gehen, mit gutem Gewissen an mir vorbei ziehen lassen, ja, sie sogar wissentlich weitergeschickt. Alle meine Freunde gehen auf die 30 zu, oder sind schon mitten drin, und man belächelt mich: 24, das ist doch kein Alter. Sie denken über den Kauf von Wohnungen in der Stadt nach, über Rentenversicherungen und Nachwuchs. Ich habe es dieses Jahr gerade mal geschafft, mir eine Haftpflichtversicherung zuzulegen. 24, wie soll in den Rest noch ein Master reinpassen, eine Weltreise, ein Sabbatical, eine neue Wohnung, mal eine andere Stadt, wo ist da noch Platz für einen besseren Job, wo ich doch den Besten schon habe.

Die Sommer haben nur ein paar wenige Monate. Und gleichzeitig vergehen die Jahre, und Beziehungen passieren, fangen an und beenden sich, und mein Umfeld scheint nicht zu altern. Alle sind einfach da. Nur mir rennt die Zeit davon. Mir ist klar: die Chance auf Änderung ist doch immer vorhanden. Vielleicht sehe ich mir an, wie bequem ich werde, vielleicht sogar faul; wie schwer mir das Fällen von Entscheidungen fällt, und am Ende bleibt es so wie es ist, und dann ist der Zug abgefahren, und ich denke, ich hab nichts gemacht aus meinem Leben.

25. Oktober 2015

The First Bad Man

A book I always like to give away as a present is Miranda July’s first collection of short stories, “No one belongs here more than you”. They are all brilliant, weird, and heart-shaking in their own way. You can’t really go wrong with it, there is something for everyone in it, and it always tells you something new.

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With July’s first novel, “The First Bad Man”, it’s a little different. Even though it says on the back cover that I need to buy this twice and give one to a friend, I hesitated to do so. Don’t get me wrong: I enjoyed reading it, and there were many scenes and ideas I really liked: The Globus Hystericus for example, which appears to be the narrator’s main concern at first. Her visits to the doctor weave a beautiful and sad connection between the characters, and strain a golden thread throughout the book. Miranda July has great talent to subtly create scenes and spaces—I immediately felt as a neighbor or observer, hanging around somewhere in the vast, sunny and empty streets of Los Angeles. In a way, the whole story felt a bit like a rumor being spread in the neighborhood—a rumor about this really strange person and her gardener, a story about violence, unrequited love and parenthood.

Before thinking about giving this novel away as a present, I do recommend to read it for yourself first. It’s not for everyone. Also: The german title is “Der erste fiese Typ”, and this just sounds so wrong and absolutely not how Miranda July would speak; you should read it in english if you can.

For the book launch, Miranda created an online store where she sold artefacts that make an appearance in the book. A broken vase, a long dress with many buttons, a spoon or an old envelope—by now it’s all sold. July always adds a layer to everything. I still love that about her.


Read also: My book review on Fridolin Schley’s “Wildes, Schönes Tier” (german)

11. September 2015

Describe something you wanted badly and, once you got it, never used

Vielleicht aus einer romantischen Vorstellung heraus habe ich es mir immer wichtig und nützlich vorgestellt, Dinge mit einer Schieblehre zu vermessen.

Schließlich schenkten mir meine Eltern eine zu Weihnachten – edel verpackt, eingebettet in ein samtenes Schutzköfferchen, mit digitaler Maßanzeige – ein wunderbares Geschenk. Pappkarton konnte bis auf mehrere Nachkommastellen millimetergenau bemessen werden.

Das war 2011. Seit vier Jahren liegt die digitale Schieblehre unberührt in meinem Schreibtischcontainer. Oder in der Werkzeugschublade? Ich bin mir gerade gar nicht sicher. Aber sie ist definitiv griff- und einsatzbereit, falls doch einmal etwas schieblehrengenau geprüft werden muss.

29. August 2015

Find a penny

I’m walking through Hackney with Jack, it’s around 11pm. We just bought some ice cream and are going to watch an episode of RuPaul’s Drag Race at his place, when I found a penny on the street. I don’t like english money; they coins are heavy and their sizes are weird.

Jack hums, Find a penny, pick it up, all day long you’ll have good luck. But really, I’m not going to pick up this penny, it’s almost 12, the day is over already anyway, there is just no point.

20. August 2015

Der Fuchs ist zurück

Im Treppenhaus treffe ich Sana. Sie warnt mich: Wenn du das Fahrrad in den Hof bringst, nimm dich in Acht vor dem Fuchs. Er sei wieder da. Und dieser Fuchs sei anders. Krank und hungrig. Man sollte ihm nicht zu nahe kommen.

Wir gehen zusammen nach oben. Vor meiner Haustür schielt sie auf die Wohnung gegenüber. Der Nachbar beschwere sich ständig über den Lärm. Dabei sei er es, der so laut Musik hört. Sie müsse bald mal die Polizei verständigen. Ich rate ihr zu einem klärenden Gespräch, den die Polizei sorge meist nur für noch schlechtere Stimmung.

Sana nickt nachdenklich und schweigt ein paar Sekunden. Aber die Musik, lenkt sie ein, weckt mich immer, und dann weine ich kurz, denn so bin ich, wenn ich Träume nicht zu ende träumen kann. Zum Abschied warnt sie mich nochmal vor dem Fuchs. Abends im Bett kann ich sie über mir hören; die lauten Schritte und Gespräche mit ihrer Familie helfen mir beim Einschlafen.

26. Juli 2015

Trinity Laban

I’m currently spending two weeks at the Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance in London to attend their Dance Summer School programme. I do ballet, contemporary and choreography. Last week we filmed some of our work, and I saw myself dancing for the first time. It’s hard and unpleasant, but it’s the best way to learn and improve.