Ein Reh

Direkt in meinen Kopf hinein
Springt ein Reh
Direkt zwischen die Hirnlappen
Springt es und
Dreht sich und
Macht es sich bequem in meinem
Laub aus Gedanken
Im Fallobst legt es sich nieder
Und schaut scheu
Durch die Synapsen

26. Juli 2019

Über Awkward Handshakes

Wenn es eine Sache gibt, für die man mich in Erinnerung behalten wird, dann sind das Awkward Handshakes. Das kann ich richtig gut! Während die Begrüßung enger Freundinnen kein Problem darstellt (man umarmt sich halt, was soll der Geiz?), ist es mit deren Freunden, oder generell mit Männern, immer ein bisschen schwierig. Eine Fallstudie:

Ich treffe meinen Kumpel M. auf der Straße; wir haben uns schon ein paar Wochen (Monate?) nicht mehr gesehen, wie das in Berlin manchmal so ist, aber wir finden uns generell super. Wie begrüßt man sich also? Mit einer Umarmung hätte ich Angst, ihm zu Nahe zu treten – wir sind nicht allerbeste Freunde, und er ist sehr heterosexuell, das könnte ihm alles viel zu viel sein. Dass ich damit in voller Fahrt meine eigene innere Homophobie auf andere projiziere, ist mir durchaus klar – aber ich sag’ wie’s ist!

Man könnte sich also einfach die Hände schütteln. Ganz alte Schule; da bin ich ja ein ein Freund von. Gerne höflich die Hand ausstrecken, womöglich dabei noch die linke Hand auf dem Rücken, dreimal schütteln, sich kurz zunicken und leicht verbeugen – fertig! Das wäre ehrlich gesagt meine Traumbegrüßung mit allem, was nicht umarmungswillig ist. Aber so einfach ist es nicht, denn gerade, wenn ich die Hand ausstrecke, passiert sowas:

M. (oder wer auch immer), streckt auch die Hand aus, aber in einem anderen Winkel. Irgendwie rechtwinklig nach oben; als würde man ein High-Five mit einem Händeschütteln verbinden. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, was mir da entgegen gestreckt wird. Wie greifen da bitte die Hände ineinander? Berühren sich die Ellbogen? Und die Kür: Folgt darauf eine Bro-eske Umarmung mit Auf-die-Schulter-Klopfen, oder bleibt man auf Distanz?

Eins ist, wenn M. mir mit so einer komischen 90-Grad-Arm-Geste begegnet, gewiss: Es. Wird. Awkward. Ich, schon mit halb ausgestreckter Händeschüttelhand, versuche cool und heterolike auf diesen High-Five-Arm zu reagieren, verpasse ihn aber um einige Millisekunden; was dann dazu führt, dass die Hände sehr merkwürdig ineinandergreifen und ich mich in eine etwas zu intensive Umarmung rette, um meinem gegenüber nicht ins Gesicht schauen zu müssen.

Was sich M. nach diesem Begrüßungsüberfall denkt – ich will es besser gar nicht wissen. Das Eis der Awkwardness ist danach jedenfalls ein für alle mal gebrochen.

15. Juli 2019

062019: Take Yourself With You

Me being happy in Vienna

(Picture of me being happy in Vienna a couple of weeks ago)

It’s 9.30pm and 21°C outside, which is quite nice. I am sitting on my sofa while typing this; after I spent 50 per cent of the weekend sick in bed, another 25 per cent with friends, and the remaining 25 per cent with myself, which I’ve been enjoying a lot lately.

So what has been happening?! I admire people who manage to send out newsletters on a very regular basis, but I am not one of them. That’s actually good for you, because I guess I am not the only one with tons of unread newsletters in my inbox, which I’d LIKE to read but eventually just mark as read because there is so much other stuff to read and see and do.

In general: I’ve learned a lot about what kind of person I am and what I am not, and accepting both has been a big relief recently. I am not a travel-person, for example, at least not right now, and that’s okay. I am, however, a picky eater, and that’s okay too. I’ve spent years trying not to be one; trying to like everything, but you know what: Liking everything is ~not joyful~ at all. Being at ease with the things you can and cannot fulfill is fantastic, and it makes coping with life so much easier. Cool that I only needed 27 years to figure that out.

Sitting here, on a Sunday night, with a cold soda and an uncomfortably warm laptop on my lap, made me remember my last summer: I’ve spent it completely inside, writing my thesis, letting the warm days pass by. I am not a lake person, or a picknick person, but I definitely am a summer person. I am looking forward to making it count (a bit more) this year.

Hard facts to add some links to this letter: We’ve polished Zeit Online a little bit (as in: we removed the sidebar, and made everything a bit nicer and bigger and better). When I showed the designs to readers, no one noticed a difference, and that was okay. I wasn’t trying to design something new; I just wanted to improve the existing thing, and as Lucius Burckhardt taught me: Good Design is invisible. (Bitter pill to swallow at first, admittedly.)

I’ve also been blogging (yes, I still do that occasionally): I drew manspreaders I saw on the train, I cycled behind a woman with a carpet beater, and I drew a selfie of me on my therapist’s sofa. I generally try to draw more on my instagram.

Even during summer, sofas seem to be my happy place. Nothing wrong with that! That’s why I’m sending you kindest regards from between these pillows here right now, and kindly ask you to stay cool and use sunscreen during the next days.

I you want to receive this kind of writing in your inbox, signup for my newsletter. It’s unobtrusive and free.

26. Juni 2019

Dicke Luft

Ist ja auch irgendwie geil, so durch diese Luft zu radeln, die sich die ganze Zeit so anfühlt, als würde das Wasser seit Tagen in ihr rumstehen wie ein vergessenes Wasserglas. Und die Hitze, in der sie sich nicht so recht bewegen kann, und ich mich dann auch nicht; das ist ja irgendwie auch ein witziges Gefühl, da so durchzufahren. Durch diese dicke, klebrige Luftschicht. Diese Gewitter-Vorahnung. Aber heute kriegt sie mich irgendwie nicht. Heut fühl ich’s nicht.

19. Juni 2019

Jamila Woods

Wichtige und gute Musik geht ja sehr oft und sehr gerne an mir vorbei. Nun stolperte ich aber neulich über dieses Audio-Feature des New Yorker, das das neue Album LEGACY! LEGACY! von Jamila Woods bespricht:

On “Legacy!,” Woods is […] looking backward, putting herself in dialogue with a long line of predecessors—from Betty Davis to Sonia Sanchez to Jean-Michel Basquiat—by reanimating them through song. She treats these historical figures not as idols but as artists, for whom existing and creating were acts of subversion, personal salvation, and grace.

Wobei – besprechen ist nicht das richtige Wort, es lässt nämlich vor allem die Musik der Künstlerin für sich sprechen. Selten fand ich Audio in Textbeiträgen so sinnvoll (oder überhaupt sinnvoll) wie hier.

Letzten Endes hat mich der Beitrag über die Künstlerin, die wie erwähnt bisher unbemerkt an mir vorbei gezogen war, aber vor allem auf ihr Debütalbum HEAVN von 2016 aufmerksam gemacht. Das läuft seitdem hier in Dauerschleife, und den Song Bubbles liebe ich besonders.

→ Jamila Woods bei Spotify, Apple Music, und Bandcamp.

9. Juni 2019