30. Juni 2022

Juni-Liste 2022

  • Irgendwo ist immer Feuerwerk in dieser Stadt.
  • Unterm Strich kann man den Juni mit dem Fazit beenden: Ich bin ein nervliches Frack. Um das direkt mal zu klären. Der Monat bestand aus einer Flut aus Dokumenten, Calls, Stresssituationen und nebenbei auch noch einem Haufen Arbeit. Die 10 Tage Urlaub, die auch noch passiert sind, hätten auch gerne doppelt so lang sein können. Aber immerhin: Sommer!
  • Ich bin die Person, die am liebsten nach dem ersten Drink nach Hause geht. S. sagt: »Wir sind eben Leute, die sich entspannen, wenn sich die Reize um uns herum reduzieren.«
  • Vorwürfe, die nicht als solche formuliert sind, sind trotzdem Vorwürfe. Sie zu enttarnen und dann mit ihnen umzugehen, ist gar nicht so einfach.
  • Take Me as I am (Max Cooper Remix).
  • Ich telefoniere mit S., erzähle ihr von all den Baustellen. Sie versichert mir, dass sich der Stress lohnen wird. Die Freunde, die einen ermutigen, sind die besten Freunde!
  • Seit Jahren mal wieder auf der re:publica. So viele Eindrücke, so viele Menschen! Aber auch: Seit langem mal wieder das Gefühl, außerhalb des Internets unter sehr vielen Leuten zu sein, die ein bisschen ticken wie ich. Oder zumindest sehr ähnliche Interessen haben.
  • Wie E. da auf der Bühne sitzt und spricht – sie beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue, so unfassbar klug und bedacht ist sie, wenn sie diskutiert und über Dinge reflektiert.
  • Das Leben Ü30: Alles ist gut, solange ich vor 24 Uhr ins Bett gehe.
  • Ich frage Thilo, womit ich im Internet berühmt werden könnte. Seine Antwort: »Shirtless Content.« Ernüchternd! Vielleicht ist Internet-Fame doch nichts für mich.
  • Robin Thiesmeyer (Meta Bene) auf der .txt Konferenz über sein Notizbuch: „Es lebt nach der Chaostheorie. Alles hat mit allem zu tun.“ Notiz an mich: Mehr in mein Skizzenbuch kritzeln! Ich folge diesem Rat am Abend und bin erstaunt darüber, wie viel nach so einem Tag aus dem Kopf noch raus aufs Papier muss.
  • Für mich sein: Mein optimaler Aggregatzustand.
  • Merken, dass etwas nicht klappt, und es egal finden. Irgendwie erleichternd.
  • Es ist immer gut, einen Plan B, und dann auch noch ein Plan C zu haben. Wenn das mit der Wohnung nicht klappt, gehe ich nach Wien. Wenn das mit Wien nicht klappt, gehe ich in den Wald und vergrabe mich.
  • Ich packe seit Jahren mal wieder für einen längeren Urlaub, und fühle mich dabei wie ein absoluter Amateur. Ich will am liebsten meine ganze Wohnung mitnehmen, und kann plötzlich Wohnmobil-Enthusiasten total verstehen. Mein letzter Urlaub mit Flug und Strand und Meer ist Jahre her – kein Wunder, dass ich das alles verlernt habe.
  • Die Wucht, mit der diese kleine weiße Tablette meine Angst auflöst, ist einfach nur abgefahren.
  • Komplett positiv beeindruckt von Griechenland und vor allem Athen. Was für eine schöne, kaputte, wirre Stadt.
  • Für mein zukünftiges Leben will ich mir ein Beispiel an Griechenlands Katzen nehmen: Sie haben keine Angst von niemanden und lassen es sich überall gut gehen. Auch auf den mit Touristen vollgestopften Treppen zur Akropolis liegen sie herum und sonnen sich.
  • Mit dem Taxi zur Fähre, mit der Fähre auf die Insel, mit dem Taxi über die Serpentinen in die Stadt. Dafür, dass mir sonst schon schlecht wird, sobald ich länger als 10 Minuten in einem Auto sitze, war das alles überraschend machbar.
  • Bzgl. Thema Urlaub: Pool > Strand.
  • Allerschlimmste Erfahrung der letzten vier Wochen: Gesichtsmassage. Das war wirklich das schrecklichste, wofür ich (unfreiwillig!) jemals Geld ausgegeben habe.
  • Ich mag, wie beim nichts tun die Zeit verschwimmt.
  • Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub fühlt sich so frisch an wie lange nicht mehr. Wie schafft man es, nicht sofort wieder einzurosten?
29. Juni 2022

Freibad

Wenn wir diesen Sommer eine Sache brauchen, dann ist das ein neuer Film (endlich!) von Doris Dörrie. Freibad läuft ab dem 1. September in den Kinos.

31. Mai 2022

Mai-Liste 2022

collage of images, like friends, flowers and fruits
  • 2. Mai, ich gebe mein erstes richtiges Seminar an der UdK. Mit Henning Wagenbreth in der Illustrationsklasse. Alles ist irgendwie surreal, vor allem, dass ich so wenig nervös bin. Was ist da los?!
  • Ich konnte in diesem Monat einige neue Dinge auf meine »Nein«-Liste schreiben, die mich im Nachhinein immer dankbar aufatmen lässt. Puh. Zum Glück habe ich das abgelehnt und keine Zeit dafür investiert.
  • Der Mai war definitiv zu voll mit Gesetzestexten, Juristensprech, Fremdwörtern und schlecht gescannten PDFs. Sobald man sich einen Tunnel durch die PDF-Berge gegraben hat, fällt man in ein noch tieferes Loch und es dauert wieder eine Woche, bis man den Begriff entschlüsselt und das richtige Dokument angefordert hat.
  • Generell: wolkig im Kopf.
  • Manchmal dauern 15 Minuten im Kopf 75 Minuten, und das frisst richtig viel Energie.
  • Habe mich mehrmals bei der Unsicherheit ertappt, ob Dinge nun tatsächlich oder nur im Traum passiert sind. Sowieso: Viel wild geträumt im Mai.
  • Sich hier und da nochmal beweisen, dass man gewisse Dinge kann, das muss manchmal sein.
  • Für die warmen Tage im Mai war der Südblock mein Happy Place. Pommes forever!
  • Außerdem: Nudeln und Netflix. Deep Dish Pizza bei Magic John’s. Tonka-Eis mit Sesam-Krokant mit Eva im Treptower Park. Aperol Spritz, fuzzy im Kopf. Schlimmster Koffeinrausch seit dem Club-Mate-Bachelor-Studium.
  • Ich bin eigentlich wirklich durch mit dem Coming-of-Age-Thema, aber Heartstopper hat auch mich gekriegt. So wholesome; und für Leute wie mich, die eine Schulzeit voller Queerfeidlichkeit und Tabuisierung erlebt haben, auch irgendwie eine Versöhnung.
  • Erkenntnis im Biergarten: Wir sind schon auch ein bisschen cooler geworden.
  • Jeden Tag dankbar dafür, keine OKRs im Nacken sitzen zu haben.
  • Den halben Monat damit verbracht, einen Haken zu suchen, aber es findet sich einfach keiner.
  • Mein wertvollster Besitz sind, und das klingt kitschig, zwei Kisten voller Briefe. An einem Freitag Abend bin ich darin versunken. Ich habe die schönsten Briefe von den besten Leuten. Schickt euch (mir!) Briefe, Leute!
  • Ich treffe Paul im Wedding. Er gibt mir eine Schreibaufgabe: 1000 Zeichen über meine Emotionen unserer Begegnung. Er hat mit eine 2+ drauf gegeben. Emotionstechnisch geht noch was.
  • Seit Wochen keinen Bleistift oder Pinsel mehr in der Hand gehabt. Seit sechs Monaten keinen Newsletter verschickt. Meine Kreativität trocknet vor sich hin wie eine kleine alte Rosine.
  • Aber immerhin: Neuköllner Maientage! Ich liebe die Soundkulisse, das Publikum, die Lichter. Alles, was mir sonst viel zu viel ist, sauge ich auf wie ein Schwamm.
  • Ein Freund erzählt mir eine Übung aus seiner Verhaltenstherapie: Schuhe kaufen und direkt danach zurück bringen. Würde ich mich niemals trauen! Sollte ich also mal ausprobieren.
  • Feiertage: Perfekt zum Arbeiten, niemand stört.
  • Meine Stimmung ist immer genau wie das Wetter. Die letzten Mai-Tage waren ein wilder Ritt aus Sonne, Sturm und Regen. Ich kann nicht mehr.
  • “Whatever you plan on happening, never happens. Stuff you would never think of happens. So you just have to come on. Come on, come on, come on, come on …”
21. Mai 2022

Über Kapitalismus

Kapitalismus ist so ein großer, düsterer Begriff – ich habe mich bisher kaum an ihn herangetraut. Ich weiß, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben; dass er auch Vorteile und positive Aspekte hat. Aber gleichzeitig weiß ich: Wir brauchen ein besseres, nachhaltigeres System. Jason Hickel fasst in diesem Twitter-Thread Elemente aus seinem Buch Less is more zusammen. Er definiert Kapitalismus darin nicht, wie viele Menschen, durch »Märkte und Handel«. Das alles gibt es seit Jahrtausenden. Kapitalismus selbst sei aber erst 500 Jahre alt – Hickel erläutert also:

People often assume that capitalism is defined by “markets and trade”. But markets and trade existed for thousands of years before capitalism. Capitalism is only 500 years old.

Hier seine drei wichtigsten Thesen:

First, and most importantly, it [capitalism] is defined by enclosure and artificial scarcity. The origins of capitalism lie in a systematic effort by elites to restrict people’s access to commons and independent subsistence, in order to render them reliant on wage labour for survival. (Tweet)

Künstliche Verknappung und Eingrenzung von Gemeingut und Gütern (wie etwa Wohnraum, Nahrung oder Bildung) wurde in den letzten 500 Jahren unkontrolliert vorangetrieben durch Privatisierungen und forciertes Wachstum:

Second, capitalism is organized around – and dependent on – perpetual expansion, meaning ever-increasing production of commodified goods. It is the only intrinsically expansionary economic system in history (meaning it basically has a crisis if it doesn’t continually expand). (Tweet)

Alles muss immer größer, schneller, lauter, profitabler werden. Unser Wirtschaftssystem gerät in eine Krise, wenn nicht expandiert wird. Dummerweise geht es bei diesem Wachstum nicht darum, den Bedürfnissen der Gesellschaft nachzukommen (sonst wäre etwa dringend benötigter, bezahlbarer Wohnraum einfacher zu erschaffen), sondern darum, Profite (Knete!) zu machen. Knete Knete Knete.

Finally, capitalism is notable for precluding democratic decision-making. Even in countries that prize political democracy, democratic principles are rarely allowed to operate in the sphere of production, where decisions are made overwhelmingly by those who control capital. (Tweet)

Geld ist Macht; wer viel Geld hat, darf viel bestimmen – ein einfaches, bekanntes Dilemma. Priorisiert werden auch in horrenden Krisen wie der Klimakatastrophe, in der sämtliche Fakten und Szenarien auf dem Tisch liegen, nicht die Maßnahmen, die für die Bedürfnisse der Gesellschaft nötig wären (wie etwa: Reduzierung der Emissionen, um Naturkatastrophen, Hunger, Flüchtlingswellen und generelle Erderwärmung zu reduzieren), sondern vor allem die, die wirtschaftlich gewinnbringend sind. Die Machthabenden wollen Geld – it’s always been like that. Märkte und Handel an sich sind nicht das Problem; es sind die daraus resultierenden, kaum regulierten Praktiken: Künstliche Verknappung, erzwungenes Wachstum und finanziell motivierte politische Entscheidungen sind der Kapitalismus, der uns von innen heraus aushöhlt.

18. Mai 2022

Der stille Gast

Ein Knarzen quält sich aus den Dielen
Verhallt doch schnell im Samt der Nacht
Augen, die um die Ecke schielen
Vom scharfen Atem aufgewacht

Geht es ganz schnell, doch ohne Hast
Das Kissen dämpft des Schusses Schall
Lautlos agiert der stille Gast
Die Nacht verschluckt den dumpfen Knall

So wird er sich vonstatten stehlen
Ein blasser Hauch entflieht dem Raum
Und ich werd’ rastlos Runden drehen
bis zu meinem nächsten Traum.

2. Mai 2022

April-Liste 2022

  • Manche kämpfen noch in den Schlachten, in denen man selbst schon gesiegt hat. Das eigene Fortkommen sehen, das ist auch was. Zu merken, dass »It gets better« nicht nur eine Floskel ist.
  • Gutes Gefühl, das für Freelancer manchmal rar ist: etwas machen, und nicht allein damit sein.
  • Slow Sundays.
  • Habe meinen Rhythmus gefunden: Morgens früh aufstehen und eine Stunde arbeiten, dann zum Sport, denn dann sitzt mir die Arbeit nicht mehr so im Nacken und ich hab’ den Kopf frei.
  • Bin jetzt einer dieser Menschen, die regelmäßig zum Sport gehen, weil »mir das einfach total gut tut«.
  • Einerseits ärgere ich mich, wenn ich 10 Folgen The Office schaue anstatt ein Buch zu lesen, andererseits genieße ich es auch. Und GENUSS ist schließlich mein Jahresmotto!
  • Die Frau, die in der Oper um einen Platz am Rand bittet (»Ich brauche einen Fluchtplatz!«). I feel you.
  • Ansonsten von diesem Abend gelernt: Oper ist nix für mich. Fragt mich in 20 Jahren nochmal.
  • Sehr oft passiert im April: Bis 10 Uhr geschlafen und mich danach gefühlt als hätte mich jemand verdroschen.
  • Jemand sagt mir in einem Workshop, ich hätte eine »charming personality«, und wenn das nix ist, was dann?!
  • Gestrandet in Brandenburg: Wir essen billigen Blechkuchen in einem tristen Café. Dass Brandenburg ständig all seine eigenen Klischees erfüllt, finde ich überraschend konsequent.
  • Mit eigenen Ohren gehört: Wohnen auf der Karl-Marx-Allee ist lauter als es schön ist. Sowieso, diese Straße, was stimmt nicht mit ihr? Sie wäre ein Traum für Fußgänger, wenn es nur Gründe gäbe, auf ihr zu flanieren.
  • Kurz den eigenen moralischen Kompass in Frage gestellt (und dann via Telefonkette von allen Freunden bestätigt worden).
  • »For a gay guy, if you’re not going to be the stud, you might as well be the freak«. Patrick Moore in der neuen Netflix-Serie über Andy Warhol
  • »A few years into a decade is when it really becomes a decade«, schreibt der in sein Tagebuch. Lasst uns also noch ein paar Jahre durchhalten, um zu sehen, was aus den 20ern des 21. Jahrhunderts wird.
  • »In some ways, it’s the way we figure out who we are, rather than express who we are« sagt Glenn Ligon über Wahrhol und seine Queerness. Wie Kleist: »Die Idee kommt beim Sprechen.«
  • Ostern allein zu Haus: Spaghetti mit Feta und roter Beete, Tortiglioni mit Kichererbsen und Parmesan, Ravioli mit Zucchini und Kirschtomaten.
  • Zur Feier der Feiertage rasiere ich mir einen Schnurrbart. Im Spiegel: eine völlig andere Person. Es sieht nicht komplett schrecklich aus, aber ich glaube, es ist gerade nicht die Person, die ich sein will.
  • Nachmittags aus Lust und Laune rüber zum Traumeck und mir eine kleine Portion Pommes gegönnt – beste Leben!!
  • Hockney in der Gemäldegalerie, Gabby auf dem Tempelhofer Feld, Paul am Potsdamer Platz.
  • Unter Druck entstehen Diamanten – oder zumindest die Vorbereitungen meiner Workshop-Woche.
  • Gestrandet in Hannover: Was haben Menschen eigentlich vor Smartphones gemacht?!
17. April 2022

Berlin, die Stadt der Schlangen

Schwarz-weiß-Illustration einer Schlange

Ich habe keinen Bock mehr, mich ständig für alles anzustellen. Ob für einen Tisch im Restaurant, für einen Termin beim Amt, oder für eine lächerliche Kugel Eis: Berlin ist die Stadt der Schlangen. Für alles muss man sich einreihen. Es nervt!

Ich lebe seit 12 Jahren in Berlin, aber erst seit drei oder vier Jahren scheinen die Schlangen zuzunehmen. Ein Restaurantbesuch an einem Freitag Abend ist in Kreuzberg eigentlich nicht mehr möglich, wenn man nicht Tage vorher einen Tisch reserviert hat. Wer Samstag Nachmittag ein Eis essen möchte, der bringt am besten eine halbe Stunde Zeit mit, um sich dafür in eine Warteschlange zu stellen. Lediglich die Tatsache, dass ich morgens um fünf aufstehen muss, damit ich um halb sieben vor dem Bürgeramt warten kann (um acht Uhr öffnen sich die Türen), ist kein neues Berliner Phänomen. Dass sich die Schlangen nun vom Bürgeramt aus auch in sämtlichen anderen Institutionen einnisten, hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen.

Wenn ich in den Sommermonaten durch Kreuzberg und Neukölln laufe, beschleicht mich das Gefühl, dass die Stadt um ein Vielfaches voller ist als noch vor einigen Jahren. Warum sind plötzlich alle hier, wo das Leben hier doch viel teurer geworden ist? Ein Blick in die Statistik widerlegt meine Theorie: 2010 lebten 261.090 Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg, 2020 sind es 289.014; in Neukölln ist der Anstieg ähnlich gering. Sind es also Reisende, die im Sommer die Cafés und Restaurants und Eisdielen bevölkern? Vermutlich und auch verständlich, denn der Sommer hier könnte so schön sein. Wenn es nicht überall so viele Schlangen gäbe!

Oder liegt es an der Pandemie? Das war letztes Jahr noch plausibel, als es lediglich Sitzplätze in den Außenbereichen gab, und die Menschenansammlungen durch Abstandsregeln vergrößert wurden. Aber im Frühling 2022 sind alle Restaurants einfach immer voll, drinnen und draußen; und die Schlangen wachsen weiter.

Bin ich vielleicht einfach wählerischer bei der Auswahl meiner Restaurants geworden? Als klischeebehafteter Hipster esse ich natürlich gerne in aufregenden, schön eingerichteten Speisestätten. Was aber einmal im Cee Cee Newsletter erwähnt wurde, ist danach natürlich komplett over. Zahlreiche selbsternannte Food Critics empfehlen die besten Donut-Shops der Stadt auf TikTok, in denen daraufhin dann Schüler·innen ihr Taschengeld auf den Kopf hauen. Ich bin eigentlich auch eher ein Freund der Bodenständigkeit – ich brauche gar keine Fleur-de-Sel-Matcha-Sternanis-Eiscreme. Eiscafé Venezia (Erdbeer Schoko Vanille) und Konsorten sind mittlerweile nur einfach sehr rar geworden – zumindest in den Szenebezirken.

Am Ende liegt es also doch an mir. Auch ich bin eine Schlange. Eine, die sich durch ihr Hipsterviertel schlemmt, zur unsäglichsten Zeit (Freitag Abend 19 Uhr) einen Tisch für vier Personen will, und sich zur Not eben einreiht, wenn es um das Erstehen eines gefrorenen Milchdesserts geht. Vielleicht wird es Zeit, die Szenebezirke zu verlassen und sich ein Stammlokal zu suchen. Eins, in dem es immer einen Tisch gibt, und in dem ein Kaffee keine vier Euro kostet. Das sind meistens die Orte, vor denen sich niemand anstellt. Orte ohne Schlangen.