These Words

In einem Traum, im Halbschlaf, suche ich in iTunes die Funktion, ein Album an eine andere Person zu verschenken. Ich erinnere mich an den ersten Song, den ich damals dort gekauft habe: Natasha Bedingfield, These Words. Sie singt darin über das Schreiben; die Zeile »Nothing I Write Is Ever Good Enough« hallt nach. Der iTunes Store war für mich damals, mit 12 oder 13, wirklich ein magischer Ort. Plötzlich musste man nicht mehr durch die unangenehm erleuchteten Gänge von Media Markt stromern und nach CDs suchen, sondern konnte einzelne Songs direkt laden und auf den iPod übertragen. Den iPod! Im Schulbus würde ich dann am Fenster sitzen, das kleine Gerät aus der extra dafür genähten iPod-Socke schieben und mir die leuchtend weißen Kopfhörer in die Ohren stecken, und hören: »These Words are my own / From my heart flow / I love you I love you I love you«.

Warum eigentlich

Drawing of the word Why

Ich telefoniere mit meinem Freund David. Uns beide verbindet unter anderem eine Zuschreibung, die wir mal bei einem Gespräch von unserem gemeinsamen Professor an der Uni bekommen haben: »Nachdenklich und trotzdem offen« nannte er uns, und beim Telefonat neulich merke ich, dass das immer noch irgendwie auf uns und unsere Herangehensweise an die Welt zutrifft.

Wir sprechen über unsere Arbeit, und warum wir sie tun. David beschäftigt das große Warum; die Suche nach einer tieferliegenden Begründung seines Handels. Warum machen wir das, was wir machen? Wir arbeiten darauf hin, so selbstbestimmt wie möglich unsere Ideen zu verwirklichen, aber aufgrund welcher größeren Idee eigentlich?

Für mich ist es eine nicht zu beantwortenden Frage, die Frage nach dem Why. Sie bringt mir zu sehr ins Wanken, macht mich mürbe und ein wenig depressiv. Jede Antwort darauf klingt zu pathetisch, nach leeren Worthülsen oder nach einer Verantwortung, der ich niemals gerecht werden könnte. Ich lege den Gedanken beiseite, mit der Ausrede, ich bräuchte gerade keine Antwort darauf. Ganz überzeugt bin ich noch nicht davon.

David arbeitet seit einigen Jahren an seinem Produkt Shelfd – ein Online-Service, der die besten Inhalte aus sämtlichen Mediatheken sammelt und empfiehlt. Einmal pro Woche erhalte ich einen Newsletter mit Filmen, die es etwa gerade in der arte-Mediathek gibt, und die ich sonst definitiv verpasst hätte. Eine super Sache.

Für mich als Beobachter ist irgendwie total klar, warum David das macht: Er liebt Filme, und ist begeistert von der Idee, andere mit dieser Begeisterung anzustecken. Viel mehr braucht es für mich nicht, um die Frage nach dem Warum zu beantworten.

Aber im eigenen Kopf dreht man eben ganz andere Schleifen und Runden, die einem aus der Beobachter-Perspektive verborgen bleiben. Unterwegs im eigenen Kopf sieht man zwar mehr, aber das alles zu ordnen und Sinn stiftend anzulegen, ist eine komplexe Aufgabe. Und man kann sich selbst ja nicht ununterbrochen nur aus der Beobachter-Perspektive wahrnehmen (obwohl ich das bei mir oft gerne täte) – dann entrinnt einem ja das Leben. Vielleicht bekomme ich das gerade, so ganz leise, zu spüren; wie ein kleines Rinnsal schlängelt sich dieses Gefühl seit unserem Gespräch in mir entlang.

Aber dann wiederum: Soll es eben. Soll es eben mal rinnen, eine Weile, so lange, wie ich diese große Warum-Frage noch ausreizen kann. Der eine, mich überzeugende Gedanke wird schon in irgendeiner Biegung hängen bleiben.

Modehaus Manuel

An der Ampel bei Modehaus Manuel, da passierte es, da trafen wir uns, nach all den Jahren liefen wir ineinander, ja, genau da. Ich wartete auf meinem Rad auf Grün, und du fuhrst ran und sahst mich zuerst, und dann hast du wohl dein großes Grinsen aufgesetzt und mir entgegen geschleudert. Und wie das so ist in solchen Momenten, zögert man kurz, ob es nun angemessen wäre, wirklich innezuhalten und ein Gespräch zu entfachen, oder ob jeder lieber auf seinen Schienen bleibt, sich grüßt und weitergeht, und die Begegnung im Keim erstickt; oft ist das beiden ja lieber. Aber hier war es nicht so, wir gaben unsere Schienen auf und hievten die Räder von der Straße und da stehen wir nun, zwischen uns fünf, sechs Jahre, in denen viel passiert ist, aber das Grinsen, das du da hast / das kenne ich noch / lass’ mich damit bitte in Ruhe / ich geh’ in Flammen auf

072020: I Don’t Know Anything, I’m Just a Rock in the Sky

Sunset on Tempelhofer Feld

The loud and bright November sun screaming through my windows doesn’t seem appropriate for what’s happening in the world right now. It’s 9am and I am sitting at my desk, trying to focus and get the day started. Around me, notes, post-its and scraps of paper are piling up. Lots of ideas and fun projects I want to tackle. It seems that this month, as we‘re all asked to stay at home as much as we can, could be the right time to do it! It seems.

This year though, I often feel like I’ve unlearned everything. How do you start a personal project? How do people write? How do you manage life without any sort of structure? Comparing all my freedom with what I actually do with it, I tend go get slightly disappointed in myself. I could do anything, really, but nothing feels good enough. All I spend my time with is solving Sudokus.

Not everything is bad though. I’ve been involved in some really interesting client projects, I’ve been on the phone with friends more frequently, and how nice is it to find joy in simple things like a sunny autumn walk these days?!

Re-reading a newsletter I sent to you exactly one year ago (“If you’re going through hell, keep going”) also eases my mind a bit: Maybe it’s just November that emits these weird vibes. I generally take ease in finding reasons that are out of my hands. Destiny! I’m pretty sure something is in some sort of retrograde or a weird sun or moon or whatever flying luminary out there is involved if things don’t go as planned. Whiny millennial voice: “Not everything is our fault!

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The climate catastrophe sure is though. I watched David Attenborough’s new Netflix documentary “A Life on Our Planet” and can recommend it (which usually isn’t the case with Netflix documentaries, I often find them gimmicky).

If you want to zone out from the world’s disasters for a short moment, the New York Times “Election Distractor” is the perfect site for you.

And, as I learned while reading last November’s issue again, looking at the past and finding the good and healthy stuff in it can also help to cope with things. I flipped through my Live Photos from this year’s summer and made a very short video from them. Watch it here.

This letter’s headline is from Miranda July’s 2011 movie “The Future”. I’m looking forward to seeing her new film “Kajillionaire” once cinemas are open again.

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If you have adequate tips to stay productive, or any reasons to avoid it and get carried away, please send them my way. My inbox is open for all sorts of diversions! Stay healthy, distracted, and be gentle with yourself and others.

(If you enjoy content like this: I send it out as a (irregular) monthly newsletter called Christel’s CornerSign up for it here.)

The Screenshots

© Frederike Wetzels

Ich bin mal wieder spät dran, aber nachdem ich etwa zwei Jahre nur nebensächlich daran interessiert war, dass meine komplette Twitter-Blase die Band The Screenshots bedingungslos abfeiert, bin ich jetzt, wenige Tage vor ihrem Album-Release, auf den Geschmack gekommen und – mildly said – HOOKED! Nicht nur wegen der absoluten Süßmäuse Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel, die die Musik machen, sondern auch einfach, weil ~das Gesamtpaket~ stimmt! Das Cover des neuen Albums »2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee« ziert das Maskottchen Glühbi, und auch sonst ist die Gestaltung und die Goodies, die man zur Vorbestellung bekommt, genau so wholesome wie die Musik (lieb gemeint).

Besser als all das ist aber die Morning Show, die die drei seit Mai moderieren. Sie trifft genau meinen Geschmack: Kurzweilig, ironisch und trotzdem nicht fies, mit knackigen Kategorien und Gästen wie Ilona Hartmann oder Ilgen Nur, und (natürlich!) einer Begleit-Playlist ist es dieses Jahr vermutlich mit eins der besten Dinge, die im Internet passieren.

In der heutigen Folge sprechen die Screenshots über ihr neues Musikvideo, das visuell inspiriert ist von – never forget! – Sofaplanet, und damit wäre wirklich alles Schöne und Gute in der Welt vereint. Wie kann man eine Band nicht lieben, die ganz harmlos über Snacks singt?!

✳︎ The Screenshots auf Spotify, Apple Music und Bandcamp
✳︎ Die Morning Show auf Spotify und Apple Podcasts
✳︎ Das neue Album kann man in ihrem Shop vorbestellen

 

062020: H is for Hawk

Image of a roof with a last ray of sun

We’re sitting in a small park somewhere in Berlin, when R. points to the sky: Look! The unusual bird lands on top of a street light, looking back at us. It’s a majestic animal, yet smaller than the usual crows we see around the city’s parking lots. In an unwary moment, as we look away, the sparrow hawk arrows right into the bushes behind us, and seconds later, we hear a sharp and short squeak. Then, the bird flies away over our heads, with a little mouse in its claws. We can see its tail squirming as the mouse is carried through the air on its last trip.

It was a weird moment. Bittersweet, like the beet root ice cream in my mouth. For a short second, all the people in the park were mesmerized; the guy on the lawn held his little chihuahua with both hands, in fear that the hawk’s claws would take it away. A very irrational fear, but still – understandable. Fear makes us do weird things.

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✳︎ In September I decided that my summer break had been long enough, and I started moving into a nice little office space to pursue my freelance career. I’m doing it at my pace, one step at a time. I’ve learned to say No to things, and being your own person really seems like a healthy concept to me? Thanks to myself for finally noticing!

✳︎ I jotted down a couple of vacation notes on my blog. I also wrote about an iconic IKEA clock and about the underwear in the tree outside my kitchen. I’ve been writing that weblog since 2006, and I still like the idea of having a room for myself on the internet — almost like my own little garden. Stop by if you wish.

✳︎ From now on, I contribute a little design column to the German form design magazine. Nina Sieverding and Anton Rahlwes are the new editors-in-chief, and I am really keen on their approach on topics, perspectives and the magazine’s design itself. Go get it!

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As quickly as the sparrow hawk took its prey, this year’s summer decided to take a leap and leave. My summer wasting was a success though; I had a lot of good outdoor pizza dinners, and I spent a vast amount of time speeding through the streets on my bike. I accept that the COVID anxiety behaves like a curve, too. Sometimes it’s high, sometimes it’s low. New Normal, etc etc. I hope you’re still coping somewhat well.