In einem Traum, im Halbschlaf, suche ich in iTunes die Funktion, ein Album an eine andere Person zu verschenken. Ich erinnere mich an den ersten Song, den ich damals dort gekauft habe: Natasha Bedingfield, These Words. Sie singt darin über das Schreiben; die Zeile »Nothing I Write Is Ever Good Enough« hallt nach. Der iTunes Store war für mich damals, mit 12 oder 13, wirklich ein magischer Ort. Plötzlich musste man nicht mehr durch die unangenehm erleuchteten Gänge von Media Markt stromern und nach CDs suchen, sondern konnte einzelne Songs direkt laden und auf den iPod übertragen. Den iPod! Im Schulbus würde ich dann am Fenster sitzen, das kleine Gerät aus der extra dafür genähten iPod-Socke schieben und mir die leuchtend weißen Kopfhörer in die Ohren stecken, und hören: »These Words are my own / From my heart flow / I love you I love you I love you«.
Ich bin mal wieder spät dran, aber nachdem ich etwa zwei Jahre nur nebensächlich daran interessiert war, dass meine komplette Twitter-Blase die Band The Screenshots bedingungslos abfeiert, bin ich jetzt, wenige Tage vor ihrem Album-Release, auf den Geschmack gekommen und – mildly said – HOOKED! Nicht nur wegen der absoluten Süßmäuse Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel, die die Musik machen, sondern auch einfach, weil ~das Gesamtpaket~ stimmt! Das Cover des neuen Albums »2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee« ziert das Maskottchen Glühbi, und auch sonst ist die Gestaltung und die Goodies, die man zur Vorbestellung bekommt, genau so wholesome wie die Musik (lieb gemeint).
Besser als all das ist aber die Morning Show, die die drei seit Mai moderieren. Sie trifft genau meinen Geschmack: Kurzweilig, ironisch und trotzdem nicht fies, mit knackigen Kategorien und Gästen wie Ilona Hartmann oder Ilgen Nur, und (natürlich!) einer Begleit-Playlist ist es dieses Jahr vermutlich mit eins der besten Dinge, die im Internet passieren.
In der heutigen Folge sprechen die Screenshots über ihr neues Musikvideo, das visuell inspiriert ist von – never forget! – Sofaplanet, und damit wäre wirklich alles Schöne und Gute in der Welt vereint. Wie kann man eine Band nicht lieben, die ganz harmlos über Snacks singt?!
Wer am wattierten Grundrauschen von Leif Randts Allegro Pastell Gefallen gefunden hat, fühlt sich sicher auch in der Musik von Okay Kaya wohl. Ganz im Stile der Radical Softness ist es mir lyrisch zwar manchmal fast ein wenig zu graphic, aber wenn dann sie dann die Zeile »Sex with me is mediocre / But I can give you asexual wellbeing« singt, wippe ich schon gerne mit – soweit das bei dieser radikalen Weichheit eben funktioniert. Die Wiener Zeitung hat’s schöner zusammengefasst:
Im Vergleich zu den Texten wirkt die Musik hingegen vorsichtig, fast behutsam und so, als habe man sich um Understatement bemüht. In „Mother Nature’s Bitch“ kommt ein Hauch von Extravaganz auf, ansonsten mäandert Wilkins zwischen Folk, Indie-Pop, ein bisschen konzertantem Pathos und Elektronik mit viel Retro-Chic, um ihre zwischen nordischer Elfe und Lana del Rey schwingende Stimme erzählen und – je nach Stimmungslage – betören oder befremden zu lassen.
Und deswegen kommt hier auch direkt noch der Hit, mit dem ich momentan gerne meinen Tag unter einer erst warmen und dann schön erfrischend kalten Dusche beginne:
Während ich es früher oft verwerflich fand, aktuellen kulturellen Trends zu folgen, habe ich letzter Zeit einen gewissen Gefallen daran gefunden. Deshalb habe ich beschlossen, mehr zeitgenössische Beststeller zu lesen, um mich schnell in Debatten zu neuer Literatur einbringen zu können. Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass man nur das konsumieren sollte, was einem inhaltlich Freude bereitet – aber die Freude am Bescheid wissen und Mitreden ist nicht zu unterschätzen.
Das neue Buch von Leif Randt, Allegro Pastell, ist eins der Bücher, die meine sozialen Netzwerke in letzter Zeit sehr oft in ihre Instagram Stories gepostet haben. Der Konsens war immer: Tolles Buch, aber sehr schmerzhaft zu lesen, denn es träfe uns Berliner Hipster wirklich mitten ins Gesicht; es sei, als würden wir enttarnt in unserem etwas zu sorglosen, etwas zu konformen Lebensstil.
Tatsächlich wurden ich und mein Lifestyle sehr oft zum Gegenstand, den Leif Randt etwas zu genau und präzise beschreibt. Berliner um die 30, Webdesigner oder Autorin, reflektiert und vorsichtig, hin wieder sagt jemand »Blockchain« oder verschickt Sprachnachrichten. Die Berliner Schauplätze des Romans kenne ich alle sehr gut, obwohl ich selten ausgehe (sogar den Döner-Imbiss auf der Potsdamer Straße, der eigentlich keine sehr bekannte oder nennenswerte Adresse ist). Das zeugt davon, dass ich wirklich dem hundertprozentigen Klischee entspreche, das jemand über das aktuelle Gentrifikationsklientel der Stadt aufstellen könnte.
Ich fand den Roman aber nicht schmerzhaft, sondern wirklich einfach sehr präzise und unterhaltsam. Randt schreibt Utopien, die vielleicht nicht inhaltlich, aber sprachlich entspannend sind, weil sie so eine Ruhe und Sorglosigkeit ausstrahlen. Alles wird analysiert, aber die Analyse führt nie zu Panik, sondern immer zu Zufriedenheit. Das habe ich schon bei Schimmernder Dunst über CobeyCounty geliebt. Und die Utopie des Normalen ist vielleicht auch in einer Pandemie kein ganz schlechter Lesestoff.
You know it from the first MacBook you bought, or from your school library’s computers, or from the backdrop of a film you recently watched. The Flurry screensaver, shipped with every Mac since 2002, has become an acquainted digital surface in movies, offices and homes.
But screensavers are a thing from the past: We all remember the infamous flying toasters, the virtual fish tanks and mesmerizing labyrinths that covered our grey CRT monitors when our dads entered the room. Flurry was different: it moved away from trashy aesthetics and added a soothing, ambient quality to computer screens. And since its release, it hasn’t changed: A variety of light streams gently move around the black screen, spreading colored particles at different speeds and magnitudes.
Flurry was created by software developer Calum Robinson as a side project in 2002. Briefly after he published it online (you can still find it on Github!), Apple contacted him to include it in their new operating system, Mac OS X “Jaguar”. It complemented the eccentric Aqua interface with a dark and subtle appearance, still colorful enough to catch your eye.
Screensavers were made to protect CRT monitors from phosphor burn-in. If the phosphors glowed at a constant rate for too long, they left traces on the monitor’s glass surface. But we’ve moved away from that technology years ago. Today, it makes much more sense to simply switch off your display. No one would download and install a screensaver anymore, not even for fun. But Flurry is still there, moving its tentacles around empty offices, libraries, accidentally being activated through your Mac’s hot corners.
For me, Flurry is also a steady component of the creative work space. When Macs were not ubiquitous, but mainly a tool for the creative industry, a creator’s desk was immediately recognized by the light-stream covered monitor. Of course, Apple computers also had their outstanding Y2K hardware design back then, but Flurry was that one recognizable software component that said: This desk is a creator’s desk. They might be on a break right now, but they’re still around. Just like Flurry is today.
Milky Chance haben mit den Stay Home Sessions vier ihrer Titel von zu Hause aus neu aufgenommen, und dieser hier ist der Schönste von allen. Die Stay Home Sessions gibt’s auf Spotify und Apple Music.
Gerade bleiben wir alle zu Hause, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Lisa und Kevin (Clickclickdecker!) und das Kollektiv Barner 16 haben die Musik (YouTube-Video) dazu gemacht, und jeden Abend holt mich dieser Track kurz und schön aus meinem täglichen Meltdown. Danke dafür.