Seeing A Therapist

Left: Me from my therapist’s viewport, right before he takes place in his seat behind my head.
Right: My point of view, lying at the therapist’s day bed, talking (or, sometimes, silencing).

Left: Me from my therapist’s viewport, right before he takes place in his seat behind my head.
Right: My point of view, lying at the therapist’s day bed, talking (or, sometimes, silencing).
Auf dem Rad vor mir fährt eine Frau mittleren Alters. Aus ihrem Fahrradkorb ragt, verstaut in eine große dunkle Tasche, der Griff eines – nun ja, Teppichklopfers? Verzwirbeltes, lackiertes Holz, das mich erst denken ließ, es handelte sich vielleicht um einen Badminton-Schläger (was die naheliegendere Option gewesen wäre). Aber der Griff war eben zu schnörkelig für ein Sportgerät, also musste es sich um einen Teppichklopfer handeln.
Ich erinnere mich an den Teppichklopfer meiner Großmutter, die ihn in ihrem Münchner Wohngebiet nutzte, um die großen Hochflorteppiche draußen zu säubern. Dazu wurden sie zusammengerollt, zusammen mit dem Großvater in den Gemeinschaftsgarten (der eher eine vertrocknete Wiese mit kaputten Plastikstühlen war) gebracht und auf große Metallstangen gehängt, die extra dafür installiert worden waren. Generell waren die Wiesen Nutzgärten nicht im landwirtschaftlichen, sondern im hauswirtschaftlichen Sinn: Zwischen den Häuserblocks verteilten sich Wäschespinnen, Teppichgestänge und vereinzelte Sitzgarnituren, auf denen Großeltern sitzen und ihren Enkelkindern beim Spielen im Rasen zusehen konnten.
Aber sowas gibt es in Berlin nicht. Zumindest nicht direkt in der Stadt. Hier haben die Hinterhöfe maximal verbogene Fahrradständer oder Mülltonnenhäuser; in den seltensten Fällen kleine Remisen, die von Studenten behaust werden, aber keine Teppich-Ausklopf-Vorichtungen. Ich weiß also nicht so recht, was die Frau auf dem Rad mit ihrem Teppichklopfer vorhatte. Vielleicht war sie Erzieherin in einem illegalen Kinderhort, der noch körperliche Gewalt als Erziehungsmaßnahme anwandte? Dann wäre meine Beobachtung womöglich unterlassene Hilfeleistung gewesen?! Oder sie hat ihn einfach auf eBay Kleinanzeigen gekauft und hängt ihn sich nun, wie erfolgreiche Tennisspieler ihre Schläger, über den Türrahmen? Als Erinnerung an ihre Zeit als erfolgreiche Teppichklopferin. Wissen werden wir es nicht; sie bog dann auf dem Mehringdamm links ab. Hoffen wir einfach, dass sie in keiner Einrichtung mit fragwürdigen Erziehungsmethoden arbeitet.

“Drawing is simply another way of seeing, which we don’t really do as adults.” — Chris Ware (Source)
Früher war es eine Unart, von Fotos abzuzeichnen. Das Gefühl für Räumlichkeit ginge dabei verloren, so waren sich die Zeichenbücher einig – und sie lagen sicher auch richtig. Heute kann ich mich über diese Regel aber hinwegsetzen (auch, weil es manchmal einfach nicht geht, vor Ort zu zeichnen). Vor Joan Mirós Studio auf Mallorca kann man allerdings wunderbar sitzen, mit dem Meer im Rücken, und sein merkwürdig entworfenes Studio abzeichnen. Erst dadurch bekommt man einen Sinn für seine Ecken, Kanten, räumlichen Ideen.

Die Geste der ultimativen Herrschaft über sich selbst: Die Befreiung vom Rhythmus des Tages. Meist abends, nach dem Fallen aufs Sofa, oder vor dem Händewaschen nach einem langen Arbeitstag. Die Uhr gleitet nach wenigen mechanischen Handgriffen vom Gelenk: Das Ziehen des Bandes aus der Lasche, das Herauslösen des Verschluss-Keils, das Abziehen und Abrollen der Uhr von den Knöcheln – das Metall des Batteriefachs, dessen Kälte man tagsüber nicht spürt. Der Vorgang gleicht der Befreiung aus Handschellen, und hält man die Uhr dann zwischen den Fingern, zusammengefaltet und schwer, wird sie wieder zum Objekt, losgelöst vom Zerren der Zeit.
Nach drei Wochen schreiben wir uns mal wieder, und verabreden uns spontan auf eine Limo im Park / Das Wetter ist schön und wir wandern den Berg hoch; zur Aussichtsplattform / In meiner Orangina haben sich zwei Wespen verfangen / Ich trage sie unbeholfen neben mir her, weil die Flasche noch halb voll ist und ich sie nicht wegkippen will / Wir unterhalten uns über unsere Studienabschlüsse und später, als wir auf dem Bett sitzen, tauschen wir Dating-Geschichten aus / Im Hintergrund beginnt eine Playlist zu spielen, und als der Bildschirm des Handys kurz aufblitzt sehe ich ihren Titel: I Want You / So ist es auch / I want you, alles an dir, jetzt, obwohl es mitten am Nachmittag ist / Sex am helllichten Tag ist komisch, es hat etwas von Arbeit und Pflicht; vermutlich, weil ich so lange im Leben nichts anderes als Arbeit im Kopf hatte / Arbeit, dafür waren die Tage da / Alles andere passierte abends, nachts, wenn es dunkel war, wenn man es nicht so gut sehen konnte und für eine etwaige Rekonstruktion die Teile nicht hell genug erleuchtet waren / Aber hier, jetzt gerade, während I Want You im Shuffle-Modus läuft, ist alles ziemlich gut erleuchtet, und ich habe überhaupt nichts gegen die Möglichkeit einer Rekonstruktion /
Every once in a while I feel insanely insecure about my creative work and my output. I start comparing myself to others, and eventually, I get totally numb and stop making things at all. Which is bad. That’s why a while ago, I jotted down an instagram post to remind myself of my worries, and how to handle them. Sometimes, you just need a little mantra, a spell, a little routine to get back on track.
To get this thing off instagram, I published it on a little website. Check it out and share it with your friends. ✨

Wandert man von Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm (ein tristes, trübes Rinnsal) zu dem von ihm errichteten »Stein des guten Glücks«, kommt man an diesem Baum vorbei. Horizontal wächst ihm ein dicker Ast heraus; nur einen Meter über der Wiese schwebt er. Er erinnert mich an den Sommer vor einigen Jahren, als wir die Stadt besuchten: B. hatte ihr Sommerkleid an; ein weißes, leichtes, stoffreiches Kleid, und wir ließen uns dort nieder. Sie lag auf dem Baum wie auf einer Matratze; gleichzeitig wie ein Kind und wie ein Engel. Es war alles sehr surreal, und fühlte es sich auch ein bisschen so an, als spielten wir einen dieser Filme nach; Die Träumer; Was nützt die Liebe in Gedanken; Bande à part; in denen verträumte junge Frauen eben im Sommer auf Bäumen liegen.