Seit Ines gestern einen kurzen Ausschnitt davon auf Instagram gepostet hat, geht mir das neue Musikvideo von Yung Lean und GENER8ION zum Doppeltrack Storm I und Storm II nicht mehr aus dem Kopf. Regisseur Romain Gavras erzählt in über sieben Minuten die Aggression und Einsamkeit eines Bullys in einem britischen Internat, irgendwo in der nahen Zukunft.
Mit einigen Jahren Abstand zu meiner eigenen Schulzeit habe ich eine merkwürdige Sympathie für Bullys entwickelt. Eine Art Mitleid, vielleicht, oder zumindest eine Neugierde, was in ihnen vorgeht. Die Choreografie von Damien Jalet übersetzt das so bewegend, dass es fast weh tut – besonders ab Minute 4:20.
Helga Feddersen (ja, die Wanne ist voll), erzählt über ihren Anfang als Fernsehautorin, und über das Schreiben:
Morgens am Frühstückstisch, wenn ich so dachte: »Jetzt könnt’ Götz doch eigentlich so ’ne kleine Bemerkung machen, »wie lieb du ausschaust«, oder »wie lieb du bist«. Dann ließ er mich immer erzählen und sagte: »Du sprichst so anschaulich. Du könntest sicher Dialoge schreiben. Schreib doch mal ’n Fernsehspiel!« Und das fand ich so grässlich, dass ich da mit dem liebevollen Herzen nichts weiter zu hören kriege als »Schreib doch mal ’n Stück«. Und eigentlich nur um Ruhe zu haben, hab ich gesagt: »Du scheiß Intellektueller, jetzt donner ich dir ’n Stück hin, denn hab ich Ruhe!«
Und dann saß ich da vor den leeren Seiten und wusste eigentlich gar nichts. Dann hab’ ich gesagt: »Ach Götz, sag doch mal, wie fängt man das denn an?« »Ja«, sagt er, »mit Seite Eins fängt immer alles an.«
Dass sie als öffentliche Person immer die Ulknudel war, immer nur witzig und klamaukig, und hinter der Kamera doch so bedacht und sorgsam und präzise, davon erzählt die NDR Doku HELGA – Die zwei Gesichter der Feddersen. Ich hatte sie bisher tatsächlich so gar nicht auf dem Schirm; natürlich, den Song mit der Wanne, den kannte ich, aber sonst? Der Dokufilm zeigt schöne, bedachte und melancholische Perspektiven aus ihrem Leben, und hat mich sehr abgeholt. Noch bis 2024 in der ARD Mediathek.
Jedes Mal, wenn ich eine der vielen Coming-of-Age Serien auf Netflix fertig schaue, denke ich mir: »So, jetzt bin ich aber durch mit dem Thema. Ich bin raus aus dem Alter!« Und trotzdem hat mich natürlich die Serie Heartstopper, die im April veröffentlicht und extrem positiv rezensiert wurde, gekriegt. Basierend auf Alice Osemans Comics erzählt sie eine klassische High-School-Lovestory, aber aus queerer Perspektive: Charlie verliebt sich in den Rugby-Stud Nick, und im Laufe der Serie merkt der – neben vielen anderen schönen Handlungssträngen – dass er vermutlich nicht nur Mädchen gut findet.
Die Serie ist so warm und wholesome, dass ich sie mir immer wieder ansehen kann. Beim neulichen Rewatch blieb ich erneut an der Coming-Out-Szene von Nick in der letzten Folge hängen. Während die anderen sieben Folgen einfach puren Wohl- und Mitfühl-Faktor haben, verdrückt man bei der Szene dann doch die ein oder andere Träne, besonders bei der Reaktion der Mutter (gespielt von Olivia Coleman): »Thank you for telling me! I’m sorry if I ever made you feel like you couldn’t tell me that.« Sie ist ein hervorragendes Beispiel, wie Eltern auf das Coming-Out ihrer Kinder reagieren können. Ich kenne mehrere bisexuelle Männer, die sich einfach nicht outen, weil Hetero-Beziehungen eben die gesellschaftlich akzeptierteren sind. Die Angst davor, in eine Ecke gedrängt und nicht ernst genommen zu werden, überwiegt.
Ich frage mich manchmal, wie es ist, heute als queerer Teenager in die Schule zu gehen: In einem Umfeld, in dem alle Zugriff auf Serien wie Heartstopper haben, in dem es viele geoutete Prominente gibt – ist da alles einfacher? Oder gibt es eben immer noch die Nerds, die Queers, die Studs, und Sexualität funktioniert nach wie vor nur in konservativen Modellen? Ich hoffe einfach, es ist nicht so, und dass positive Erzählungen wie Heartstopper es queeren Jugendlichen heute etwas einfacher machen.
Das Format der Handtaschen-Obduktion prominenter Menschen ist altbekannt und oft auch sehr ermüdend, denn meistens kramen sie alle nur ein paar Schminkutensilien, Ladekabel und Lutschpastillen aus ihren Leder-Etuis. Um so erfrischender ist Anke Engelkes Tascheninhalt, den sie für die VOGUE seziert: Spitzkohl, Datteln, Postkarten und Kartenspiele – diese Frau trägt einen kompletten Hausrat mit sich herum. Sämtliche Tascheninhalte in eigene kleine Extrataschen zu packen habe ich mir auch vor einiger Zeit angewöhnt. Und die Idee mit den Datteln werde ich exakt so auch übernehmen. Und das mit den Postkarten auch. Und eine Thermoskanne könnte ich mir auch mal zulegen … Ach und sowieso, ich glaube, es würde der Welt gut tun, wenn wir alle ein bisschen mehr wie Anke Engelke wären.
Wer bisher noch nicht in wohlig-warmer Weihnachtsstimmung ist, dem sollte spätestens mit diesem Video geholfen sein: Im Portrait von House & Garden UK zeigen die Künstler und Designer Luke Edward Hall und Duncan Campbell ihr englisches Cottage, das sie ganz nach dem Motto More is More eingerichtet und inszeniert haben. Nicht nur die tollen Wandfarben, die unfassbare Menge an Möbeln, die vielen kleinen witzigen Objekte und der Baumschmuck haben es mir angetan; vor allem Luke Edward Halls Kleidung ist mein absolutes Fashion Goal für 2022 and beyond. Es lohnt sich auch, durch seine Website und seinen Instagram Kanal zu scrollen. Viel Vergnügen!
Menschen beim Musik machen zusehen ist ja immer eine Freude – und wenn die Leute dann auch noch so gedankenversunken und gut aussehen wie die vier Herren der kalifornischen Band WHY?, lohnt es doppelt und dreifach, sich meinen seit Wochen festsitzenden Dauerohrwurm Easy in der Buzzsession-Variante zu Gemüte zu führen.
Eigentlich müsste man über WHY mal einen längeren, lobhudelnden Beitrag schreiben – wie ich mit Moni und meinen großen Kopfhörern 2008 auf dem Sportplatz lag, wir These Few Presidents hörten und ich mit den immer-schwurbeligen Lyrics nichts anfangen konnte, bis Moni mutmaßte, dass es sich bei den few presidents vermutlich um ein paar Geldscheine handelte, und wie mir Liedzeilen wie You’re a beautiful and violent work / With the skinny neck of a Chinese bird / In a fading ancient painting so nur noch mehr Freude und Poesie bereitet haben. Sollte man mal. Oder einfach die Alben genießen: Auf Apple Music oder Spotify.