Erinnerungen

Januar-Liste 2024

Collage Januar 2024

  • Ich starte das Jahr viel zu früh mit der Arbeit. Kein guter Vorsatz, aber es ist auch schön, in der ersten Woche die Aufgaben ein bisschen herumplätschern zu lassen. Alles ist noch ganz langsam.
  • Ich strenge mich an, jeden Tag zu lesen, zu meditieren und zu schreiben. Schon an Tag vier sind die Aktivitäten weit Richtung Tagesende gerückt. Aber ich halte durch. Es tut mir gut. Konzentration ist sexy.
  • Ich treffe Gabby im Haus am See. Sie sagt, dass sie seit langer Zeit mal wieder das Gefühl hätte, dass die Menschen hoffnungsvoll seien. Ich will dieses Gefühl auch, und halte danach Ausschau.
  • Austin Kleon beantwortet die Frage »How do you deal with uncertainty when exploring something new?« auf Instagram mit ein paar Zitaten und der einfachen Folgerung: »Uncertainty is necessary.«
  • Im Fitnessstudio frage ich mich: Was schreiben die hotten Typen in ihre kleinen Notizbüchlein, zwischen den Übungen? Konzentriert starren sie hinein, in Denkerpose, und ich stelle mir vor, wie sie da sitzen und kleine Haikus schreiben.
  • Die Straßen sind aalglatt, man kann durch Kreuzberg schlittern. Vor dem Späti sitzt ein Mann, der aussieht wie ein Yeti.
  • Ich treffe Jan im Keyser Soze, wir reden viel über die Arbeit, auch, weil wir beide viel und gerne arbeiten. Er sagt: Mut habe ihn immer weitergebracht; Risiko habe sich immer gelohnt für ihn. Bei der Arbeit, und im Privaten. Das macht Mut, finde ich.
  • Morgens im Café bestelle ich zwei Schoko Croissants zum Mitnehmen. Das Café ist riesig und leer; ungewohnt für Berlin. Die Frau am Tresen lächelt und bietet mir eine kostenlose Gurke an. Nehme ich natürlich gerne!
  • Vier Wochen verbringe ich zwischen Januar und Februar auf Gran Canaria. Die größte Verlockung überhaupt: Sonne! Aber auch das Remote Arbeiten funktioniert gut. Der Modus, sich tagsüber zu konzentrieren und dann Urlaub in kleinen Dosierungen zu machen, passt gut zu mir.
  • Vor allem aber: Es gibt hier keine Fomo, Fear of Missing Out. Ich bin einfach weg. Ich muss nirgendwo sein. Es ist großartig.
  • Ich sitze im Taxi und schaue aus dem Fenster; ein Angestellter der Straßenreinigung kehrt den Gehweg mit einem riesigen Palmenblatt.
  • »Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer verbleiben zu mögen.« — Blaise Pascal

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Schwimmen

Photo of the Atlantic ocean

Ich lege meine Sandalen an den Rand des Beckens und halte meine nackten Füße ins Wasser. Es ist kein normaler Pool, sondern ein »Piscina Naturale« – nur eine dünne, rustikale Steinwand trennt das Becken vom Atlantik, der regelmäßig seine schäumenden Wellen herüber spült. Die Sonne scheint heiß auf meine Haut, aber das Wasser ist angenehm frisch. Ohne lange zu zögern schiebe ich meinen Körper hinein.

In Stellas Protokollen habe ich neulich diese kurze Dokumentation über drei Frauen entdeckt, die während der Pandemie mit dem Schwimmen begonnen haben. Sie kannten sich vorher nicht, aber das gemeinsame Hobby, das irgendwann zur Notwenigkeit wurde, brachte sie zusammen. Dann, als sich der Sommer in den Herbst, und dann in den Winter verwandelte, konnten sie nicht mehr aufhören. Sie badeten im Eis, und sahen so glücklich aus.

Und Nina hat mir vor einer Weile ein Buch geschickt: Bahnen ziehen, von Leanne Shapton. Die Autorin erzählt von ihrer Karriere als Schwimmerin; von den anstrengenden Trainingstagen im Winter, den Pools und dem Wettbewerb.

Ich liebe auch Florians About-Text auf seiner Website. Florian ist Journalist und reist dafür um die Welt, und er schreibt: »Ich gehe da, wo ich bin, gern schwimmen, ob in der beißend kalten Irischen See oder der Newa in St. Petersburg.« Die Orte über das Wasser erfahren, das scheint mir eine gute Idee zu sein, zumindest aber ein Eindruck, der bleibt, weil es immer so eine körperliche Erfahrung ist. Eine hohe Barriere, die man in sehr kurzer Zeit überwinden kann; vom Trockenen ins Nasse.

Ich kann gar nicht richtig schwimmen. Ich kann Brustschwimmen, ja, aber weiter geht es nicht. Tauchen geht auch nicht, weil ich ohne Brille meine Koordination verliere, und sie deshalb meist auch im Wasser trage. Ich muss ziemlich verklemmt aussehen, wie ich da im Ozeanbecken umher schwimme, den Kopf immer über Wasser. Aber es ist egal. Ich sehe die anderen nicht, die Sonne ist zu grell, und das Wasser zu kühl. Ich bewege mich einfach nur, wie schwerelos.

Das Naturschwimmbecken ist perfekt für mich. Es ist ruhig, trotz der vielen Leute, und gleichzeitig wild, durch die hohen Wellen hinter der Mauer. Ich nehme mir vor, doch nochmal richtig schwimmen zu lernen. Kraulen. Richtig schnell. Mit einer ordentlichen Schwimmbrille, oder Kontaktlisten. Und dann komme ich hierhin zurück.

My first Mac

The Mac turns 40! And as Marcel and other people on Mastodon are sharing their first Macs, I’m going to do that too. It really was a turning point for me.

I remember lurking around the iPod at Hertie (a big shopping center in Munich). Back in 2004, it wasn’t common in Germany to find Apple products in regular stores. I was thirteen years old, and started to get interested in design and tech, and as Marcel writes, there seemed no way around Apple products.

I got an iPod, but a Mac was still too expensive. Eventually, I got the chance to buy a second-hand PowerMac G3 from a family friend. It was my first Mac! It ran MacOS 8 and had all Adobe products installed.

Old snapshot of a blue PowerMac G3

But I wasn’t interested in Mac OS 8. I wanted Mac OS X! Panther! So I bought and installed it; it was slow and not really usable, but I loved it. Just like I loved the machine—the blue translucent plastic, the handles, the hatch to access the motherboard. Despite its slowness, it was so much fun to use iPhoto and iMovie and the likes on it.

My “real” first Mac was the first white Intel MacBook. It ran MacOS X Tiger, and I had so much trouble with it. It was broken constantly, I needed to have the motherboard replaced twice, and there were still hardly any Mac sellers in my area back then. It didn’t bother me. It made school so much more fun; using Keynote and iLife and making little websites on it. I was such a weirdo running around with this alienating piece of tech.

Old snapshot of my MacBook from 2006

I also still really love the plastic cases of the mid-2000s Macs; they feel less precious and were nice to touch and use. I wish my current MacBook Air was built like that.

Anyway. Every once in a while, I get to use a Windows PC and I am still fascinated how different it is, how much wonkier it feels, and how odd the interfaces are. Mac OS Aqua really was the key reason to get a Mac for me—I was drawn to the glossy, whimsical interfaces and the product’s form factor. I still am.

As I got older and Macs just turned into a tool I needed for my work (and life, I guess), I started buying old Apple stuff on eBay, just to fulfill some teenage dreams. I don’t hoard Apple hardware excessively, but I keep some things around that I just love and cannot get rid of. One example is the 2003 Apple Cinema display with its acrylic case. The product design, inspired by a painter’s easel, just keeps delighting me. It’s not usable anymore with my M1 MacBook Air, but I loved writing my Master’s thesis on it in 2018.

Old snapshot of my acrylic Apple Cinema Display from 2003

My current setup, besides the MacBook Air, is a 2019 iMac with a huge 27″ inch retina screen. It’s great to use, but as it stands on my desk, taking up all that space, it lacks joy, at times.

Dezember-Liste 2023

Collage mit Fotos aus dem Dezember 2023

  • Irgendwo bin ich im Internet falsch abgebogen. Meine Instagram Empfehlungen bestehen ausschließlich aus Hexen-Content (»Hier sind meine fünf Tipps für magische Rituale bei Vollmond«) und Werbung für unangenehme Event-Gastronomie (Gnocchi mit Steak, dazu live vor den Gästen angezündeter Schokokuchen).
  • Wir kaufen Käse beim italienischen Deli am Kottbusser Tor. Andrea bemerkt: »Seltsam, dass Deutsche immer total anders werden wenn sie so ein Geschäft betreten. Viel freundlicher. Sie lächeln!« In einer deutschen Metzgerei würde das nicht passieren. Vielleicht, weil Italien für Deutsche immer Genuss und Urlaub bedeutet – etwas, was sie sich sonst selten erlauben.
  • Telefonat mit Bastian. Wir sprechen über den Habitus gut gekleideter Art Direktoren und ich sage, dass ich auch gerne so wäre. »Dein Vibe ist kreativ und ein bisschen intellektuell, aber du hast schon auch eine Peter-Lustig-Qualität.«
  • Nach wochenlangem Aufschieben nehme ich mir vor, die Leuchten in der Wohnung endlich anzuschrauben. Ich hasse bohren; es klappt nie und ist laut und schmutzig. Aber ich zeichne alles an, lege alles bereit. Und nach dem ersten halben Loch gebe ich auf: Die Wand ist zu hart, ich bin zu zart.
  • Gleich ist der Dezember vorbei. Das Jahr ist nur so durchgerauscht. Was ist überhaupt passiert?! Mich überkommt das Gefühl, kaum etwas erreicht zu haben, das mich stolz und zufrieden macht. Stimmt natürlich nicht. Aber ich nehme mir für 2024 vor, gezielter, geplanter und strategischer vorzugehen, und male einen Jahresplan in mein Notizbuch.
  • Wenn ich das Jahr nämlich nicht durchplane, macht es jemand anders für mich, und am Ende werden alle Monate von Arbeit oder unliebsamen Ereignissen aufgefressen; und darauf habe ich wirklich keine Lust!
  • Mehr gibt das Tagebuch nicht her. Kaum Notizen diesen Monat. Ist aber auch okay; der Dezember bestand nur aus To-Do-Listen mit Dingen, die irgendwie einfach erledigt werden mussten. Ich habe jeden Tag zum Mach-deine-Scheiße-Tag erklärt, und irgendwann bin ich davon müde ins Bett gefallen, und das hat gut getan.

Ab 2024 könnt ihr diese Liste auch als Newsletter abonnieren: Fakten und Mirakel heißt die Publikation. Tragt euch ein (es gibt 100 Plätze), und die Monatsliste landet immer zum Monatsende in eurem Postfach. Es gibt sie aber weiterhin im Blog, und Auszüge daraus gelegentlich auch auf Instagram. Schön, dass ihr mitlest!

Twister

Ich und Nadine beim Twister spielen

2022. Nadine und ich spielen Twister.

Mai-Liste 2023

Kollage mit Fotos aus dem Mai

  • Im Mai: Viel Müßiggang. Fast kommt in meiner freien Woche so etwas wie Langeweile auf; an so einem Punkt war ich lange nicht mehr, und ich genieße es sehr.
  • Im Mai gelernt: Ein schreiendes Kind in einem vollen Museum im Arm haben ist nicht so stressig, wie ich es mir vorgestellt habe. In der Situation ist man so mit dem Kind beschäftigt, dass einen die Menschen herzlich wenig interessieren.
  • Deutschlandticket: Mega!
  • Ich nehme mir vor, shoppen zu gehen. Aber alles kostet 200 Euro und sieht spießig aus. Sieht es wirklich spießig aus, oder bin ich einfach nur geizig? Ich weiß jedenfalls nicht, warum die Münchner so fasziniert sind von teuren, mit Strass besetzten Turnschuhen.
  • Alle paar Jahre besuche ich die Pinakothek der Moderne in München. Sie ist ein besonderer Ort für mich; ich erinnere mich, wie mich meine Eltern als Kind dorthin mitgenommen haben, und ich zum ersten Mal mein Interesse für Design und Objekte entdeckt habe. Das hallt immer noch nach in diesen Räumen.
  • Endlich viel viel viel Terrasse!
  • Ich laufe durch die neue Wohnung von E. An jeder Wand, an der wir vorbei kommen, hängt eine Kunst oder ein Bild oder eine Skulptur, zu der sie eine Geschichte hat, und ich denke: So sind wir jetzt. So wäre ich jedenfalls gerne.
  • Der Hund ist mir im Park ausgebüxt. Es war aber auch naiv von mir, sie loszulassen; ich spreche kein Italienisch und sie versteht kein Wort, wenn ich mit ihr rede. Ich musste eine ältere Dame und ihren Hund bitten, sie mit mir einzufangen. Danach kaufte ich eine Schleppleine (gefällt dem Hund überhaupt nicht).
  • Schon wieder stehe ich mit Anfang 30 an einer entscheidenden Weggabelung: Tonsur als Trendfrisur, oder Minoxidil?
  • Ich baue ein Regal auf, und obwohl es wirklich einfach geht, merke ich es: Ich bin schwach. Ein richtiger Schwächling! Meine kleinen Ärmchen drücken auf lächerliche Art und Weise die Regalböden ineinander, und nach einer Stunde sinke ich müde über dem Sideboard zusammen. Kurz darauf reaktiviere ich meine Fitnessstudio-Mitgliedschaft. Was ist nur aus meinem Plan geworden?!
  • Spaziergang mit P. Wir sind frustriert über unsere kreative Arbeit. Alle paar Wochen müssen wir uns deshalb gegenseitig einen kleinen Pep-Talk geben: »Du machst genug, du bist kreativ, das einzige woran du arbeiten musst sind deine Erwartungen an dich selbst.« Es hilft, für einen kurzen Moment jedenfalls.
  • Ordnung macht mich glücklich; Arbeit und Struktur.
  • Mittags in Mitte: Ich ertrage diese ganzen schönen Menschen mit ihren 500-Euro-Pullovern und knöchelfreien Hosen und perfekten Frisuren einfach nicht mehr. Ich wollte jahrelang auch so sein, und mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht: It ain’t me.
  • Ich fahre durch die Stadt, die Friedrichstraße hinunter. Überall leere Büros. Interessant, der Stadt so dabei zuzusehen, wie sie sich selbst abschafft.

April-Liste 2023

Foto-Kollage vom April 2023

  • Ich wäre gerne jemand, der Sonntags brunchen geht und sich diese riesigen Teller voll mit Eggs Benedict und herzhaftem Brioche und Salat und riesigen Milchkaffees bestellt. Bin ich aber einfach nicht. Zu viel Genuss!
  • In einem Biergarten frage ich nach einem alkoholfreien Getränk. »Have you tried our Hop Water?! It’s hop extract with Seltzer!« Ich probiere es, schmeckt fürchterlich, und aus Höflichkeit bestelle ich natürlich ein ganzes Glas davon.
  • Über Ostern verbringen wir ein paar Tage an der Ostsee, um dem Hund das Meer zu zeigen. Das Meer interessiert sie überhaupt nicht, aber Sand. Sand! Wie sehr kann man Sand lieben?! Der Hund dreht komplett durch, und die Wonne strahlt auf uns ab.
  • Ich frage mich, warum, aber ich liebe Hotels. Die Sterilität, die Fassade, dieses Bestreben nach Hospitalität – es nimmt mir das Nachdenken über Infrastruktur ab, und das ist für mich eine große Erholung.
  • Auf der Zugfahrt lese ich über die Stadt Schwerin und mache mich lustig über das Foto der »Skyline« auf Wikipedia (ein Rapsfeld mit einigen Häusern im Hintergrund). Schwerin ist allerdings wunderschön und einen weiteren Besuch wert!
  • Jedes Mal, wenn ich eine Auster esse (was so gut wie nie vor kommt), weiß ich schon vorher: Ich hätte es einfach lassen sollen. Man sollte es generell lassen; was haben die Menschen mit Austern?!
  • Eine ältere Frau spricht Gisela (den Hund) an: »Wo ist denn dein Krönchen?! Pudel bekommen doch beim Friseur ein Krönchen verpasst! Seiten kurz, oben lang!« Ich wusste nicht, dass der Sei-ku-o-la auch bei Pudeln angesagt ist, aber werde gleichzeitig das Gefühl nicht los, dass die Dame in Sachen Hundefrisuren auch ein wenig gestrig unterwegs ist.
  • Im April habe ich zwei neue Happy Places für mich entdeckt: Zum einen das Garten-Center, das durch meine neue Terrasse nun endlich einen Besuch wert ist, und: Meine Bezirks-Bibliothek! Ich bin noch ganz neu, und ich liebe sie innig!
  • Auf Tiktok erklärt mir eine Frau, wie ich bei Nervosität zwischen Bauchgefühl (»Warum … nicht einfach machen?!«) und tatsächlicher Panik (»Aber was, wenn … passiert?!«) unterscheiden kann. Ich denke eine Weile über ihre Theorie nach; es könnte was dran sein. Weil ich Sorge habe, mich immer öfter an Tiktok-Theorien zu orientieren, lösche ich daraufhin die App.
  • “Pay attention to what you pay attention to.” (Amy Krouse Rosenthal)
  • Beim Friseur verweigert mir die Friseurin den Sei-ku-o-la. »Du brauchst mehr Haare! Dein Gesicht ist so zart. Wie eine Birne.«
  • Ich glaube, ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ein echtes Wildschwein gesehen? Diese Tiere sind etwa doppelt so groß und breit wie ich sie mir vorgestellt habe?!
  • Naheliegender und immer wirksamer Problemlöser für Zerknautschtheit, Traurigkeit, Müdigkeit und Trägheit: Rausgehen. Es hilft einfach immer.
  • Zum Monatsende verlasse ich die Stadt für ein paar Tage. Die Stille tut gut. Das Handy nicht. Ich nehme mir vor, es in meinem Koffer einzuschließen und durch mentales Training den Zahlencode zu vergessen. Over and out.