Anschluss

Gelesen und mich lange nicht so sehr in einem Gedanken wiedergefunden:

Nun sind also die Mechanismen des Digitalen, die wir seit unserer Adoleszenz studieren, im gesellschaftlichen Diskurs angekommen. Größer, machtvoller und anders als wir uns das damals vorstellten. Das Fragmentierte und Performative ist nicht mehr unseres, in Experiment und Spiel. Es entscheidet Wahlen, es prägt die funktionalen Strukturen, mit denen wir zu leben haben. Die Simulakren verdecken nicht mehr länger die Wahrheit, sie sind selbst zur Wahrheit neuer Ordnung geworden. Aspekte dieses Zusammenhangs sind seit langem mein Thema, und dennoch scheine ich in diesem Jahr den Anschluss verloren zu haben: My refusal to accept irony as a primary means of perceiving marks the end of my tenure as a member of the current generation.

Wie jedes Jahr gilt: Maltes (musikalischer) Jahresrückblick.

December: Easiness, Celebrities, and Another Round

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This is it. I really can’t wrap my head around why new years eve is such a thing, but it always is: so much weight on one night that throws us into raw panic; you better make this evening the greatest of the year, it’s your last chance!

It’s not going to work anyway. So I decided to skip it. Also, I am not going to make this my end-of-year review, because I know that we will wake up tomorrow, and there will be just another day, another month, another year waiting for us. It’s only names that change.

Over Christmas, I met friends from school, and we shared our best moments of the past year. It was hard to think of something—not because my year was shit; there were ups and downs, and 12 months are long. I tried to explain this one recent evening, where we luckily got cheap tickets for the Vienna Burg theatre, and afterwards we stumbled out into the Austrian night, and it was so clear, and we decided to walk home, because you can just walk everywhere in Vienna, and on our way, we ate a cheese-filled sausage (don’t ask), and it was all very easy.

Easy was what I needed. We spent so much time in coffee houses again, and that was easy too: “More Royals or more Celebrities?”, asks my friend and holds up a bunch of tabloid magazines. Hours passed, and we let them, we just read and said nothing. I find talking really hard sometimes, which is probably a bourgeois problem. I enjoy being silent.

This year ends with a lot of things it started with. Sholem published his first book with his Berlin Diary drawings. I keep re-reading Elisabeths weekly summaries, because they are soft and gentle everyday life observations. I still watch Roger Willemsen on YouTube, and I wish he could have said or written something to hold onto after 2016.

For the next year, I plan to discover more music. I’ve been listening to only two albums recently: Solange’s True (2012), and Pure Bathing Culture’s Pray For Rain (2015). I saved some tracks on Spotify, but I can’t remember titles or artists, which is sad.

Two days ago, a thin but cold layer of frost covered the city I am currently in. Winter came back. Twelve months ago, I couldn’t wait for it to leave, I almost couldn’t bear Berlin anymore. But Summer saved me, yet again. And I am impatient for it to arrive. Four more months. And then another year. Another round. Let’s make it count.

It’s Moving Underneath Me

Some moving images from 2016. It’s Moving Underneath Me.

Buxe

Tobi: Apple ändert ständig seine Buchsen.
(…)
Tobi: … Buchse. Sagt man das überhaupt noch?
Kathi: Ne Buchse ist doch ‘ne Hose?!

E. und ich denken darüber nach,

was wohl unsere Qualitäten für eine Business-Idee auf Instagram wären. Yoga? Ein eigenes Fitness-Programm? Raffiniert gemixte Smoothies? Nach einigem Überlegen fällt es mir ein:

Käsebrot. Damit habe ich wirklich Erfahrung.

Zeit vergeuden in Wien

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  • Französisch frühstücken bei La Mercerie
  • Leute beobachten im Café Prückel
  • Udo Jürgens’ hässliches Grab auf dem Zentralfriedhof finden
  • Ganz oben im Burgtheater auf die Köpfe der Schauspieler gucken
  • Nachts Käsekrainer essen
  • »Handsemmeln«?!
  • Zufällig in eine Lesung von Stefanie Sargnagel stolpern
  • In Wien ist Zurücklehnen nicht Müßiggang, sondern Pflicht: Zum Beispiel im Café Jelinek
  • Richtig gute Kartoffelecken: Café Wirr
  • Über Hundertwassers unebenen Boden schleichen
  • Im dortigen Tian Bistro die perfekte Lasagne essen und dabei die Hängepflanzen bewundern
  • Sowieso: Wien ist immer bewundern.

Zwischen fünf Minuten

21 Uhr 56 —
Mich dann wieder zwei Stunden auf Websites verlieren an einem Abend, an dem es sowieso schon 21 Uhr ist und ich noch nicht mal etwas gegessen habe. Aber nicht auf Quatsch-Websites, sondern auf guten, auf Blogs von Leuten, die sich anfühlen, als wären sie seit 2008 nicht mehr aktualisiert worden, aber der neueste Eintrag ist gerade mal einen Tag alt, oder eine Woche, und man merkt: Da ist sich jemand seiner Sache treu geblieben. Das macht froh, durch den Bildschirm hindurch.

21 Uhr 57 —
Beim Aufploppen der Nachricht am oberen rechten Bildschirmrand kurz nostalgisch werden, und dann händeringend an dieser einen Erinnerung festhalten; diesem Abend, an dem wir alles nochmal durchgespielt haben, wohlwissend, dass es keine gute Idee sein konnte. Als würde man die frisch ausgebesserte Bleistiftzeichnung nochmal absichtlich verschmieren, einmal mit dem fettigen Daumen durch, oder drin herum zeichnen, um den Ausbesserungs-, den Heilungsvorgang wiederholen zu müssen.

21 Uhr 58 —
Seit bestimmt zehn Minuten steht das kochende Wasser in der Küche bereit, aber ich hänge zu tief in der Sofaritze, um jetzt aufzustehen und den Tee aufzugießen. Das sollte man nicht machen, sich diesen Platz in der Sofaritze gönnen, wenn man nicht wirklich bereit ist und alle Arbeit abgeschlossen hat, die einen Fußweg erfordern. Sonst kommst du nicht raus aus der Ritze. Die schmiegt sich einfach an dich ran mit ihrem heimlichen, wohlig warmen Klammergriff.

21 Uhr 59 —
In Wirklichkeit ist es natürlich schon 22 Uhr 06, aber wenn ich das hier in den Titel geschrieben hätte, würde die Idee des Textes nicht aufgehen. Und manche Momente, wie diese hier, passen ja wirklich locker zwischen fünf Minuten, nur das Aufschreiben ist mühsam, das dauert eben. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich die Diktierfunktion des Telefons nutze, um einen Gedanken fast in Echtzeit zu digitalisieren. Aber oft klappt es nicht; das Zeitlimit stresst mich, die Formulierungen werden steif und streng, wogegen das Tippen oder Aufschreiben etwas weiches hat, was eben nicht immer zwischen fünf kleine Minuten passt.