21 Uhr 56 —
Mich dann wieder zwei Stunden auf Websites verlieren an einem Abend, an dem es sowieso schon 21 Uhr ist und ich noch nicht mal etwas gegessen habe. Aber nicht auf Quatsch-Websites, sondern auf guten, auf Blogs von Leuten, die sich anfühlen, als wären sie seit 2008 nicht mehr aktualisiert worden, aber der neueste Eintrag ist gerade mal einen Tag alt, oder eine Woche, und man merkt: Da ist sich jemand seiner Sache treu geblieben. Das macht froh, durch den Bildschirm hindurch.
21 Uhr 57 —
Beim Aufploppen der Nachricht am oberen rechten Bildschirmrand kurz nostalgisch werden, und dann händeringend an dieser einen Erinnerung festhalten; diesem Abend, an dem wir alles nochmal durchgespielt haben, wohlwissend, dass es keine gute Idee sein konnte. Als würde man die frisch ausgebesserte Bleistiftzeichnung nochmal absichtlich verschmieren, einmal mit dem fettigen Daumen durch, oder drin herum zeichnen, um den Ausbesserungs-, den Heilungsvorgang wiederholen zu müssen.
21 Uhr 58 —
Seit bestimmt zehn Minuten steht das kochende Wasser in der Küche bereit, aber ich hänge zu tief in der Sofaritze, um jetzt aufzustehen und den Tee aufzugießen. Das sollte man nicht machen, sich diesen Platz in der Sofaritze gönnen, wenn man nicht wirklich bereit ist und alle Arbeit abgeschlossen hat, die einen Fußweg erfordern. Sonst kommst du nicht raus aus der Ritze. Die schmiegt sich einfach an dich ran mit ihrem heimlichen, wohlig warmen Klammergriff.
21 Uhr 59 —
In Wirklichkeit ist es natürlich schon 22 Uhr 06, aber wenn ich das hier in den Titel geschrieben hätte, würde die Idee des Textes nicht aufgehen. Und manche Momente, wie diese hier, passen ja wirklich locker zwischen fünf Minuten, nur das Aufschreiben ist mühsam, das dauert eben. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich die Diktierfunktion des Telefons nutze, um einen Gedanken fast in Echtzeit zu digitalisieren. Aber oft klappt es nicht; das Zeitlimit stresst mich, die Formulierungen werden steif und streng, wogegen das Tippen oder Aufschreiben etwas weiches hat, was eben nicht immer zwischen fünf kleine Minuten passt.