schwimmen

Tragluft

Zeichnung der Traglufthalle von innen, unten der Pool; eine Bank mit einem Handtuch. An der Wand zeichnen sich Schatten der Bäume ab

Über zwei große Becken spannt sich das weiße Membransystem. An seinen Wänden, im Inneren der Traglufthalle, zeichnen sich die filigranen Schatten der noch kargen Bäume draußen ab. Darüber kreisen die Vögel, deren Silhouetten man sieht, während man rücklings im Wasser treibt. Die Schwimmer sind konzentriert, sie ziehen leise ihre Bahnen. Hier drin ist es warm und ruhig. Ich bin jetzt schon traurig, dass diese Halle in wenigen Wochen für den Sommer abgebaut wird.

Schwimmen

Photo of the Atlantic ocean

Ich lege meine Sandalen an den Rand des Beckens und halte meine nackten Füße ins Wasser. Es ist kein normaler Pool, sondern ein »Piscina Naturale« – nur eine dünne, rustikale Steinwand trennt das Becken vom Atlantik, der regelmäßig seine schäumenden Wellen herüber spült. Die Sonne scheint heiß auf meine Haut, aber das Wasser ist angenehm frisch. Ohne lange zu zögern schiebe ich meinen Körper hinein.

In Stellas Protokollen habe ich neulich diese kurze Dokumentation über drei Frauen entdeckt, die während der Pandemie mit dem Schwimmen begonnen haben. Sie kannten sich vorher nicht, aber das gemeinsame Hobby, das irgendwann zur Notwenigkeit wurde, brachte sie zusammen. Dann, als sich der Sommer in den Herbst, und dann in den Winter verwandelte, konnten sie nicht mehr aufhören. Sie badeten im Eis, und sahen so glücklich aus.

Und Nina hat mir vor einer Weile ein Buch geschickt: Bahnen ziehen, von Leanne Shapton. Die Autorin erzählt von ihrer Karriere als Schwimmerin; von den anstrengenden Trainingstagen im Winter, den Pools und dem Wettbewerb.

Ich liebe auch Florians About-Text auf seiner Website. Florian ist Journalist und reist dafür um die Welt, und er schreibt: »Ich gehe da, wo ich bin, gern schwimmen, ob in der beißend kalten Irischen See oder der Newa in St. Petersburg.« Die Orte über das Wasser erfahren, das scheint mir eine gute Idee zu sein, zumindest aber ein Eindruck, der bleibt, weil es immer so eine körperliche Erfahrung ist. Eine hohe Barriere, die man in sehr kurzer Zeit überwinden kann; vom Trockenen ins Nasse.

Ich kann gar nicht richtig schwimmen. Ich kann Brustschwimmen, ja, aber weiter geht es nicht. Tauchen geht auch nicht, weil ich ohne Brille meine Koordination verliere, und sie deshalb meist auch im Wasser trage. Ich muss ziemlich verklemmt aussehen, wie ich da im Ozeanbecken umher schwimme, den Kopf immer über Wasser. Aber es ist egal. Ich sehe die anderen nicht, die Sonne ist zu grell, und das Wasser zu kühl. Ich bewege mich einfach nur, wie schwerelos.

Das Naturschwimmbecken ist perfekt für mich. Es ist ruhig, trotz der vielen Leute, und gleichzeitig wild, durch die hohen Wellen hinter der Mauer. Ich nehme mir vor, doch nochmal richtig schwimmen zu lernen. Kraulen. Richtig schnell. Mit einer ordentlichen Schwimmbrille, oder Kontaktlisten. Und dann komme ich hierhin zurück.