Visuelles

Die Welt von drinnen: 20 Jahre Christowski Blog

Cover: Die Welt von drinnen Buch

2026 wird dieses Weblog 20 Jahre alt. 20 Jahre! Seit zwei Dekaden schreibe ich hier in meine kleine Internet-Ecke. Warum eigentlich? Kein Mensch liest mehr Blogs, heißt es, das Internet habe sich auf soziale Plattformen verlagert. Ich glaube tatsächlich, dass fast niemand mehr diese Website besucht, und es gibt hier kein Tracking. Aber das ist mir egal; ich mache es für mich. Das Blog ist mein Ort im Internet, in den mir niemand reinreden kann; mein Ort, den ich selbst gestalten kann. Schreiben hilft mir beim Denken, und der verlockende kleine blaue „Veröffentlichen“-Knopf gibt mir dann das Gefühl, etwas erschaffen zu haben. Sehr genugtuend!

Klar könnte ich auch einfach in ein Notizbuch schreiben, manche Texte bleiben da auch besser. Aber das Teilen meiner Inhalte auf diesem Blog, über all die Jahre hinweg, hat mir meine besten Freunde beschert und mir geholfen, mich selbst ein bisschen besser zu erkennen. Und nur, weil bloggen als Format vielleicht weniger relevant ist, heißt das ja nicht, dass man es lassen müsste.

Die Welt von drinnen: Buchseiten

Zur Feier dieses Jubiläums habe ich ein kleines Buch gemacht. »Die Welt von drinnen« heißt es: 128 Seiten aus 20 Jahren Christowski Blog. Es ist ein Gegenentwurf zum Doomscrolling auf Instagram, ein Zeitvertreib beim Warten auf den Zug, und zum Schmökern vor dem Einschlafen. Es gibt einige Exemplare zu kaufen, hier auf der Landing Page. Viel Spaß beim Lesen, online hier im Blog, oder dann offline, in diesem kleinen Buch.

Riesenblumen

Ärztehaus Treptow: Ein Berliner Haus mit großen Blumenskulpturen

Seit Jahren fahre ich an diesem Haus vorbei, immer wollte ich es schon fotografieren: Das Ärztehaus in Treptow (Wikipedia), ein Mehrfamilienhaus aus den 1880er Jahren, an dem der Künstler Sergej Alexander Dott seine zehn »Riesenblumen« installiert hat: »Mir war es wichtig, in einer Metropole wie Berlin einen poetischen Ort zu gestalten, der die Genialität der Natur widerspiegelt.« Die Arzneipflanzen sind aus Stahl und Polyesterharz, und wurden als Kunst am Bau 2012 angebracht.

USB 2.0

Foto von mir mit einem selbstgebastelten Hut mit USB Kabel

USB 2.0, 2016

Tragluft

Zeichnung der Traglufthalle von innen, unten der Pool; eine Bank mit einem Handtuch. An der Wand zeichnen sich Schatten der Bäume ab

Über zwei große Becken spannt sich das weiße Membransystem. An seinen Wänden, im Inneren der Traglufthalle, zeichnen sich die filigranen Schatten der noch kargen Bäume draußen ab. Darüber kreisen die Vögel, deren Silhouetten man sieht, während man rücklings im Wasser treibt. Die Schwimmer sind konzentriert, sie ziehen leise ihre Bahnen. Hier drin ist es warm und ruhig. Ich bin jetzt schon traurig, dass diese Halle in wenigen Wochen für den Sommer abgebaut wird.

Heiße Schokolade

Zeichnung eines Plastikbechers mit heißer Schokolade

Seit Einbruch der Minusgrade sehnte ich mich nach einem eisigen Winterspaziergang und einem darauf folgenden Heißgetränk. Kaffee und literweise Tee gehören sowieso zu meiner Alltagsroutine – so beschloss ich, zu einer Heiße-Schokolade-Person zu werden.

Das Getränk, das sonst vor allem Kindern und kaffeeabtrünnigen Personen zugeschoben wird, hatte ich nach der antrainierten Koffeinabhängigkeit vollkommen vergessen. Dabei ist es doch perfekt für so einen kalten Körper, der gerade frisch aus dem Schneegestöber in die Wohnung stolpert. Ich erinnere mich an mein Studium, in dessen Wintersemestern Łukasz und ich regelmäßig zu den in Nischen verbauten Getränkeautomaten auf dem Flur trapsten: Für 50 Cent gab es dort einen kleinen, dünnen, braunen Plastikbecher voll mit dicker, heißer Schokolade. Wir tranken sie literweise.

Und als wäre es eine höhere Schokoladenanweisung des Schicksals gewesen, veröffentlichte jüngst Elisabeth Raether im ZEIT Magazin ein Rezept für »Heiße Schokolade für Erwachsene« (Z+). Eine Mixtur, die es in sich hat: Für eine Tasse erhitzt man 100 ml Milch, 100ml Sahne, 50 g Zartbitter- und etwa 30 g Vollmilch-Schokolade in einem Topf, und rührt dann noch einen kleinen Esslöffel Kakaopulver hinein. Die Erwachsenen-Komponente besteht aus einem kleinen starken Espresso, der zum Ende hinzugekippt wird. Macht satt und glücklich, und man fühlt sich kurz wie ein erwachsenes Kind.

Januar-Liste 2025

Illustration von einem Ei mit Knacks. Titel: Breaking my silence

  • Breaking my silence: Ich liebe hartgekochte Eier! Warum habe ich so lange gebraucht, um diesen tollen Snack endlich wertschätzen zu können?! Ich esse sie gerne Mittags zu einer dicken Scheibe Käsebrot, mit Salz und einer halben, fein geschnittenen Gurke. Cöstlich!
  • Bin in letzter Zeit außerdem besessen von Soba, japanischen Nudeln aus Buchweizen. Sie begegnen mir in Podcasts und Romanen, und ich bin sicher: in wenigen Monaten wird man sie vermutlich überall für viel Geld in Berliner Restaurants bestellen können.
  • Das Schöne am Winter: wenn es nachts dunkel ist in meiner Wohnung, wirft der Mond sein Licht in den Schnee auf der Terrasse, und taucht mein Zimmer in ein weiches Leuchten.
  • »Leider kann man hier keinen Elan kaufen«, sagt P., während wir durch den Künstlerbedarfsladen in der Gottschedstraße schlendern.

Illustration von mir: Links jung und knackig, rechts alt und faltig

  • Alle paar Jahre lasse ich neue Fotos von mir machen. Ich sehe mein Gesicht, und das Gesicht auf den Fotos von vor fünf Jahren, und wie sehr sich fünf Jahre bemerkbar machen. So ist es wohl.
  • Montag Nachmittag. Eine Frau heult in der U-Bahn in ihr Telefon: »Ich bin echt wieder bereit fürs Wochenende!«

Zeichnung einer Hand, die nach einer ängstlichen Schachfigur greift

  • M. nimmt an einem Schnellschach-Turnier teil. Die Teilnehmenden halten verkrampft ihre Hände über die Spielbretter. Das sei die notwendige Handhaltung beim Schachspielen. »Manchmal, wenn man die Spannung hoch genug hält, schwebt einem die Figur sogar zwei oder drei Zentimeter entgegen«, schreibt er mir.
  • Wenn nun die digitalen sozialen Netzwerke in sich zusammenfallen, können wir uns endlich wieder auf unsere Offline-Communitys konzentrieren. Ich besuche einen Publix Thursday (sehr empfehlenswert!), treffe einige bekannte Gesichter, und bin dankbar für dieses Netzwerk aus sehr schlauen und sehr guten und sehr echten Menschen.
  • Mehrmals am eigenen Leib erfahren: Bei all dem politischen Desaster und der mehr als schiefen Weltlage hilft: Mit Freunden sprechen, und zwar auch über die krudesten Sorgen und Ängste, und auch, wenn sie lächerlich scheinen. Sie aussprechen und sich ernst nehmen, das hilft immer.
  • Generell hilft: In die Sonne schauen, so oft es geht. Die ist so hell, dass man alles andere für einen kurzen Moment nicht mehr sieht.

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