{"id":54,"date":"2017-04-01T13:31:07","date_gmt":"2017-04-01T13:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/christowski.de\/blog\/index.php\/2017\/04\/01\/vier-oder-fuenf-maenner-in-muenchen\/"},"modified":"2022-11-15T20:36:53","modified_gmt":"2022-11-15T18:36:53","slug":"vier-oder-fuenf-maenner-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christowski.de\/blog\/2017\/04\/vier-oder-fuenf-maenner-in-muenchen\/","title":{"rendered":"Vier oder f\u00fcnf M\u00e4nner in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<figure class=\"tmblr-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/66.media.tumblr.com\/c244ea2de03ed76c333ee16c3b940ea7\/tumblr_inline_ops28bDeKc1qbfze0_540.png\" \/><\/figure>\n<p>1 \u2014 Beim Spaziergang in der Gabelsbergerstra\u00dfe, durch die Scheibe eines bemalten Schaufensters, nur zuf\u00e4llig in mein Blickfeld geraten, bemerke ich ihn: einen jungen Mann, der zusammengesunken vor einem schwarzen Klavier h\u00e4ngt. Der Kopf geneigt; die linke Hand spielt. Die rechte Hand liegt eingegipst auf seinem Scho\u00df. Ich h\u00f6re ihn nicht spielen, sehe nur seinen zusammengesunkenen K\u00f6rper vor dem Instrument, und das glei\u00dfende Sonnenlicht passt nicht zur Traurigkeit seiner K\u00f6rpersprache.<\/p>\n<p>2 \u2014 Schellingstra\u00dfe, Ecke T\u00fcrkenstra\u00dfe: Die beiden jungen M\u00e4nner sitzen auf der Schattenseite des Eckitalieners. Vor ihnen jeweils ein St\u00fcck Schinkenpizza. Sie essen nicht, sie rauchen noch. Erst sehen sie aus wie Br\u00fcder, aber der eine erz\u00e4hlt von seinen Eltern, die er \u201emeine Mum\u201c und \u201emein Daddy\u201c nennt. Beide tragen wildlederne Segelschuhe, lachsfarbene Chinos und hellgraue Sommerhemden. Sie witzeln \u00fcber die M\u00fcnchner Schickeria, und legen sich ungelenk die Papierservietten auf ihre Oberschenkel.<\/p>\n<p>3 \u2014 Ich biege in die Residenzstra\u00dfe ein. Kurz vorher halte ich inne: Auf einem der gro\u00dfen Steinl\u00f6wen vor der Feldherrnhalle sitzt ein Typ. Er hat ein breites Kreuz, die muskul\u00f6sen Beine werden kaum noch von den kurzen Hosen verdeckt. Erhaben schaut er auf die Touristen hinunter. Am Fu\u00df des Sockels hantiert sein Kumpel mit einem Selfiestick. Der Mann auf dem L\u00f6wen dreht sich zu ihm um, jede Bewegung eine Pose. Dann blickt er wieder nach vorne, schlie\u00dft die Augen, hebt das Kinn und wartet auf ein L\u00f6wenbr\u00fcllen.<\/p>\n<p>4 \u2014 Im Dianatempel des Hofgartens spielt jemand Violine. Es gibt viele Zuh\u00f6rer, alle scheinen verzaubert und dankbar f\u00fcr so einen harmonischen Sommertagsausklang. Auf einem der steinernen B\u00e4nke sitzt ein rothaariger Student. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages glei\u00dfen durch den Tempel und landen auf seinem blassen Gesicht. Mit geschlossenen Augen lauscht er der Musik \u2013 zwei bis drei Liederl\u00e4ngen verharrt er so. Reglos und konzentriert, in aufrechter Haltung, keinerlei Miene. Ihn anzusehen macht alles pl\u00f6tzlich ganz still, obwohl er direkt neben dem Musiker sitzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 \u2014 Beim Spaziergang in der Gabelsbergerstra\u00dfe, durch die Scheibe eines bemalten Schaufensters, nur zuf\u00e4llig in mein Blickfeld geraten, bemerke ich ihn: einen jungen Mann, der zusammengesunken vor einem schwarzen Klavier h\u00e4ngt. Der Kopf geneigt; die linke Hand spielt. Die rechte Hand liegt eingegipst auf seinem Scho\u00df. 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