{"id":2611,"date":"2022-04-17T12:18:04","date_gmt":"2022-04-17T10:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/christowski.de\/blog\/?p=2611"},"modified":"2022-11-15T20:36:51","modified_gmt":"2022-11-15T18:36:51","slug":"berlin-die-stadt-der-schlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christowski.de\/blog\/2022\/04\/berlin-die-stadt-der-schlangen\/","title":{"rendered":"Berlin, die Stadt der Schlangen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"1128\" class=\"alignnone size-full wp-image-2614\" src=\"https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog.jpg\" alt=\"Schwarz-wei\u00df-Illustration einer Schlange\" srcset=\"https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog.jpg 1200w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog-250x235.jpg 250w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog-700x658.jpg 700w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog-768x722.jpg 768w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Berlin-Schlange-Blog-120x113.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p>Ich habe keinen Bock mehr, mich st\u00e4ndig f\u00fcr alles anzustellen. Ob f\u00fcr einen Tisch im Restaurant, f\u00fcr einen Termin beim Amt, oder f\u00fcr eine l\u00e4cherliche Kugel Eis: Berlin ist die Stadt der Schlangen. F\u00fcr alles muss man sich einreihen. Es nervt!<\/p>\n<p>Ich lebe seit 12 Jahren in Berlin, aber erst seit drei oder vier Jahren scheinen die Schlangen zuzunehmen. Ein Restaurantbesuch an einem Freitag Abend ist in Kreuzberg eigentlich nicht mehr m\u00f6glich, wenn man nicht Tage vorher einen Tisch reserviert hat. Wer Samstag Nachmittag ein Eis essen m\u00f6chte, der bringt am besten eine halbe Stunde Zeit mit, um sich daf\u00fcr in eine Warteschlange zu stellen. Lediglich die Tatsache, dass ich morgens um f\u00fcnf aufstehen muss, damit ich um halb sieben vor dem B\u00fcrgeramt warten kann (um acht Uhr \u00f6ffnen sich die T\u00fcren), ist kein neues Berliner Ph\u00e4nomen. Dass sich die Schlangen nun vom B\u00fcrgeramt aus auch in s\u00e4mtlichen anderen Institutionen einnisten, h\u00e4tte meiner Meinung nach nicht sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn ich in den Sommermonaten durch Kreuzberg und Neuk\u00f6lln laufe, beschleicht mich das Gef\u00fchl, dass die Stadt um ein Vielfaches voller ist als noch vor einigen Jahren. Warum sind pl\u00f6tzlich alle hier, wo das Leben hier doch viel teurer geworden ist? Ein Blick in die Statistik widerlegt meine Theorie: 2010 lebten 261.090 Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg, 2020 sind es 289.014; in Neuk\u00f6lln ist der Anstieg \u00e4hnlich gering. Sind es also Reisende, die im Sommer die Caf\u00e9s und Restaurants und Eisdielen bev\u00f6lkern? Vermutlich und auch verst\u00e4ndlich, denn der Sommer hier k\u00f6nnte so sch\u00f6n sein. Wenn es nicht \u00fcberall so viele Schlangen g\u00e4be!<\/p>\n<p>Oder liegt es an der Pandemie? Das war letztes Jahr noch plausibel, als es lediglich Sitzpl\u00e4tze in den Au\u00dfenbereichen gab, und die Menschenansammlungen durch Abstandsregeln vergr\u00f6\u00dfert wurden. Aber im Fr\u00fchling 2022 sind alle Restaurants einfach immer voll, drinnen und drau\u00dfen; und die Schlangen wachsen weiter.<\/p>\n<p>Bin ich vielleicht einfach w\u00e4hlerischer bei der Auswahl meiner Restaurants geworden? Als klischeebehafteter Hipster esse ich nat\u00fcrlich gerne in aufregenden, sch\u00f6n eingerichteten Speisest\u00e4tten. Was aber einmal im Cee Cee Newsletter erw\u00e4hnt wurde, ist danach nat\u00fcrlich komplett <em>over<\/em>. Zahlreiche selbsternannte Food Critics empfehlen die besten Donut-Shops der Stadt auf TikTok, in denen daraufhin dann Sch\u00fcler\u00b7innen ihr Taschengeld auf den Kopf hauen. Ich bin eigentlich auch eher ein Freund der Bodenst\u00e4ndigkeit \u2013 ich brauche gar keine Fleur-de-Sel-Matcha-Sternanis-Eiscreme. Eiscaf\u00e9 Venezia (Erdbeer Schoko Vanille) und Konsorten sind mittlerweile nur einfach sehr rar geworden \u2013 zumindest in den Szenebezirken.<\/p>\n<p>Am Ende liegt es also doch an mir. Auch ich bin eine Schlange. Eine, die sich durch ihr Hipsterviertel schlemmt, zur uns\u00e4glichsten Zeit (Freitag Abend 19 Uhr) einen Tisch f\u00fcr vier Personen will, und sich zur Not eben einreiht, wenn es um das Erstehen eines gefrorenen Milchdesserts geht. Vielleicht wird es Zeit, die Szenebezirke zu verlassen und sich ein Stammlokal zu suchen. Eins, in dem es immer einen Tisch gibt, und in dem ein Kaffee keine vier Euro kostet. Das sind meistens die Orte, vor denen sich niemand anstellt. Orte ohne Schlangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe keinen Bock mehr, mich st\u00e4ndig f\u00fcr alles anzustellen. Ob f\u00fcr einen Tisch im Restaurant, f\u00fcr einen Termin beim Amt, oder f\u00fcr eine l\u00e4cherliche Kugel Eis: Berlin ist die Stadt der Schlangen. 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