{"id":2518,"date":"2021-09-19T14:48:00","date_gmt":"2021-09-19T12:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christowski.de\/blog\/?p=2518"},"modified":"2022-11-15T20:36:51","modified_gmt":"2022-11-15T18:36:51","slug":"zack-die-bohne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christowski.de\/blog\/2021\/09\/zack-die-bohne\/","title":{"rendered":"Zack die Bohne!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"517\" class=\"alignnone size-full wp-image-2525\" src=\"https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web.jpg\" alt=\"Tonkabohne\" srcset=\"https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web.jpg 1200w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web-250x108.jpg 250w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web-700x302.jpg 700w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web-768x331.jpg 768w, https:\/\/christowski.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tonkabohne-web-120x52.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p><em>\u00dcber das Trendgew\u00fcrz des Jahrzehnts: Die Tonkabohne<\/em><\/p>\n<p>Erwischt: Ich bin einer der letzten erwachsenen Menschen, die Joghurt mit Geschmack kaufen. Dieses saure, langweilige Naturjoghurt kann ich einfach nicht ausstehen, und greife daher lieber auf k\u00fcnstliche, durch S\u00e4gesp\u00e4ne erzeugte Aroma-Produkte zur\u00fcck. Der Vorteil: Man ist den bisweilen absurden und kreativen Kompositionen der Hersteller ausgesetzt. Und hin und wieder macht man auch eine Neuentdeckung, wie ich neulich: Ich kam so auf den Geschmack der Tonkabohne!<\/p>\n<p>Die Tonkabohne ist eine kleine Bohne aus S\u00fcdamerika. Ich habe sie zwar durch meine kulinarische Anspruchslosigkeit als Joghurt-Edition entdeckt, aber eigentlich fungiert sie als Dessert- und Kochgew\u00fcrz. Verkauft wird sie \u00e4hnlich wie eine Muskatnuss: Teuer und in kleinen Mengen. Die Bohne ist fingernagelgro\u00df und recht unansehnlich; schwarz und schrumpelig. Ihr Geschmack aber ist wie die erwachsene Variante einer Vanilleschote: S\u00fc\u00df aber auch herb, ein bisschen bitter, und vor allem: sehr erwachsen. Man reibt kleine Mengen in Nachspeisen oder auch mal in eine deftige Suppe, und f\u00fchlt sich, als h\u00e4tte man die kindliche Phase der obligatorischen Zimtstange \u00fcberwunden und k\u00f6nnte nun \u2013 endlich! \u2013 zu den Mitteln eines Erwachsenen greifen, und mit einer kleinen Gew\u00fcrzreibe in der K\u00fcche hantieren. Wegen ihres Cumarin-Anteils sind sie zus\u00e4tzlich auch ein ganz kleines bisschen gef\u00e4hrlich, was sie zum ultimativen Erwachsenen-Genussmittel macht.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste an der schrumpeligen Bohne ist aber ihr symbolischer Wert: Wer eine Tonkabohne bei sich tr\u00e4gt, wird dem Mythos nach nach mit Gl\u00fcck gesegnet. Wer einen dringlichen Wunsch hat, schnappt sich eine Bohne und eine tote Schlange (klar!), wirft die Bohne in den Fluss und die Schlange in den Tonkabaum, und \u00fcberl\u00e4sst sich so dem Schicksal. Dieser komplizierte Ritus (zu dem ich keine verl\u00e4ssliche Quelle gefunden habe) r\u00fchrt vielleicht auch daher, dass es fr\u00fcher noch nicht so einfach war, lediglich durch ein St\u00fcck gut gew\u00fcrzten K\u00e4sekuchen gl\u00fccklich zu werden.<\/p>\n<p>Ich bin froh, hier in Europa gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, nach einem Tonkabaum und einer toten Schlange Ausschau zu halten. Aber wer wei\u00df, vielleicht bringt mich diese kleine, schrumpelige Bohne dazu, mich wirklich wie ein Erwachsener zu verhalten, und endlich Naturjoghurt zu kaufen. Ganz ohne Geschmack, nur mit \u2013 zack! \u2013 einer Prise frisch geriebener Tonkabohne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Trendgew\u00fcrz des Jahrzehnts: Die Tonkabohne Erwischt: Ich bin einer der letzten erwachsenen Menschen, die Joghurt mit Geschmack kaufen. 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